Sonntag, 18. Oktober 2015

Schön grau heute

Es war klamm, grau, trüb und diesig. Das Thermometer blieb bei fünf Grad hängen. Man musste kein Hellseher sein, um zu prophezeien, dass sich heute die Sonne keine Sekunde blicken lassen wird. Wenigstens regnete es nicht. Versteigt man sich in die Gartenarbeit, nimmt man das ungemütliche Wetter gar nicht wahr.
Obwohl der Liguster schon Beeren trägt, blühen noch viele Blumen. Einige bilden immer noch neue Knospen, als stünde der Sommer vor der Tür, als gäbe es keinen Winter, als wäre das Leben ewig. Anderen wiederum ist anzusehen, dass die Nächte schon ziemlich kalt sind. Vergangene Woche lag die Tiefsttemperatur nur noch ganz knapp über dem Gefrierpunkt. Bald wird so manches Gewächs wie ausgeleierter, schlabbriger Gummi am Zaun hängen.
Ein in Deuringen ansässiger Landwirt brachte einen Hänger voll verrottetem Pferdemist zur Anlage des Obst- und Gartenbauvereins. Gegen Entrichtung eines Obolus pro Schubkarrenladung konnten sich die Kleingartenpächter daran bedienen und den wertvollen Dünger auf ihre Beete kippen. Kartoffeln, Sonnenblumen und andere Starkzehrer werden es ihnen im kommenden Jahr danken.
Nervenruh erntete vier Krautsköpfe, je einen Eimer Karotten und Petersilienwurzeln, einen Scheffel glatter Petersilie und eine winzige Zwiebel. Zusammen mit den vor Wochen ausgegrabenen Kartoffeln und den mittlerweile gut abgehangenen Speisezwiebeln sieht es nun in der Gartenhütte fast so aus wie in einer kleinen Gemüsehandlung.
Außer allerhand Blumen, einem Haufen Pferdemist und Gründüngepflanzen stehen noch Tabak, Lauch und Rosenkohl auf dem Acker. Jede Menge Petersilie und andere Kräuter könnten auch noch geerntet werden. Ob die grünen Tomaten im Gewächshaus noch reifen, darf zu Recht bezweifelt werden. In der Wiese hat ein Maulwurf begonnen, ordentlich umzugraben. Die Wühlmäuse scheinen sich zur Erleichterung Aller wieder verzogen zu haben.
Ein Tag an der frischen Luft macht richtig hungrig. Nervenruh hatte an der Frischfischtheke küchenfertige Doraden erworben, von denen jetzt eine gesalzen in eine Auflaufform kam und mit einer Mischung aus Olivenöl, Zitronensaft und feingehackter Petersilie im Ofen gedünstet wurde. Der fertig gegarte Fisch auf Zitronen-Senf-Sahne mit einem rustikalen Kartoffelstampf ließ keinen Wunsch offen. Das Gericht war ein Gedicht und ließ sich mit einem Gläschen Gewürztraminer vorzüglich abrunden.
>> Rezepte für die Dorade, die Senf-Zitronen-Sahne und den Kartoffelstampf