Mittwoch, 25. Juni 2014

Tabak

Es ist Sommer. Er wächst. Er will gute Erde und Wasser. Im Moment ist er etwa eineinhalb Meter hoch. Er blüht. Kräftiger Wuchs zeichnet ihn aus. 
Von seiner Existenz erfuhr Europa erst nach den Fahrten von Christoph Kolumbus im späten 15. und frühen 16. Jahrhundert. Auf der Suche des kürzesten Seewegs nach Indien war der Seefahrer versehentlich im später nach Amerigo Vespucci genannten Kontinent „Amerika“ gelandet. Von Jean Nicot stammt sein Gattungsname „Nicotiana“ und der des Inhaltsstoffes „Nikotin“. Jahrzehnte vergingen, bis Sir Walter Raleigh sein weltbekanntes Pfeifchen in London rauchte. 
Nach der Keimung, etwa sechzig Tage nach dem Auspflanzen, sind die ersten Blätter erntereif. Zuerst verfärben sich die unteren drei bis vier Blätter hellgrün und dann gelb-braun. So wird die Pflanze peu à peu von unten nach oben bis Ende September abgeerntet. Die Blätter werden gelocht, auf eine Schnur gefädelt und an einem zugigen, trockenen Ort aufgehängt. 
Die Generation von Nervenruh's Großvater machte sich noch die Mühe. Tabak anbauen und trocknen ist kein Problem. Schwierig ist die Fermentierung, durch die der Nikotingehalt angepasst sowie unerwünschte Inhaltsstoffe abgebaut und umgewandelt werden. Um eine natürliche Fermentation durchführen zu können, benötigt man etwa ein Kilo getrocknete Blätter. Diese werden der Größe nach übereinander gestapelt und sollen einen Gärungsprozess von etwa zwei Monaten durchlaufen. Während dieser Zeit müssen die Tabakblätter wöchentlich umgeschichtet werden. So vergehen letztendlich vom Zeitpunkt der Aussaat bis zum Genuss der ersten Zigarette aus eigenem Tabak mindestens acht Monate. 
In Nervenruh's Garten steht heuer Nicotiana tabacum, also virginischer Tabak: Ein einziger Stock, der nicht unbedingt in Rauch aufgehen muss. Durch seine klebrige Behaarung ist er nahezu schädlingsresistent. Der Stängel ist dick und nur wenig verzweigt, das Laub eiförmig bis elliptisch und nach vorne zugespitzt. Die rot bis pink gefärbten Blütenstände sind mehrfach verzweigte Rispen. Das Nachtschattengewächs genügt auch zur Zierde. Kein Hinweis auf Lungenkrebs, Herzkinfarkt, Schlaganfall, Impotenz oder vorzeitiges Ableben stört das Vergnügen. 
Zum Schutz der reichen Großkonzerne wurde die Höchstanbaumenge für arme Hobbygärtner auf 99 Pflanzen begrenzt.

Kommentare:

Kath rin hat gesagt…

Also wirst Du Dir nicht die Mühe der Fermentierung machen? :)

lg kathrin

Magia da Inês hat gesagt…

¸.•°♪♬♫º°
As flores rosadas são bonitas, mas causam muito estrago na saúde.

Bom dia com tudo de bom!!!
¸.•°♪♬♫º°