Sonntag, 17. Dezember 2017

Die Augsburger Popgeschichte

Das Buch „Die Augsburger Popgeschichte” erschien erstmals 1988 im SoSo-Verlag. Es listet in unzähligen Beiträgen und alphabetischer Reihenfolge die Beteiligten seit 1958 auf. Gespickt mit vielen Schwarz-Weiß-Fotos, angereichert mit Anekdoten, Erinnerungen und Streifzügen durch die Musikszene der Hauptstadt Schwabens, wurde es zum unentbehrlichen Meisterwerk für angehende Musikhistoriker, solche, die es werden wollen und diejenigen, die es bereits sind. Auch für angehende Musikliebhaber, solche, die es noch werden wollen und diejenigen, die es bereits sind, wurde es zum unverzichtbaren Lexikon. Hier ein paar Auszüge:
AN 1. Stille Tage nicht nur in Clichy. Meditative Musik. 1971 bis 1972. AN 1 bemühte sich ruhige Musik zu schaffen, um dem Zuhörer innere Stille und Geboregenheit zu vermitteln. Das aus Eigenbeiträgen bestehende Programm realisierten die Gitarristen Siegfried Bergmair und Norbert Erhard ausschließlich mit meditativen Instrumentalsongs. Ihren technisch sauberen Vortrag mit strukturierten Klanggespinsten ergänzten sie mit improvisierten Schwebeklängen. 1972 löste sich das Duo auf. Ein Jahr darauf arrangierte Norbert Erhard mit Horst-Dieter Eiberger die Gruppe Ikarus II.
Ikarus II. Virtuose Mischung. Soft-Rock. 1973. Als sie bereits von einer bestehenden Combo Ikarus hörten, tauften sich die Mannen um Horst-Dieter Eiberger und Norbert Erhard kurzerhand in Ikarus II um. Stilistisch angelegt an America und Crosby, Stills & Nash brachte die Formation mit ihren Eigenkompositionen leise Rockmusik auf eine eingängige Unterhaltungsformel. Der besondere Reiz ihres Sounds lag vor allem darin, dass sie akustische Instrumente (Konzertgitarre, Blockflöte) mit elektrischen (Bass) zu einer virtuosen Einheit verbanden. Ihren größten Erfolg verzeichnete die Gruppe bei einem Rockfestival im Augustanasaal, bei dem der Bassist der legendären Ken Rhodes Group die Line Up als Gastmusiker verstärkte.
Trio Infernal. Unvereinbarkeit vereint. Jazz-Rock. 1975. Das Trio widerlegte die von Kritikern oftmals heraufbeschworene Unvereinbarkeit von Qualität und Kommerz im Jazz-Rock-Bereich. Das Spektrum ihrer eigenen Instrumental-Kompositionen reichte von hochenergetischen Rhythmen bis zu abrupt wechselnder Metrik. Jazz-Virtuose Wolfgang Dauner stand für das eine oder andere Werk Pate. Die Gruppe ging getrennte Wege, als Heinrich Weber ins Ausland übersiedelte. Besetzung: Norbert Erhard (git), Henry Jennes (p), Heinrich Weber (dr)
Norbert Erhard. Doppelleben. Grelle Rhythmen und musikalische Effekthascherei sucht man in den Werken des Liedermachers Norbert Erhard vergebens. „Seine Songs sind nachdenklich und zuweilen mit einer gehörigen Portion Ironie durchsetzt” (Stadtzeitung). „Als moderner Wolfram von Eschenbach überzeugt er genauso wie als Interpret jazziger oder spanischer Gitarren-Versionen” (Szene). Nach einer Ausbildung an der klassischen Gitarre verschrieb sich der am 24. August 1955 geborene Musiker, Komponist, Texter, Sänger, Satiriker und Lyriker zunächst den Rock-Klängen. 1971 gründete er AN 1. Ikarus II und Trio Infernal schlossen sich an. Auf der Suche nach neuen Artikulationsmöglichkeiten entstanden 1979 die ersten Dialekt-Songs. Wenig später folgte erneut ein Stilwechsel: Villa-Lobos beeinflusste nun seine musikalische Richtung. Norbert Erhard komponierte eine Reihe von Instrumentaltiteln bevor er die Musik wieder als textlichen Transportträger wählte. 1985 schloss er sich zum Duo Rupprecht & Erhard zusammen und fing poetische Momente mit lyrisch-melodischen Tönen ein. Gegensätzliche Stimmungswerte fügte er auch immer wieder bei seinen Solo-Auftritten und seinen Gastspielen mit dem Duo Wahnfried & Nervenruh in seinen bildmalenden und doch streitbar-humorvollen Klangrahmen ein.
Rupprecht & Erhard. Zwei unterschiedliche Temperamente. Lyrik und Musik. „Was Rupprecht & Erhard mit Wort und Musik zaubern, ist vom Feinsten”, urteilte die AZ. Ende 1985 gegründet, gelang es Siegfried P. Rupprecht und Norbert Erhard mit zahlreichen Auftritten in Süddeutschland ein enges Band zum Publikum zu knüpfen und einen „eigenen neuen Freiraum zu schaffen”(Bildpost, Berlin). Ihr selbst geschriebenes Repertoire umfasst Klangbilder, kritische Seitenhiebe, mitreißende Lieder und gefühlvolle Balladen. „Texte schweben in sensible Klangrhythmen, beißen sich fest, um sich anschließend in sattem Gitarrensound fallen zu lassen” (Allgäuer Zeitung). Als Beispiel ihres musikalischen und textlichen Ideenreichtums wird von Kritikern ihre 1986 eingespielte MC „Wie eine Feder im Wind” angesehen. Der deutsche Blätterwald stellte in ihr „nachvollziehbare Tiefsinnigkeit” (Deutsche Post, Frankfurt) fest und verglich den „den gekonnt gelegten Klangteppich” mit einem „lebendigen Karussell” (Landkreis-Kurier). „Norbert Erhard entpuppt sich dabei als glänzender Virtuose und Siegfried P. Rupprecht als treffender Interpret, Mentalität, Coleur und Aussagekraft homogen und zielstrebig zu vereinen” (Stadtzeitung). Dazu das Duo: „Wir wollen nicht provozieren, doch schon mal die Finger auf offene Wunden legen.” Mit ihren Klangbildern in Wort und Ton umrahmte Rupprecht & Erhard auch diverse Dichter- und Autorenlesungen (Lyrik im Hinterhof).
Wahnfried & Nervenruh. Missionarische Aufbauarbeit. Satire und Musik. Ihre Selbsteinschätzung spricht bereits für sich. „Wir sind die größte Frechheit, seit sich die Menschheit auf die Hinterbeine gestellt hat, die unverschämteste Gemeinheit seit Adam und Eva und die bösartigste Unverfrorenheit seit Heino und Howard Carpendale", heißt es in einer Band-Info. Ihr Programm zollt dem dann auch Tribut. Naivität, Ironie, Witz und Zeitkritik sowie lyrisch Balladeskes gehen darin eine harmonische Ehe ein. Das 1988 gegründete Duo blickt hinter die Kulissen, betreibt missionarische Aufbauarbeit und setzt sich psychisch mit dem am meisten angespitzten Personenkreis, den beamteten Herren in grüner Uniform, auseinander. Gefällige, ins Ohr gehende Melodik und effektvolle Satire sind die Markenzeichen von Wahnfried & Nervenruh. Hinter den beiden Musikern verbergen sich der Augsburger Liedermacher Norbert Erhard und der Münchner Gitarrist Franz Tschetsch.

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