Mittwoch, 16. August 2017

Wertach Vital

Der wohlklingende Name Wertach stammt aus der keltischen Zeit und bedeutet angeblich „Grünes Wasser”, obwohl es eher bräunlich ist. Früher war eben vieles anders. Die Wertach entspringt in den Allgäuer Alpen nahe der Grenze zu Österreich und mündet in Augsburg bei der Wolfzahnau in den Lech. Bis vor gut 150 Jahren zeichnete sich die Wertach durch ausgedehnte Kies- und Sandbänke und ein sich stetig verlagerndes Flussbett aus. Um das Flusstal bewirtschaften zu können und die angrenzenden Siedlungen vor Hochwasser zu schützen, begradigten unsere Vorfahren die Wertach und engten den breiten, verzweigten Flusslauf ein. Dadurch erhöhte sich die Fließgeschwindigkeit und die Wertach grub sich in die Tiefe. Die Standsicherheit von Brücken und Staustufen, sowie deren gesicherter Betrieb, war gefährdet. Der Grundwasserspiegel sank, Oberflächengewässer und Feuchtflächen trockneten aus.
Während des großen Hochwassers an Pfingsten 1999 verursachte die Wertach in den Augsburger Stadtteilen Göggingen und Pfersee große Schäden. Das gab den Anstoß für die Planungen von „Wertach vital”, einem Gewässerschutzprojekt des Freistaates Bayern und der Stadt Augsburg, dessen erklärtes Ziel es ist, die Wertach wieder in einen naturnahen Zustand zu versetzen. Die Ufer wurden aufgeweitet und die Flusssohle durch Steinrampen befestigt. Aufgeschüttete Kiesinseln und große Felsbrocken vermindern die Fließgeschwindigkeit. Seit Oktober 2000 ist der Abschnitt zwischen dem Stausee bei Inningen und der Gögginger Brücke weitgehend renaturiert worden. Es entstand ein attraktiver Naherholungsraum und es entwickelte sich im südlichen Stadtgebiet durch die Renaturierung ein Lebensraum für seltene und gefährdete Arten. Der Fischbestand hat sich dort sogar verdreifacht.
An manchen Stellen im südlichen Stadtgebiet hat der Fluss jetzt die doppelte Breite als vorher. Abgestorbene Bäume im Fluss geben dort jetzt jungen Fischen die Möglichkeit aufzuwachsen. Es gibt mehr Platz für Kiesbänke und damit bessere Lebensräume für sehr seltene Arten wie den Flußregenpfeiffer. Auch der auf der Roten Liste der gefährdeten Tiere stehende Gänsesäger tritt jetzt wieder vermehrt auf. Im Uferbereich, aber auch in den angrenzenden Heideflächen hat sich die Artenvielfalt ebenfalls wieder vergrößert. Lichtungen geben durch ihre Halbschattenlage gefährdeten Arten zum Leben. Die Flussschotterheiden sind größer geworden. Es gibt verschiedene Enzianarten oder den himmelblauen Bläuling, eine seltene Schmetterlingsart. Zwischen der Wellenburger Brücke in Göggingen und dem Inninger Stausee besteht heute das Landschaftsschutzgebiet Wertachauen. Es lädt mit seinen Kiesbänken, Auwäldern und Steilufern zum Spazierengehen oder Radfahren ein.