Freitag, 28. Februar 2014

İstanbul im Februar

Die Tage sind kurz, die Nächte lang. Graue Wolken hängen am Himmel, die Luft ist diesig. Nervenruh's Hotel liegt in der Nähe des Taksim Meydanı in der Sadri Alisik Sokak und benötigt nur wenige Schritte zur İstiklal Caddesi. Zwischen diesem Ort und Tophane, das sich direkt am Bosporus befindet, erstreckt sich Çukurcuma, das auch als französisches Viertel bezeichnet wird. Hier leben viele Künstler und Antiqitätensammler, die mit ihren Geschäften die Straßenränder säumen. In dieser Gegend stehen noch viele der alten Häuser, die früher für İstanbul so typisch waren. Manche davon befinden sich in einem äußerst schlechten Zustand, andere wieder wurden renoviert und strahlen im Glanz vergangener Zeiten. So auch das in rot gehaltene Gebäude, in dem der Literaturnobelpreisträger Orhan Pamuk sein Masumiyet Müzesi, das Museum der Unschuld, nach seinem gleichnamigen Roman eingerichtet hat. Gezeigt werden 83 Ausstellungsstücke, für jedes Kapitel des Buches eines, die von einer ausgeprägten Sammlerleidenschaft zeugen. Leider ist es nicht gestattet, die meist in Vitrinen zusammengestellten und kunstvoll drapierten Gegenstände zu fotografieren.
Die Sultanahmet Camii, bekannt als Blaue Moschee, ist neben der Hagia Sophia und dem Topkapı Sarayı eine der meistbesuchten Attraktionen der Stadt. Gewöhnlich muss man sich hinter einer langen Schlange anstellen und warten, bis das Eintrittsgeld in Höhe von 25 Türkischen Lira entrichtet werden darf und das total überfüllte Gebäude besichtigt werden kann. Doch diesmal, am frühen Morgen eines wolkenverhangenen Februartages, hielt sich der Ansturm auf die Sehenswürdigkeit in Grenzen. Es war schon komisch, plötzlich im Gebäude zu stehen, ohne ein Kassenhäuschen passiert zu haben. Ein städtischer Bediensteter, der sein Gehalt etwas aufbessern will, hat eben die Möglichkeit, am Eingang der Reisegruppen für etwas mehr als die Hälfte des regulären Preises einzelne Personen heimlich ins Innere des kolossalen Kuppelbaus zu schleusen. Nervenruh war beeindruckt. Nicht weit von der Moschee entfernt, im Vorhof des Topkapi-Palastes, steht die im 4. Jahrhundert erbaute Aya İrini. Die erste Kirche Konstantinopels wurde inzwischen restauriert und ist nun für Besucher gegen einen Obolus von 20 TL zugänglich.
Levent ist ein modernes Geschäfts- und Bankenviertel. Hier ist nichts vom antiken Byzanz zu sehen. Wolkenkratzer prägen das Bild. Hier steht das höchste Gebäude der Türkei. Mit einer struktuellen Höhe von 261 Metern liegt der Istanbul Sapphire auf dem sechsten Platz der höchsten Wolkenkratzer Europas und lässt sogar das höchste Hochhaus Deutschlands, den Commerzbank Tower in Frankfurt, hinter sich. Auf 66 Stockwerke verteilt befinden sich Luxuswohnungen, ein Freizeitbereich mit Golfplatz und ein 34.000 qm großes Einkaufszentrum. In jeder dritten Etage ist ein sogenannter Vertikaler Garten angelegt. Auf einer Höhe von 226,10 Metern befindet sich eine Aussichtsplattform, die man mit einem knapp 20 km/h schnellen Aufzug erreicht. Die Aussicht in alle Himmelsrichtungen ist grandios!
