Sonntag, 11. Dezember 2016

Es ist ein Ros entsprungen

Gerüchte, Legenden und Sagen ranken sich um die Christrose, die auch Schneerose oder Nieswurz genannt wird. Das ist nicht verwunderlich, denn jetzt, in der kalten Jahreszeit, in der im Garten sonst nichts blüht, beginnt sie wie durch ein Wunder aufzuleben. Die nur auf den ersten Blick unscheinbare Pflanze ist in vielerlei Hinsicht rätselhaft, ob als Heilpflanze, in der Botanik, in Geschichte, Religion, Literatur oder Musik. 
Schon Eduard Mörike schrieb: „Schön bist du, Kind des Mondes, nicht der Sonne, die wäre tödlich - andrer Blume Wonne, dich nährt, den keuschen Leib voll Reif und Duft, himmlischer Kälte balsamsüßer Luft.” 
Schon in der Antike war die ausdauernde, krautige Pflanze, die Rhizome als Überdauerungsorgane ausbildet, als Gift- und Heilkraut bekannt. In der Pflanzenheilkunde wurde sie gegen viele Leiden in homöopathischen Dosierungen eingesetzt. Heute, da sicherere und wirksamere Präparate zur Verfügung stehen, findet sie hauptsächlich nur noch als Zierpflanze Verwendung.
Nicht nur Eduard Mörike mit seinem Gedicht „Auf eine Christblume” wurde von der Schwarzen Nieswurz inspiriert. Die Pflanze begegnet uns unter Anderem in „Zwerg Nase” von Wilhelm Hauff, in „Romeo und Julia” von William Shakespeare und in der Romanreihe „Harry Potter” von Joanne K. Rowling. Auch in der wunderbaren Poesie von Christa Spilling-Nöker („Grau ist die Welt”) oder den schwäbischen Versen von Helga Roller („d'Christros”) ist sie zu finden und vor hunderten von Jahren soll der Mönch Laurentius nach einer Winterwanderung und dem Anblick einer Christrose das bekannte Kirchenlied „Es ist ein Ros' entsprungen” niedergeschrieben haben. 
Wer sich von der Hektik der Welt entspannen und zwischendurch eine andere Perspektive gewinnen möchte, dem sei ein kleines Büchlein der schwedischen Schriftstellerin Selma Lagerlöf ans Herz gelegt: „Die Legende von der Christrose”. Die über einhundert Jahre alte Erzählung hat ihren märchenhaften Reiz bis heute bewahrt.

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