Donnerstag, 14. Mai 2015

Frühling am Bosporus

Abflug ab München. Ankunft auf dem Sabiha Gökçen Uluslararası Havalimanı auf der asiatischen Seite. Mit dem Bus nach Kadıköy und von dort aus mit einem Schiff hinüber nach Eminönü. Das Hotel war nach wenigen Minuten erreicht. Einchecken, Geld wechseln, Istanbulkart aufladen und richtig türkisch Essen: Ezogelin Çorbası, Antep Ezmesi und Tavuk Pirzola. Dazu ein Efes Pilsen Fiçi. Schon war der erste Tag vorbei.
Am zweiten Tag ein ausgiebiges Frühstück. Hinauf zur Hagia Sophia. Die Besucherschlange war erstaunlich kurz, so dass sich ein Eintritt in die geschichtsträchtigen Mauern anbot. Leider wird im Inneren zur Zeit renoviert, so dass eine Seite der ansonsten bombastischen Räumlichkeit von einem Gerüst geteilt und verdeckt wird.
Auf dem Sultanahmet Meydanı sind viele Tulpen noch in voller Blüte. Die Blaue Moschee zeigt momentan nur fünf Minarette: Das sechste ist eingerüstet und zum Teil abgetragen.
Danach führte der Weg über den Halič hinauf nach Taksim. Dazu gibt es die Straßenbahn nach Kabataş. Von dort können bequeme Leute mit dem Füniküler hinauf zum Meydan fahren. Dort gibt es die beste Schokolade weit und breit. Man kann durch den Gezi Park schlendern und ein leckeres Kiremitte Mantarlı Tavuk im Beyoğlu Halk Döner Restaurant in der İstiklâl Caddesi schmecken lassen. Die Gassen hinunter nach Tophane führen durch Çukurcuma, einem urigen Antiquitäten- und Sammlerviertel. Dort befindet sich aus gutem Grund das Masumiyet Müzesi des Literaturnobelpreisträgers Orhan Pamuk. Es ist in seiner Art wohl einzigartig und immer einen Besuch wert. Unweit der alten Kanonenfabrik am Pier von Karaköy liegt ein weiteres Museum: İstanbul Modern, das - wie aus der Bezeichnung unschwer zu erraten ist - moderne Kunst präsentiert. Vom Balkon aus bietet sich, sofern nicht gerade ein Kreuzfahrtschiff angelegt hat, ein wunderbarer Ausblick hinüber nach Sultanahmet.
Am Abend gab es noch ein Balik Ekmek an der Galatabrücke und ein Efes in einer der Spelunken in den Seitenstraßen von Sirkeci.
Es war schon am Vortag ziemlich auffällig: Die Polizei hat sich auf größere Unruhen anlässlich des 1. Mai, dem Tag der Arbeit, eingestellt. Wer nicht in Straßenkämpfe verwickelt werden will, meidet Beyoğlu an diesem Tag. Ein Boot nach Eyüp, einem stockkonservativen Stadtviertel mit der drittheiligsten Stätte der moslemischen Welt, lässt solche Geschehnisse weit außen vor. Hier herrscht riesiger Rummel ganz anderer Art. Einheimische, Pilger und Wallfahrer versammlen sich. Im Innenhof und auf den Plätzen rund um die Moschee werden Teppiche ausgelegt, auf denen sich die Gläubigen niederlassen. Sahlep und Çay werden angeboten. Zucker wird gereicht.
Nicht weit von Eyüp Sultan fährt eine Seilbahn über die Häuser hinweg hinauf zum Pierre Loti Cafe. Hier bietet sich ein eindrucksvolles Panorama über das flache Wasser des Goldenen Horns mit seinen Inseln. Ringsum liegen massenhaft Gräber.
Am hinteren Ende des Halič, der dort von Parkanlagen, die als Grill- und Picknickplatz genutzt werden, gesäumt wird, steht ein stillgelegtes Kraftwerk, das eine Kunstgalerie beherbergt: Santralistanbul. Zur Stärkung Marmara Köfte und Çay im Marmaris. Zurück mit Bus und Boot.
Totales Neuland am Samstag: Mit dem Marmaray nach Yenikapı, mit der Metro bis Hacıosman im nördlichen Sarıyer und dann mit dem Bus weit hinaus zum Rumeli Feneri an der Küste des Schwarzen Meeres. Am felsigen Strand, auf einer Anhöhe thront eine alte Burgruine. Sie ist frei zugänglich. Im darunterliegenden Dorf gibt es mindestens zwei Moscheen, einen Leuchtturm, einen Fischereihafen und einen sehr guten Bäcker.
Auf dem Rückweg passiert der Bus die Baustelle der dritten Bosporusbrücke, die den Namen „Yavuz Sultan Selim” tragen soll. Der Termin zur Eröffnung am 29. Mai 2015 kann nicht eingehalten werden.
Ein paar Kilometer weiter südlich liegt mitten in den Pampas die Koç Üniversitesi mit einer einsamen Haltestelle. Hier in der Nähe befindet sich Keskin Viraj, der Rest eines alten Gemäuers, um das sich um diese Jahreszeit Ornithologen scharen, da er als optimaler Punkt zur Beobachtung der riesigen Zugvögelschwärme gilt. Die günstige Thermik leitet hier Störche und anderes Gefieder in großen Scharen über den Bosporus nach Westen. Viel Wald, viel Natur, viel Ruhe - auch das ist İstanbul.
