Samstag, 31. Dezember 2011

Silvester

Aufgrund gegebener Veranlassung verweist Nervenruh zum diesjährigen Jahreswechsel auf seinen Eintrag vom 1. Januar 2011.

Montag, 26. Dezember 2011

Südfrüchte

Sie kommen aus Ecuador, Brasilien, Vietnam, Malaysia, Israel oder der Elfenbeinküste: Südfrüchte versüßen den Winter und spenden lebensnotwendige Vitamine. Um sie täglich frisch auf einen mitteleuropäischen Tisch zu bekommen, wird die Verschmutzung der Atmosphäre durch Transportflugzeuge bedenkenlos in Kauf genommen. Für den oben abgebildeten Obstkorb wurden mindestens 15000 Kilogramm Kohlendioxid in die Luft geblasen. Ganz schön gesund, was?

Sonntag, 18. Dezember 2011

Zypernkatzen

In den Mittelmeerländern gibt es viele herrenlose, streunende Hauskatzen. So auch auf Zypern. Doch anders als in den meisten dieser Gegenden, sind die Tiere auf der drittgrößten mediterranen Insel bei den Menschen beliebt. Sie werden nicht verscheucht, sondern gefüttert und gestreichelt.
Hauskatzen haben auf Zypern eine lange Tradition. Bis zum Jahr 2004 wurde angenommen, dass sie vor etwa 4.500 Jahren im Alten Ägypten domestiziert wurden. Damals wurde die Katze als Mischwesen aus Gott und Tier verehrt. Die Göttin Bastet, Tochter und Gemahlin des Sonnengottes Ra, stellte man sich als wohlgestaltete Frau mit einem Katzenkopf vor.
Umso größer war die Überraschung, als Jean-Denis Vigne vom Nationalen Museum für Naturgeschichte in Paris und seine Kollegen die jungsteinzeitliche Grabstätte in Shillourokambos auf Zypern entdeckten. Dort befand sich in einem etwa 9.500 Jahre alten Grab neben Beigaben auch das Skelett einer gezähmten Katze.
Die Leichen waren in einem Abstand von etwa vierzig Zentimetern symmetrisch angeordnet vorgefunden worden, was auf eine enge Beziehung zu Lebzeiten schließen lässt.
Es gilt heutzutage als sicher, dass Hauskatzen von den Falbkatzen abstammen. In frühen jungsteinzeitlichen Kulturen vor 10.000 bis 11.000 Jahren könnten diese immer häufiger in die Dörfer gekommen sein, als sie die Kornvorräte als ergiebiges Jagdrevier für Mäuse entdeckten. Umgekehrt könnten die Dorfbewohner den Nutzen der Tiere erkannt und sie gezähmt haben.
Katzen konnten nur durch menschliches Zutun nach Zypern gelangt sein. Bisher ungeklärt ist jedoch, ob es sich hierbei um wilde oder gezähmte Tiere handelte. Heute weiß man, dass zumindest einige dieser Vierbeiner mit den Menschen verbunden waren und immer noch sind. Seit 10.000 Jahren...

Donnerstag, 15. Dezember 2011

Mitte Dezember

Immer noch Sellerie auf dem Acker. Nicht mal das Kraut ist abgefroren. Gemäßigte Temperaturen herrschen. Es gab zwar bereits leichten Frost. Die Kapuzinerkresse hängt längst wie Gummi am Zaun. Doch nicht nur Sellerie, sondern auch Pflanzen wie Endivien, Lauch oder Petersilie halten sich. Kamillen blühen, Mangold, Chinakohl und Fenchel wachsen nach. Blumenzwiebeln könnten bedenkenlos gesetzt werden. Wer rechtzeitig Rosenkohl gepflanzt hat, gehört zu den Gewinnern. Der Winter hält sich bislang dezent zurück...

Sonntag, 11. Dezember 2011

Bauchstupferla

So nennt man Schupfnudeln im Allgäu und in Oberschwaben. Der einzige kleine Unterschied ist die Form. Bauchstupferla sind etwas dünner und an den Enden etwas spitzer als die eher gedrungenen Schupfnudeln. Die Herstellung ist relativ einfach. Man nehme ein Pfund gekochte Kartoffeln vom Vortag, drückt sie durch eine Presse und knetet sie mit einem Pfund Mehl, einem Ei sowie etwas Salz und Muskat zu einem Teig. Dann rollt man mit der flachen Hand auf einem mit Mehl bestäubten Untergrund die fingerlangen Bauchstupferla. Anschließend werden sie mit etwas Schmalz in einer Pfanne goldbraun gebraten. Bauchstupferla eignen sich als Beilage zu vielen Gerichten oder als eigenständige Mahlzeit mit Sauerkraut und Speck.

