Montag, 4. Februar 2013

Tiger in Täfertingen

Sieben Kilometer nördlich von Deuringen liegt Täfertingen. Die Geschichte des Dorfes geht bis ins 6. Jahrhundert zurück. Das Ortsbild wird durch die Landwirtschaft und den Kiesabbau geprägt. Das höchste und bedeutendste Gebäude ist die Marienkirche. Täfertingen hat ein Industriegebiet, Entsorgungsunternehmen und einen Pizzalieferdienst. Es verfügt über eine urig ausgestattete Minigolfanlage und einen in der Ortsmitte angesiedelten Gasthof, in dem sich bis zum Beginn des bayerischen Rauchverbots ewig nichts geändert hat und danach nicht mehr viel. Tiger erwartet hier jedenfalls niemand. 
Etwa zwanzig Kilometer südlich, doch immer noch im selben Landkreis, liegt Königsbrunn. Dort wurde 1981 Christian Walliser geboren. Nach einer Ausbildung zum Tierpfleger im Augsburger Zoo zog es ihn ins Ausland und zum Zirkus. Er entwickelte Prinzipien der partnerschaftlichen Tierdressur, bei der keinerlei Gewalt angewandt wird. Der Königsbrunner präsentierte international Nummern mit Enten, Schafen, Schweinen und Ziegen, mit Kamelen, Elefanten, Pferden und verschiedenen Exoten. In den größten und bekanntesten Manegen der Welt war Walliser bereits Teil der großen Show, als er 2006 begann, mit Tigern zu arbeiten. Im Cyrk Zalewski in Polen stand er erstmals mit seinen Großkatzen in der Manege. Danach folgten Engagements beim Italienischen Nationalzirkus, bei Probst oder Circus Krone. Er war nach relativ kurzer Zeit die Nummer eins unter Europas Raubtierdompteuren. 
Dann kam der 8. Dezember 2009. Vor den Augen von 170 entsetzten Gästen stürzten sich bei einer Zirkusshow im Hamburger Tierpark Hagenbeck drei Tiger auf ihn und zerbissen ihm dabei Teile von Körper, Kopf und Hand. 
Nach wochenlangem Koma und elf Operationen wagte Walliser einen Neuanfang. In den Manegen der großen Zirkusunternehmen, wo bis zu drei Shows täglich gegeben werden, kann Walliser nicht mehr auftreten. Er tourt nun selbstständig durch die Region. 
Zur Zeit steht er auf einem schlammigen Platz neben der Sportanlage des TSV Täfertingen. Dort hat er sein Winterquartier bezogen. Man sieht Lastwagen, Anhänger, ein kleines Zirkuszelt, Gitter, Hunde, Löwen, Ziegen, Enten, Gänse, ein Schwein und natürlich Tiger. Die, die ihn fast zerfleischt hätten und die, die erst acht Monate alt sind und von ihm mit der Flasche großgezogen wurden. Bis Mitte des Monats ist Erholung angesagt. 
Danach zieht Walliser mit seinem Tross weiter nach Nürnberg, wo er wöchentlich vier Vorstellungen geben wird. 
Bis dahin sind tatsächlich Tiger in Täfertingen!

1 Kommentar:

Magia da Inês hat gesagt…

º° ✿彡
Olá, amiga!
Circo com animais selvagens são perigosos. Os animais nasceram para viverem livres... mas gosto dos mágicos e acróbatas.
Bom fim de semana.
Beijinhos do Brasil.
✿ °•.¸
¸.•°♡⊱彡