Sonntag, 1. Januar 2012

Feiertag am Sonntag

Die Arbeitgeber reiben sich die Hände, denn zwei der letzten drei Feiertage fielen auf einen Sonntag. Nach dem Entgeltfortzahlungs- gesetz müssten sie ihren Beschäftigten für den Feiertag den üblichen Lohn zahlen. So ist es jedoch ein Geschenk, wenn der Feiertag nicht auf einen Werktag, sondern auf einen arbeitsfreien Tag am Wochenende fällt. In vielen Ländern gibt es wesentlich arbeitnehmerfreundlichere Regelungen. So werden in Großbritannien oder Spanien Feiertage, wenn sie auf einen Sonntag fallen, automatisch am folgenden Montag nachgeholt. In Belgien werden die Ausgleichstage durch ein eigenes System festgelegt, das von der nationalen bis zur betrieblichen Ebene reicht. In Russland werden sie, falls sie auf einen Samstag oder Sonntag fallen, gemäß der Gesetzgebung am darauffolgenden Arbeitstag nachgeholt. Die Regierung kann außerdem einzelne Arbeitstage auf an sich arbeitsfreie Samstage und Sonntage verlegen, um in der vorangehenden oder folgenden Woche eine Kette von ununterbrochenen arbeitsfreien Tagen zu erreichen. Ebenso können Tage außer der Reihe zu arbeitsfreien Tagen erklärt werden. Ähnlich wird es auch in Japan gehandhabt. Eine sehr spezielle Regelung gibt es in Luxemburg: Fällt ein gesetzlicher Feiertag auf einen Sonntag, so kann stattdessen ein anderer Tag frei genommen werden. Das muss innerhalb von drei Monaten geschehen. In Thailand gibt es eine sehr hohe Anzahl an Feiertagen, denn hier nimmt man alle mit: Die Buddhistischen, die Chinesischen, die Thailändischen, die Muslemischen und zum Teil auch noch die Westlichen. Fällt ein Feiertag auf einen Samstag oder Sonntag, wird er am Montag nachgeholt. In den USA sorgte Präsident Richard Nixon dafür, dass gesetzliche Feiertage - von einigen wenigen Ausnahmen abgesehen -, die auf einen Sonntag fallen, automatisch auf den Freitag davor oder den darauf folgenden Montag verlegt werden. Wir sehen, dass anders als in Deutschland dort ein Feiertag nicht dem Zufall überlassen bleibt, sondern dass ein Feiertag noch Feier- und Freizeitcharakter hat. Viele Staaten unterstützen ihre Völker in dieser Angelegenheit aktiv. Sogar in China werden Feiertage, die auf Samstag oder Sonntag fallen, am nächsten Werktag nachgeholt. In Deutschland steht der Mensch weniger im Mittelpunkt. Bei uns sind immer nur handfeste wirtschaftliche Interessen ausschlagebend. Entfallene Feiertage bedeuten eine Ausdehnung der jährlichen Arbeitszeit. Arbeitnehmer haben einen freien Tag weniger, Arbeitgeber einen zusätzlichen Tag zur Wertschöpfung. Waren Feiertage Gegenstand politischer Initiativen, dann mit arbeitnehmerfeindlichem Charakter. So schaffte eine christlich geführte Bundesregierung den Buß- und Bettag als gesetzlichen Feiertag ab, um die Einführung der Pflegeversicherung für die Arbeitgeber kostenneutral zu gestalten. Ähnliche Vorstöße gab es auch aus einer sozialdemokratisch geführten Bundesregierung. Wieder sollten Feiertage gestrichen werden, um die kränkelnde Wirtschaft zu retten. Umfragen zufolge lehnen in Deutschland jedoch zwei Drittel der Bevölkerung eine Streichung von Feiertagen ab. Eine Anfrage von Dr. Schröder anlässlich der Fragestunde im Deutschen Bundestag am 14. Dezember 2011, wie die Bundesregierung dazu steht, die Feiertagsregelungen in Deutschland arbeitnehmerfreundlicher - etwa nach dem Beispiel Großbritanniens - zu gestalten, erbrachte die lapidare Antwort, dass es im Rahmen des parlamentarischen Fragerechts nicht Aufgabe der Bundesregierung sei, allgemein zugängliche Auskünfte aufzubereiten, insbesondere nicht, wenn es sich dabei um schlichte Kalenderangelegenheiten handelt. Arbeitnehmerfreundlichere Regelungen seinen aus arbeitsschutzrechtlichen Gründen nicht erforderlich. Und: Eines weiteren Ruhetages für einen auf einen Sonntag fallenden Feiertag bedarf es nicht. Verwunderlich dabei war, dass man bei dieser Gelegenheit nicht wieder das Ammenmärchen hervorkramte, wir hätten sowieso schon zu viele Feiertage. Tatsächlich liegt Deutschland in dieser Beziehung international nämlich lediglich im Mittelfeld. Staaten wie zum Beispiel Indien, Japan, Zypern, Südkorea oder die Slowakei gönnen ihrer arbeitenden Bevölkerung weitaus mehr. Dass im Artikel 140 unseres Grundgesetzes steht, dass der Sonntag und die staatlich anerkannten Feiertage als Tage der Arbeitsruhe und der seelischen Erhebung gesetzlich geschützt bleiben, interessiert unsere Regierung herzlich wenig, obwohl dieses Anliegen durch die derzeit gültigen Feiertagsregelungen verloren geht. So dürfen wir uns morgen aus vielen anderen Ländern der Welt mitleidig beobachten lassen, wie wir unseren Arbeitgebern unterwürfig die Taschen füllen müssen.

Kommentare:

BlogS of Hariyanto hat gesagt…

happy new year my dear friend, greetings from Makassar - Indonesia :)

Kathrin hat gesagt…

In Österreich gibt es auch keine Regelung, die vorsieht einen Feiertag am Sonntag an einem anderen Wochentag nachzuholen ... irgendwie wäre das schon praktisch.

lg kathrin

Gerry hat gesagt…

Es hört sich natürlich gut an, wenn Feiertage in anderen Ländern an andere Tage verschoben werden können. Aber wie sehr wird das tatsächlich in der Praxis gehandhabt? Ich glaube, dass man den Arbeitnehmerschutz im deutschsprachigen Raum nicht wirklich mit jenem in Ländern wie Russland, China oder Thailand vergleichen darf. Beispielsweise in Thailand haben viele Geschäfte 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche geöffnet. Viele Märkte sind 7 Tage die Woche geöffnet. Arbeitstage von 10-15 Stunden stehen für viele Menschen an der Tagesordnung.

In China wird an vielen Großbaustellen 24 Stunden - 7 Tage die Woche gearbeitet.

Und Urlaub? Also da sind wir in Mitteleuropa ja wirklich extrem privilegiert. 25 Urlaubstage zB. in Österreich - da kann so mancher Japaner nur träumen.

Das sind nur einige Beispiele. Ich frage mich: Was macht es für einen Sinn, wenn dann Feiertage verschoben werden und ohnedies eine Mehrzahl der Bevölkerung arbeiten muss? Mehr als ein Lippenbekenntnis ist das in meinen Augen nicht.

Wedi hat gesagt…

Mensch das ist ja mal interessant...selbst Japan und China deren Lebenseinstellung zum Thema Arbeit ja nu so ganz anders ist wie bei uns...klasse Blog