Montag, 5. Dezember 2011

Hawaii-Toast

Der 1906 im Westerwald geborene Schauspieler Carl Clemens Hahn machte von 1953 bis 1964 in 185 fünfzehnminütigen Sendungen als erster deutscher Fernsehkoch Clemens Wilmenrod Karriere. Die Show „Bitte, in zehn Minuten zu Tisch“ wurde zu einem der frühen Straßenfeger des Fernsehens. Voller Begeisterung kochten die Zuschauer Wilmenrods Kreationen in ihren Haushalten nach. Legendär blieben seine oft banalen Rezepte wie Gefüllte Erdbeeren (mit Mandeln), das Arabische Reiterfleisch (ein einfaches Hackfleischgericht) oder die Blitzgulasch-Suppe (kurz angebratenes Fleisch in siedendes Wasser werfen und 24 Stunden stehen lassen). Seine bekannteste Erfindung ist der 1955 erstmals vorgestellte Hawaii-Toast, die wohl exotischste Schöpfung der Ära Adenauer, die auch heute noch in vielen Gaststätten und Bistros angeboten wird. Dabei handelt es sich um eine Scheibe Toastbrot, die mit Butter bestrichen, mit Schinken, einer Scheibe Ananas aus der Dose und Käse belegt sowie mit einer Kirsche garniert und im Ofen bei 180°C bis zur Käseschmelze gebacken wird. Mittlerweile ist auch verbreitet, auf den fertigen Toast Preiselbeeren oder ähnliches zu setzen oder ihn mit etwas süßem Paprikapulver zu würzen. Einige Zeit wurde vermutet, dass Hawaii-Toast aufgrund der Zusammenstellung der Zutaten das Potenzial zur Bildung von krebserregenden Nitrosaminen aus Nitriten im Pökelsalz des Schinkens und den Aminosäuren des Käses im sauren Milieu der Ananas habe. Untersuchungen des Fachbereichs Lebensmitteltechnologie an der Technischen Fachhochschule Berlin ergaben jedoch keinen erhöhten Gehalt an Nitrosaminen.
>> Rezept

