Freitag, 8. Januar 2016

Der Ulrich

„Der Ulrich” sagen die Augsburger, wenn sie über einen spätgotischen Sakralbau im Süden der Altstadt reden. Sie meinen damit eine markant wirkende Basilika, die hart am Abhang der Augsburger Hochterrasse liegt. „Sankt Ulrich und Afra”, so die offizielle Bezeichnung der katholischen Stadtpfarrkirche, bildet mit Evangelisch Sankt Ulrich zusammen eine einzigartige Architekturgruppe. Das Gebäudeensemble ist beeindruckend und beherrscht nicht nur die Maximilianstraße, sondern ist schon von weitem zu sehen, wenn man sich Augsburg nähert. Die imposante Kirche birgt viele Kunstschätze.
Afra ist ein weiblicher Vorname. Er kommt aus dem Lateinischen und bedeutet soviel wie „Afrikanerin” oder „Punierin”. Punien lag einst in der Gegend des heutigen Tunesien. Die Punier waren ein wohlhabendes Volk, das es durch die Herstellung von Purpurrot aus Schnecken zu beachtlichem Wohlstand brachte. Die wohl bekannteste Afra der Welt stammte aus Zypern und kam über Rom nach Augsburg, wo sie dem ältesten Gewerbe der Welt nachging. Kaum hatte sie sich zum Christentum bekehrt, wurde sie auch schon verbrannt. Im Jahr 304 hat man sie einfach an einen Baum gebunden und angezündet. Ein römischer Sarkophag mit den Reliquien der zur Heiligen erhobenen Frau steht heute unter dem Afra-Altar in der Unterkirche.
Ein paar Schritte weiter davon entfernt befindet sich das Grab Ulrichs, der fünfzig Jahre lang Bischof von Augsburg war. Er rettete seinerzeit die Stadt vor Plünderung und Zerstörung durch angreifende ungarische Reiterhorden, was in der Schlacht auf dem Lechfeld gipfelte. Der Rest ist allgemein bekannt: Otto der Große mit seinem Heer errang am 10. August 955 den glorreichen Sieg, weswegen ihm hinterher die Kaiserkrone aufgesetzt wurde. Exakt eintausend Jahre und zwei Wochen später erblickte Nervenruh das Licht der Welt. Das jedoch ist eine ganz andere Geschichte... 
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1 Kommentar:

Kath rin hat gesagt…

Sehr informativ.

LG kathrin