Sonntag, 21. Februar 2016

Depression wegen Ackerbau

Während bei Herrn Ackerbau Aufbruchstimmung herrscht, dominiert bei Nervenruh der Niedergang. Oben in Pankow wird bereits das Saatgut für die kommende Gartensaison ausgepackt und angesät, unten in Deuringen wartet der vor acht Tagen abgesägte Zwetschgenbaum immer noch auf die Zerlegung in seine Einzelteile. Der Unterschied zwischen Werden und Vergehen tritt hier deutlich zu Tage. 
Auch bei den Dienstreisen zeigen sich die Gegensätze. Während sie bei Herrn Ackerbau zum Abenteuer werden - und wenn mal nicht, kann er lustige Witze erzählen -, bekommt Nervenruh eine noble Dienstkarosse, hat eine stressfreie, ereignislose Fahrt und verbringt fünf Tage zwischen Konferenzraum, Hotelbar und Schlafzimmer. Erwähnenswert wären diesmal höchstens der pikante Hackepeter mit seinem dezenten Kümmelgeschmack oder das Blaukraut, das in Thüringen Rotkohl heißt und mit Erd- und Johannisbeeren angerichtet wurde, gewesen. Das interessiert doch Keinen. Selbst die Existenz einer Raucherlounge ist allenfalls für einen Einwohner Bayerns aufregend, für alle anderen ist das alltäglich und langweilig. Während Herr Ackerbau viele interessante Fotos mit nach Hause bringt, reicht es bei Nervenruh nur zu einer langweiligen Ablichtung seiner Schlafstatt im Hotel. 
Bei Herrn Ackerbau - und schlendert er nur mal ein paar Schritte die Invalidenstraße entlang - drängen sich ständig unzählige Motive vor die Linse seiner Kamera. In Deuringen liegt nicht mal Müll herum. Da muss man doch depressiv werden.

Kommentare:

Herr Ackerbau hat gesagt…

In Wirklichkeit sollte doch ich neidisch sein und manchmal bin ich's auch, vor allem, wenn ich die ganzen schönen Rezepte lese... Liebe Grüße aus Berlin, Andreas

Herr Ackerbau hat gesagt…

(Und manchmal denke ich auch etwas wehmütig an die Zeiten als ich keine 10 km entfernt von Deuringen gewohnt habe....)