Sonntag, 28. September 2014

Der Königsplatz in Augsburg

Bis 1869 trug er den Namen „Gögginger-Tor-Platz“. Hier stand das ursprünglich im 12. Jahrhundert errichtete Gögginger Tor, ein Teil der äußeren Stadtumwallung im Westen Augsburgs. Nach mehreren Auf-, Ab- und Umbauten wurde die Erdbastion ab dem Herbst 1860 abgetragen und der Stadtgraben verfüllt. Der eigentliche Grund dafür war letztendlich die Eröffnung des Hauptbahnhofes im Jahr 1843. Vor den mittelalterlichen Stadtmauern gelegen, war dieser zunächst nur umständlich über das Gögginger Tor zu erreichen. Nachdem die Bedeutung des Hauptbahnhofs jedoch deutlich zunahm, wurde die Forderung nach einem besseren Zugang laut. Augsburg war im Königreich Bayern ein wichtiger militärischer Standort, so dass Veränderungen an den Festungsanlagen nur mit Billigung der königlichen Regierung möglich waren. Im Januar 1861 lag dann das Zugeständnis vor, Wälle, Gräben und Stadtmauer zu beiden Seiten des Gögginger Tores zu schleifen. Im Juni 1862 folgte der Abriss des Turmes. König Ludwig II. hob am 12. Januar 1866 schließlich endgültig die Festungseigenschaft Augsburgs auf. Als Dank für die Erlaubnis zum Abbruch der Stadtbefestigung gaben die Augsburger dem neu entstandenen Areal am 17. Juli 1869 den Namen „Königsplatz“.
Nach dem Vorbild vieler europäischer Metropolen entstand südlich des Stadttheaters ein 48 Meter breiter Boulevard, der von Stadthäusern reicher Bürger und verschiedenen Kaufhäusern gesäumt war. An seinem südlichen Ende, dem vormaligen Standort des Gögginger Tores, wurde der Königsplatz angelegt. Eine kleine Parkanlage sollte im Zentrum der schon damals hektischen Großstadt als „grüne Ruhezone“ dienen. In seiner Mitte steht seit 1880 ein Springbrunnen mit einem runden, 12 Meter durchmessenden Becken und einem großen Findling, aus dem eine Wasserfontaine austritt. Der Brunnen wurde von Alfred Thormann erstellt und gilt als das erste Betonbauwerk Augsburgs. 1881, mit dem Bau der Pferdebahn, dem Vorläufer der heutigen Straßenbahn, wurde auch am Königsplatz eine Haltestelle eingerichtet. 1897 reiften erste Pläne, durch eine Straße Königsplatz und Moritzplatz zu verbinden und so die Innenstadt besser zu erschließen. Am 15. Oktober 1903 beschloss der Stadtrat diese Baumaßnahme, die den Abbruch von insgesamt 30 Häusern auslöste. An beiden Seiten der heutigen „Bürgermeister-Fischer-Straße“ entstanden Geschäftsbauten. 1912 wurde an der Straßeneinmündung in den Königsplatz das nach dem Brauhaus Riegele benannte Riegele-Haus fertiggestellt, ihm gegenüber 1913/1914 der Königsbau platziert. Durch die Neuanlage konnte auch das Straßenbahnnetz in der Innenstand neu geordnet werden. Am Königsplatz liefen 1905 drei Linien zusammen. Seitdem ist er der zentrale Umsteigeplatz Augsburgs.
Aufgrund des wachsenden Fahrgastaufkommens erweiterte man den Königsplatz 1914 um einen mit Fahrkartenverkauf und Warteplätzen versehenen Pavillon, der aufgrund seiner Form in der Bevölkerung als „Pilz“ bekannt war. Nachdem der Königsplatz an die sechzig Jahre lang baulich nahezu unverändert geblieben war, beschloss die Stadtregierung Mitte der 1970er Jahre nach langen Diskussionen, die Anlagen in einer radikalen Umbaumaßnahme den Verkehrserfordernissen der Zeit anzupassen. Zwischen 1976 und 1977 wurde schließlich die Haltestelle von ihrem bisherigen Platz an das südliche Ende der Parkanlage verlegt und zu einem großen Haltestellendreieck ausgebaut. Ein Teil der Grünflächen musste für diese Maßnahme geopfert werden. Zum Ausgleich wurde der eigentliche Park wieder zu seiner ursprünglichen Form ergänzt. Zusätzlich wurden neue Bäume gepflanzt. Der „Pilz“ wurde unter starkem Protest der Bevölkerung, die ihn jahrzehntelang als zentralen Treffpunkt geschätzt hatte, abgebrochen. Oben zu sehen ist eine Fotografie aus dem Jahr 1971, als Nervenruh täglich auf dem Weg zur Schule den Platz passierte.
Rund dreißig Jahre nach der grundlegenden Umgestaltung hatte die Augsburger Stadtverwaltung im Rahmen der Planungen zur Mobilitätsdrehscheibe erneut umfassende Baumaßnahmen für den Königsplatz angekündigt. Am 25. November 2007 fand ein Bürgerentscheid über den Umbau statt, bei dem die Augsburger Bürger darüber abstimmten, ob zunächst ein Ideenwettbewerb über ein Gesamtverkehrskonzept stattfinden soll. 53,2 % der abstimmenden Bürger entschieden sich für diesen Wettbewerb. Im April 2011 wurde mit den vorbereitenden Maßnahmen für den Umbau begonnen. Der Neubau des Haltestellendreiecks startete schließlich im Frühjahr 2013. Über die Sommermonate wurden neben der Errichtung des Stahlskelettbaus auch die Herstellung der Gleisanlagen und der Pflasterflächen vorangetrieben. Der Rückbau des provisorischen Manzù-Bogens erfolgte planmäßig im September 2013 und läutete damit die letzte große Umbau-Phase ein. Rechtzeitig zum Tag der offiziellen Eröffnung am 15. Dezember 2013 waren alle Flächen im Umfeld des Königsplatzes sowie die angrenzenden Parkflächen fertiggestellt.
>> Webcam

Kommentare:

Herr Ackerbau hat gesagt…

Ich habe Anfang bis Mitte der 90er in Augsburg gewohnt und habe den Königsplatz noch so in Erinnerung wie auf dem 71er Foto...

Magia da Inês hat gesagt…

。°°。✿⊱。

Ótima quinta-feira!
Bom fim de semana com muitas alegrias.
Beijinhos do Brasil.
°°。♡♡彡