Montag, 11. August 2014

Nach einem Gewitter

Vergangene Nacht tobte ein Gewitter über Deuringen. Heute lagen die Gladiolen in der Wiese. Die Schnecken waren schon da und labten sich an den Blüten. Nervenruh band die Stängel hoch und hofft, dass sich die Blumen erholen. Auch Schmuckkörbchen und Sonnenblumen lagen fast waagerecht und benötigten Stützen. Bei Nelken und Goldregen wird sich der Gärtner noch etwas einfallen lassen müssen. Sie hängen wahllos kreuz und quer herum, sind aber nicht abgebrochen. Ganz anders der Liebstöckel: Alles ist abgeknickt, was aber nicht besonders tragisch ist, denn seine Zeit ist vorbei. Er hätte sich jetzt sowieso hinter Frauenmantel, Storchschnabel und Hortensie zurückgezogen. 
Ein Trauerspiel hingegen gab die Tabakpflanze ab. Das schöne, etwa zwei Meter hohe Gewächs mit seinen großen Blättern und den vielen Blüten lag wie gefällt im Beet. Eine starke Windböe hat es hingerichtet, den armdicken Stamm am Boden abgebrochen, einen Blickfang verschwinden lassen und den diesjährigen Tabakanbau jäh beendet. Eine kahle Stelle, spärlich bewachsen von unnützem Unkraut, blieb zurück. So etwas kann einem den Tag gründlich verderben.
Manchmal fällt es schwer, positiv zu denken. Das Gewächshaus steht noch. Allmählich kommt auch dort die Ernte richtig in Fahrt. Es gibt die ersten reifen Tomaten in verschiedenen Formen und Farben, Größen, Konsistenzen und Aromen. Die süßen gelben Cocktailtomaten werden gleich gegessen. Dann kommen die roten. Manche Tomaten sind gut für einen Salat, andere für Suppen und Soßen oder zum Einkochen. Die mit der dicken, festen Schale lassen sich gut schälen. Die Standardtomaten, die jenen aus dem Supermarkt ähneln, schmecken nicht nach Wasser. Auch mit verbundenen Augen wird jeder beim ersten Biss sofort an Tomate denken. Hinten im Haus führen fünf Paprika- und Peperonipflanzen ein mittlerweile nicht ganz einfaches Leben. Die Tomaten wuchern kräftig und bedrängen nun die etwas filigraneren Gewächse, die aber erstaunlich viele Schoten gebildet haben: Grüne, gelbe und rote, dicke, dünne, kurze, lange. Alles, was das Herz begehrt. Die knubbeligen gelben Paprika schmecken würzig. Das Fleisch ist saftig und fest. Die langen, türkischen Biber sind grün, relativ mild, am Kerngehäuse jedoch scharf. Fast jeder kennt diese Art. Richtig mild sind die blass-gelben Spitzpaprika - ganz dezente Vitaminbomben für zwischendurch. Schärfer sind die roten, relativ kleinen und dünnen. Eine einzige Schote gibt so mancher Speise den richtigen Pfiff. Fast schon ungenießbar sind die etwas größeren, signalroten Exemplare. Sie eignen sich eher zum Trocknen, lassen sich bei Bedarf leicht zerbröseln und sind so gut zu portionieren. 
Eine stachelige Bauerngurke, so frisch, frischer geht's nicht, ein paar Stängel Petersilie und ein Minzeblättchen vervollständigen die heutige Ernte. In der Dämmerung leuchten die knallgelben Sonnenhüte und die Nachtkerzen öffnen sich. Der Kater schnurrt. Die Grillen zirpen.

1 Kommentar:

Kath rin hat gesagt…

Oje, so ein Sturm kann schon so einiges kaputt machen. Mir hat ein solches Unwetter letztes Jahr die halbe Tomatenernte zerstört. Heuer habe ich zwar prinzipiell viele Früchte an den Pflanzen, aber vor allem die Paprika beginnen nicht zu reifen. Liegt wahrscheinlich an der viel zu kühlen Witterung.

lg kathrin