Sonntag, 4. Dezember 2011

Trikotwerbung

Der Club Atlético Peñarol aus der uruguayischen Hauptstadt Montevideo führte Mitte der 1950er-Jahre als weltweit erster Verein die Trikotwerbung ein. In Deutschland war das Tragen des Logos oder Schriftzugs eines Sponsors auf dem Trikot seinerzeit noch nicht gestattet. 1967 wollte Wormatia Worms für die Baumaschinenfirma Caterpillar Trikotwerbung betreiben, musste sich dann aber dem Werbeverbot des DFB beugen. Es blieb Eintracht Braunschweig vorbehalten, deutsche Sportgeschichte zu schreiben, als das Team am 24. März 1973 von Jägermeister gesponsert als erste deutsche Fußballmannschaft mit Trikotwerbung spielte. Allerdings bediente man sich hier eines Tricks, denn der DFB verbot Trikotwerbung, sodass die Eintracht kurzerhand das Firmenlogo von Jägermeister als Vereinswappen übernahm und so legal werben konnte. Dies war der große Auftritt von Günter Mast, der den Verein ursprünglich in „Jägermeister Braunschweig“ umbenennen lassen wollte. Sein publikumswirksamer Dauerstreit mit dem DFB verschaffte seinen Produkten in ganz Westdeutschland werbewirksame Schlagzeilen. Auf Eintracht Braunschweig folgten der Hamburger SV (Campari), Eintracht Frankfurt (Remington), der MSV Duisburg (Brian Scott) und Fortuna Düsseldorf (Allkauf). Das Werbeverbot war gefallen. Für die Saison 1987/88 hatte der Präsident des FC Homburg, Manfred Ommer, den Kondomhersteller London als Hauptsponsor gewonnen. Der DFB zeigte sich empört und drohte mit Punktabzug. Die Homburger sahen sich gezwungen, den Sponsorenschriftzug auf dem Trikot vorerst mit schwarzen Balken abzudecken. Der damalige Vorsitzende des DFB-Ligaausschusses Gerhard Mayer-Vorfelder wurde daraufhin scharf kritisiert. Das Landgericht Frankfurt am Main befand schließlich, dass die Kondomwerbung auf den Trikots weder gegen Sitte noch Moral verstoße. Fortan liefen die Spieler unzensiert auf. Im Mai 2006 schloss der TSV 1860 München einen langfristigen Vertrag mit dem Sportwettenanbieter betandwin ab. Aufgrund der umstrittenen Legalität der Werbung für private Wettanbieter gab es dadurch bald Probleme für den Verein. So beobachtete die Münchner Staatsanwaltschaft mehrere Tage lang die Präsentation und den Verkauf der Trikots am Trainingsgelände. Am 3. August 2006 verbot der Verwaltungsgerichtshof Bayern die Werbung und betandwin, das seit dem 1. August bwin hieß, durfte nicht mehr auf Trikots und Werbebanden werben. Der TSV 1860 lief von da an mit dem Schriftzug „we win“ auf. Auch wenn sich die Führung des TSV 1860 in den folgenden Monaten um eine Aufhebung des Werbeverbots bemühte, konnte kein Erfolg erzielt werden. Gegen Ende der Spielzeit wurde das Vertragsverhältnis zwischen bwin und den Löwen schließlich vorzeitig aufgelöst. Auch für den SV Werder Bremen gab es Probleme mit dem damals neu eingestiegenen Trikot- und Hauptsponsor bwin. Grund dafür war dessen privatwirtschaftliche Natur, da durch die Landesministerkonferenz beschlossen worden war, mit Hilfe der Ordnungsbehörden ein Werbeverbot privater Sportwettenanbieter durchzusetzen. Zudem stammt die Lizenz von bwin noch aus DDR-Zeiten, weshalb ihre Gültigkeit umstritten ist. Nachdem die Mannschaft beim Ligapokalfinale noch unbeanstandet mit dem bwin.de-Schriftzug aufgelaufen war, folgte eine Zeit der Unklarheit: Am 7. Juli 2006 untersagte das Stadtamt Bremen dem Verein mittels Untersagungsverfügung, mit dem Schriftzug bwin.de aufzulaufen. Das Verwaltungsgericht Bremen hob diese allerdings nach Widerspruch des Vereins im Juli 2006 wieder auf. Das daraufhin vom Stadtamt angerufene Oberverwaltungsgericht bestätigte am 13. September 2006 das Verbot des Schriftzuges. Der Verein beschloss, gegen das Werbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen und übernahm zunächst die Idee der 1860er und ließ seine Mannschaft mit dem Schriftzug we win oder blanken Trikots spielen, da das OVG eine aufschiebende Wirkung des Widerspruchs verneint hatte und der Schriftzug bwin.de in den meisten anderen Bundesländern ebenfalls verboten worden war. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Eilantrag des Vereins, der das Antreten mit dem Originalschriftzug während der drei letzten Saisonspiele zum Ziel hatte, ab. In dem im März 2007 erfolgten Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu privaten Wettanbietern, sah das Gericht, anders als die Vereinsführung, keinen Grund das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zu korrigieren. Auf Grund dieser Umstände wurde das Sponsorenverhältnis im Mai 2007 vorzeitig gekündigt. Der wohl bekannteste Fußballverein, der auf Trikotwerbung und damit auf jährliche Einnahmen in Millionenhöhe gänzlich verzichtete, ist der FC Barcelona, der sich als katalanische Nationalmannschaft versteht und auf sich die Regeln für Nationalmannschaften anwendete. Obwohl der Verein traditionell auf einen Trikotsponsor verzichtete, wurde im September 2006 ein Kooperationsabkommen mit dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF geschlossen. Demnach unterstützte der Verein über seine Stiftung die Arbeit von UNICEF bis 2011 mit jährlich 1,5 Millionen Euro, um an Aids erkrankte Kinder in den Ländern der Dritten Welt zu unterstützen. Doch seit 2011 läuft nun auch der FC Barcelona mit Trikotwerbung (Qatar Foundation) auf und erhält dafür mit 30 Millionen jährlich aus dem Emirat Katar die höchsten Einnahmen aller Vereine weltweit. Auch Athletic Bilbao, das für die Politik steht, nur Spieler baskischer Herkunft einzusetzen und sich so als Nationalmannschaft des Baskenlandes identifiziert, verzichtete bis 2008 auf Trikotwerbung.