Mittwoch, 14. Oktober 2015

Gewerbegebiet

Es ist mittlerweile fast zwei Jahre her, als die Bombe platzte. Hinter verschlossenen Rathaustüren liefen im Stillen bereits Verhandlungen, eine 15,2 Hektar große Fläche - das entspricht einer Ausdehnung von mehr als zwanzig Fußballfeldern - als Gewerbegebiet auszuweisen. Das „Filetstück des Landkreises”, wie es ein Fraktionsvorsitzender des Stadtberger Stadtrats bezeichnete, liegt ein Stück weit nordöstlich unterhalb des Deuringer Berges. Noch befinden sich dort vorwiegend Äcker, die die Eigentümer an Bauern verpachtet haben. Sollten die Pläne verwirklicht werden, würden die Grundstücksbesitzer den großen Reibach machen und die Landwirte in große Not stürzen. Ausgleichsflächen fehlen, mindestens ein Hof müsste aufgeben. Die Befürchtungen gehen auch dahin, dass romantische und viel benützte Feldwege, die zum Beispiel an einem Himbeerfeld vorbei führen, der Allgemeinheit verloren gehen, asphaltiert werden und somit verschwinden. Weiterführungen und Verlängerungen umliegender Straßen, aufkommender LKW-Verkehr, Parkplatzprobleme der Anwohner, Stau, Verstopfungen und Schleichverkehr schüren weitere Ängste. Das Bündnis „natürlich-nah-dran” sagt Nein zu den Plänen und bezeichnet es als Sünde, diese Landschaft zu zu betonieren. Den Verlust und die Zerstörung von Heimat, den Wandel von Kulturlandschaft in konturlosen Siedlungsbrei, Lärm, Abgase und Gestank, die Einengung der Naherholung, den Verlust an Wohnqualität und den Verbrauch besten landwirtschaftlichen Bodens leugnet die im Rathaus tonangebende Partei mit einem müden Lächeln, wischt alle Bedenken vom Tisch und führt das für Radikalkapitalisten typische Argument ins Feld: Geld!

Keine Kommentare: