Samstag, 10. März 2012

İstanbul 1976

Nervenruh saß auf dem Beifahrersitz eines Fiat 128. Wir hatten tausende von Kilometern zurückgelegt und standen plötzlich mitten im Chaos. Es gab keine Ampeln. Ein verzweifelt gestikulierender, trillerpfeifender, schreiender Polizist stand hilflos mitten auf der Kreuzung während alles um ihn herum hupte, noch lauter schrie und hartnäckig um jeden Millimeter kämpfte. Es passierte nichts. Man brauchte einfach nur Zeit. Istanbul war schon immer anders als der Rest der Welt.
Auf den Straßen drängten sich Chevrolet, Murat, Anadolu und Pferdegespanne mit aufgetürmten Wassermelonen. „Kim arar seni“ eierte blechern aus Kassettenrecordern und Kofferradios. Auf den Bürgersteigen tummelten sich Simithändler, Köfteköche, Bettler, Hafenarbeiter, Diebe, Tavlaspieler, Schuhputzer und Wasserverkäufer. Tausende von Düften zogen durch die Stadt. Es roch nach gerösteten Pistazien, Sesam, Zimt, gezuckerten Kichererbsen, Şiş Kebab, gegrilltem Fisch, Şeftali, Kolonya und und und. Der Bosporus und Esrar waren allgegenwärtig. Çay sowieso.
„Istanbul is not a city - it's a country!“ rief ein junger Student der İstanbul Üniversitesi lautstark in die launige internationale Gesellschaft, die sich Abend für Abend im Pudding Shop breit machte.
Sonra görüşürüz.

Kommentare:

Lalique hat gesagt…

oooooooooooo its nostalgic my friend.
did you visit İstanbul??
1976 I was very little :)

hugs from İstanbul

Kathrin hat gesagt…

Istanbul ist eine tolle Stadt - ich war mittlerweile schon zweimal mit dem Auto dort. Der Verkehr ist im Gegensatz zu Österreich zwar gewöhnungsbedürftig, aber schaffbar :)
Simit? Lecker!

lg kathrin