Sonntag, 5. Januar 2014

Villa Suburbana

Dass es sich im Westen Augsburgs schon immer vortrefflich wohnen lässt, beweist ein Fund, auf den man vor etlichen Jahren durch Zufall bei der Errichtung eines Gebäudes stieß. Tief im Boden schlummerten die Grundmauern eines alten römischen Landhauses aus dem ersten nachchristlichen Jahrhundert. Vor der Stelle, die sich zwischen dem Stadtberger Feuerwehrhaus (Foto oben) und dem Historischen Wasserturm (Foto unten) am Lauschberg befindet, wurde ein Schild aufgestellt, auf dem folgendes steht:
„Nichts ist besser als die Landwirtschaft, nichts schöner, nichts angenehmer, nichts würdiger für einen freien Mann.” 
Mit diesem Ausspruch umschrieb Cicero (106 - 43 v. Chr.) das Idealbild der Römer, die neben dem Handel vor allem die Landwirtschaft als Lebensideal ansahen. Dabei stand aber nicht die damit verbundene harte tägliche Arbeit im Vordergrund, sondern die Ruhe und Beschaulichkeit des ländlichen Lebens. Vornehme und reiche Römer erbauten sich deshalb im Umkreis der damaligen rätischen Provinzhauptstadt Augusta Vindelicum an exponierten Stellen luxuriöse Landhäuser, so zum Beispiel bei Friedberg, Unterbaar und schließlich auch in Stadtbergen.
Die Stadtberger villa suburbana wurde, neben einigen Resten landwirtschaftlicher Nebengebäude, 1931 von Ludwig Ohlenroth, dem damaligen Kustos des Maximilian-Museums ergraben. Zum Vorschein kamen die Fundamente eines rechteckigen, nach Osten ausgerichteten Wohngebäudes, dessen Hauptfassade durch gerundete Ecktürme (Risalite) begrenzt war. Die ganze Anlage mit einem Ausmaß von ca. 63x39 m war mit einer breiten Portikus umgeben. Der Bau wies mit einem großzügigen Eingangsbereich, mit farbigen Täfelungen aus Marmor und den repräsentativen Ecktürmen Luxuselemente auf, die auf wohlhabende Besitzer schließen lassen. Der Grundriss und das Modell geben eine Vorstellung über das mögliche Aussehen dieses Landhauses.
Münzfunde erlauben die Entstehungszeit in das 1. nachchristliche Jahrhundert zu datieren, wobei die hier vorgestellte Hauptausbauphase etwa 200 Jahre später entstanden ist. Die Prägedaten der Münzen reichen bis in das 4. Jahrhundert und brechen dann ab. Zu diesem Zeitpunkt dürfte die Stadtberger villa suburbana aufgegeben oder gewaltsam zerstört worden sein, was unter Umständen mit den kriegerischen Alamanneneinfällen des 4. Jahrhunderts in Beziehung stehen dürfte.
Außer einer Hinweistafel mit dem Text von Gerhard Willi, Grafiken von Emil Högg und dem Versuch einer Rekonstruktion des letzten Bauzustandes im Grundriss von Fridolin Reutti nach Planunterlagen von Ludwig Ohlenroth, sind an der Fundstelle des archäologischen Objektes keine Überreste der Villa zu sehen. Ein dreidimensionales Modell des Gebäudes (siehe Foto oben) steht im Römischen Museum in Augsburg, das aber zur Zeit bis auf Weiteres geschlossen ist.

Kommentare:

Happy-Sonne hat gesagt…

Ich wünsche Dir ein glückliches und gesundes 2014. Herzlichst grüsst Dich Yvonne

Kath rin hat gesagt…

So alte Ausgrabungsstätten sind immer wieder sehr interessant.

Wünsche Dir ein gutes Neues Jahr.

lg kathrin

Susanne hat gesagt…

Lieber Nervenruh, ich habe mich sehr gefreut über deine Grüße zum neuen Jahr, vielen Dankk. Ich wünsche dir auch ein schönes und gutes Neues Jahr! Wir "kennen" uns schon recht lange, nicht wahr, zumindest mal über das Internet.

Dolinus1 hat gesagt…

Hallo, Herr "Nervenruh",
zufällig habe ich Ihren Beitrag zur Villa suburbana gefunden und erfuhr so auch, daß vor Ort diese Hinweistafel steht.
Die Publikation dieser Villa war meine erster Gang in die archäologische Fach-Öffentlichkeit (Aufsatz in den Bayerischen Vorgeschichtsblättern), noch vor meinem "Dr." .
Schön, auf diese Weise zu erfahren, daß - außer durch das Modell im Museum Augsburg - auch durch diese Tafel und jetzt Ihren Blogbeitrag, auch die "Laien", die interssierten Besucher des Ortes, von dieser doch recht singulär großen römischen Villenanlage erfahren.
Viel Erfolg bei weiteren Erkundungen in Ihrer Umgebung! Mit den besten Grüßen
Dr. Fridolin Reutti

PS:Kennen Sie die römischen Töpfereien bei Schwabmünchen?