Im Oktober vergangenen Jahres, am 90. Jahrestag der Gründung der türkischen Republik, wurde das Verkehrsprojekt Marmaray in Betrieb genommen. Kernstück ist dabei eine Eisenbahnverbindung, die unter den Wassermassen des Bosporus die europäische Seite mit der asiatischen verknüpft. Schon 1860 träumte man von einem Bosporustunnel, verwarf die Pläne jedoch wieder. Nun erfüllte sich diese alte Fiktion. Die Fahrt kostet umgerechnet etwa einen Euro und geht so schnell, als hätte man gerade mal eine Straßenbahnhaltestelle übersprungen. Drüben in Üsküdar bietet sich eine schöne Sicht auf den Leanderturm, Galata, den Dolmabahçe-Palast und die erste Bosporusbrücke. Unweit der Haltestation, die in unmittelbarer Nähe zu den Schiffsanlegestellen liegt, befindet sich ein sehenswerter, teilweise überdachter Markt, auf dem Bauern und Fischer ihre Waren zum Verkauf anbieten. Noch sind hier wenige Touristen zu sehen, doch spätestens nach der vollständigen Inbetriebnahme des Marmaray, die für das Jahr 2017 geplant ist, wird sich das wohl ändern.
Der Taksim Meydanı ist ein zentraler Platz und Verkehrsknotenpunkt im Stadtteil Beyoğlu. Von hier aus führen mehrere verkehrsreiche Straßen und Buslinien strahlenförmig in alle Richtungen der Stadt. Unter anderem liegt dort eine Haltestelle der Metro, die auch ins nördlich gelegene Bankenviertel Levent fährt, endet die historische Straßenbahn in einer Wendeschleife und befindet sich die Bergstation einer unterirdisch verlaufenden Standseilbahn, die eine Verbindung nach Kabataş zu den Bosporusfähren und der am Ufer verlaufenden Tram herstellt. An einem flachen, länglichen Bau, einem Überbleibsel der ehemaligen Wasserverteilanlage, stehen neben den Blumenhändlern Einsatzfahrzeuge der Polizei bereit. Man erinnert sich an den letzten Sommer, als Proteste gegen die Bebauung des an den Taksimplatz angrenzenden Gezi Parkı oft gewaltsam endeten. Wenn sich der Volkszorn der Istanbuler entlädt, dann hier. Besonders in den Nächten von Samstag auf Sonntag geht es hoch her. Diesmal richtete sich der Verdruss gegen die von der türkischen Regierung kürzlich verordnete Internetzensur. Die Polizei schließt auch unbeteiligte Passanten wie Nervenruh in den Straßenkampf mit ein. Es riecht komisch. Erst kitzelt die Nase, dann beginnt sie zu laufen, die Augen brennen und der Hals kratzt. Das Hotel liegt im Schlachtfeld. Herzlichen Dank an die Emniyet Genel Müdürlüğü, die für einen unvergesslichen, erlebnisreichen und kurzweiligen Abend sorgte.
Am Pier von Karaköy befindet sich İstanbul Modern, ein Museum für die Kunst der Gegenwart mit einer Ausstellungsfläche von 8000 qm, einem Restaurant, in dem sich vorzüglich speisen lässt und einer Terrasse, von der man den Blick hinüber nach Fatih schweifen lassen kann. Hier möchte man bei Abendrot stehen, wenn die Sonne hinter den Minaretten untergeht. Außerdem stand ein Spaziergang um das Dolmabahçe Sarayı mit dem Saat Kulesi auf dem Programm, bei dem man das İnönü Stadyumu in der Beşiktaş Caddesi passiert. Die Arena wird zur Zeit generalüberholt und ist eine riesige Baustelle. Und immer wieder der alte Trick: Schuhputzer verlieren beim Vorbeigehen ihre Bürste. Nervenruh empfiehlt, einfach weiterzugehen. Blos nicht die Bürste aufheben! Ein Bummel durch den Kapalı Çarşı durfte natürlich nicht fehlen. Dahinter liegt die Süleymaniye Camii, eine der größten Moscheen in İstanbul, die bei dieser Gelegenheit auch noch besichtigt wurde. Trotz des dicken Teppichs waren eiskalte Füße nicht zu vermeiden.
>> Fotos

1 Kommentar:

Anonym hat gesagt…

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