Mittwoch, 28. Februar 2018

Die Moritzkirche und John Pawson

Die Moritzkirche ist eine der ältesten Kirchen in Augsburg und liegt im Zentrum der Stadt. Ihre Geschichte geht bis auf das Jahr 1019 zurück. Sie entstand zuerst als romanische Basilika und wurde ab 1299 nach einem Brand und einem teilweisen Einsturz im Stil der Gotik neu errichtet. Die Mauern dieses Baus bilden immer noch die Außenmauern der heutigen Kirche. Nach einer einer grundlegenden Barockisierung im 18. Jahrhundert, dem Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg und vielen kleineren Umbauten entschloss sich die Gemeinde zu einer Neugestaltung. Der bauliche Zustand, Rissbildung im Mauerwerk, Verrußung der Wände und defekte Technik machten eine Renovierung notwendig. Der britische Architekt John Pawson entwickelte ab 2009 ein Konzept für den Sakralraum.
Der ehemalige Barockbau lässt sich an den Raum- und Fensterformen sowie den geschnitzten Apostelfiguren in den Seitenschiffen noch erahnen, doch die Atmosphäre ist jetzt eine völlig andere. Klar und schlicht ist das Konzept: Naturstein, Holz und viel Licht. Zum überwiegenden Weiß gesellen sich nur wenige andere Farbtöne an der Grenze zur Farblosigkeit. Der Boden ist mit hellbeigem Kalkstein belegt. Das Gestühl sowie die Einfassung der Orgel über dem Eingang sind aus dunkel gebeiztem Holz. Alle im Kirchenraum sichtbaren Einbauten, Einfügungen und Möblierungen, die nicht unbedingt zur Aufrechterhaltung der Liturgie vonnöten sind, sind einem visuellen Fasten gewichen. Selbst der spärliche Skulpturenschmuck zeigt bis auf wenige Ausnahmen keine farbige Fassung.
John Pawson wurde 1949 in Halifax (Yorkshire, England) geboren. Seinen Stil fand er in Japan, sein Lehrmeister war der Architekt und Designer Shiro Kuramata. Von ihm lernte er, dass die gewagtesten Experimente mit Materialien und Techniken möglich sind ohne auf Einfachheit zu verzichten. Pawson gründete ein eigenes Architektur- und Designbüro in London, in dem über zwanzig Angestellte unterschiedlichster Nationalitäten für ihn tätig sind. Mit ihm konnte für die Neugestaltung der Moritzkirche ein Designer gewonnen werden, der mit seiner Auffassung von Raum und Licht der Kirche eine Klarheit und Konzentration zurückgeben konnte, die in der romanischen Raumschale schon vorhanden war. Seine Arbeit wurde im Design Museum London und durch die Pinakothek der Modere in München mit Einzelausstellungen gewürdigt.

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