Abends noch ein kurzer Zwischenstop auf der neuen Haliç Metro Köprüsü, der einzigen oberirdischen Haltestelle der M2 und - ! - ein sehr gutes Abendessen in einem Restaurant mit traditioneller osmanischer Küche: Mezeler, frisch gebackenes Lavaş und Patlıcan Kebab vom Feinsten.
Sonntags stand ein Abstecher nach Kadıköy auf der Wunschliste. Ein Linienschiff besorgte die Fahrt über den Bosporus. Drüben wurde der 1908 eröffnete und nun in den letzten Zügen liegende Bahnhof Haydarpaşa inspiziert. Otto Ritter von Kühlmann und Hellmuth Cuno waren die Architekten, die Fenster gestaltete Otto Linnemann und Kaiser Wilhelm II. hatte Unternehmen wie Philip Holzmann, Krupp und die Deutsche Bank für das Projekt verpflichtet. Nach der geplanten kompletten Stilllegung sollen ein Museum, ein Hotel und ein Einkaufszentrum in dem Jugendstilgebäude untergebracht werden.
Anschließend ging es kreuz und quer durch die verwinkelten Straßen und Gassen mit ihren unzähligen Geschäften, Lokalen und Märkten. Zwischendurch ein Teller Kuru Fasulye mit Ekmek, etwas Regen und eineinhalb Runden in der historischen Straßenbahn. Nahe der Haltestelle Moda konnte Nervenruh einem Çaydanlık Takımı nicht widerstehen.
In einem der Restaurants gab es deftiges Güveç, Cacık und Çay. Auf dem Weg nach Üsküdar spielten Straßenmusikanten auf. In Üsküdar die umwerfende Aussicht bei Einbruch der Dunkelheit. Im Hotel noch ein Gläschen Kırmızı Şarap von Altıntepe.
Tags darauf morgens der Gülhane Park. Ein kleiner Rest blühender Tulpen vermittelt eine leichte Ahnung davon, welche Pracht noch vor kurzer Zeit hier zu bewundern gewesen war. Noch ein Spaziergang durch den Vorhof des Topkapı Sarayı mit der Irenenkirche, über den Sultanahmet Meydanı, rings um die Moschee, auf das Hippodrom und ab nach Beyazıt. Durch den Kapalı Çarşı treiben, hinunter durch Mahmutpaşa und hinein in den Mısır Çarşısı. Der Wechselkurs lag bei über drei Türkischen Lira pro Euro.
Abends zum Fischessen in Karaköy. Gegrillte Dorade, Salat, Brot und Bier. Bis der Vollmond hoch am Himmel stand.
Am Dienstag erstmal Yedikule, die Burg der sieben Türme, die das südliche Ende der Theodosianischen Landmauer markiert. Zwar war die Festung verschlossen, doch auch so sind die mächtigen Mauern äußerst beeindruckend. Verfallene Abschnitte wechseln sich mit restaurierten Segmenten ab. Davor wird Gemüse - zur Zeit hauptsächlich Spinat - angebaut.
Zurück in Eminönü bildeten mehrere Schuhputzer vor der Yeni Cami eine breite Reihe. Sogar Könige waren dabei. Ein Gläschen Çay und ein neuer Plan.
Wieder hinüber nach Kabataş, doch diesmal am Bosporus entlang. Am Dolmabahçe Sarayı sind kurz vor der Schließung die Menschenmassen verschwunden. Der Uhrenturm und der Bereich vor dem Schatzkammertor kann in Ruhe besichtigt werden. Die Palastwache am prunkvollen Tor an der Hauptstraße verabschiedet sich mit einem kleinen Ritual in den Feierabend. Das İnönü Stadyumu ist immer noch eine Baustelle. Im Saray Koleksiyonları Müzesi sind interessante Werke moderner Kalligraphie ausgestellt. Im Boden eingelassen sind die Überreste einer Küche aus osmanischen Zeiten zu sehen. Auf der Mauer am Beşiktaş Vapur İskelesi läßt sich wunderbar die Zeit verschwenden. Man sitzt in der Sonne und beobachtet das Kommen und Gehen. Regelmäßig fährt ein Schiff nach Kadıköy. Dort fiel die Wahl auf İçli Köfte und Çöp Şiş.
Vor der Rückfahrt nach Eminönü noch ein göttliches Geschenk: Abendrot wie aus dem Bilderbuch.
Am achten Tag war Schluss mit lustig. Noch schnell ein paar Happen vom türkischen Frühstücksbuffet und schon ging es ab über die Birinci Boğaziçi Köprüsü nach Asien, durch neue Stadtteile mit ihren Hochhäusern und Baustellen zum Flughafen. Nach einer Runde im Duty Free Shop hat Nervenruh immer noch Türkische Lira in der Tasche. Für seinen nächsten Besuch...
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Kommentare:

Kath rin hat gesagt…

Tolle Bilder!

lg kathrin

Magia da Inês hat gesagt…


As fotografias estão maravilhosas!!!

Bom fim de semana com tudo de bom!
Beijinhos.ه° ·.
♬♪ه° ·.