Sonntag, 4. Dezember 2011

Trikotwerbung

Der Club Atlético Peñarol aus der uruguayischen Hauptstadt Montevideo führte Mitte der 1950er-Jahre als weltweit erster Verein die Trikotwerbung ein. In Deutschland war das Tragen des Logos oder Schriftzugs eines Sponsors auf dem Trikot seinerzeit noch nicht gestattet. 1967 wollte Wormatia Worms für die Baumaschinenfirma Caterpillar Trikotwerbung betreiben, musste sich dann aber dem Werbeverbot des DFB beugen. Es blieb Eintracht Braunschweig vorbehalten, deutsche Sportgeschichte zu schreiben, als das Team am 24. März 1973 von Jägermeister gesponsert als erste deutsche Fußballmannschaft mit Trikotwerbung spielte. Allerdings bediente man sich hier eines Tricks, denn der DFB verbot Trikotwerbung, sodass die Eintracht kurzerhand das Firmenlogo von Jägermeister als Vereinswappen übernahm und so legal werben konnte. Dies war der große Auftritt von Günter Mast, der den Verein ursprünglich in „Jägermeister Braunschweig“ umbenennen lassen wollte. Sein publikumswirksamer Dauerstreit mit dem DFB verschaffte seinen Produkten in ganz Westdeutschland werbewirksame Schlagzeilen. Auf Eintracht Braunschweig folgten der Hamburger SV (Campari), Eintracht Frankfurt (Remington), der MSV Duisburg (Brian Scott) und Fortuna Düsseldorf (Allkauf). Das Werbeverbot war gefallen. Für die Saison 1987/88 hatte der Präsident des FC Homburg, Manfred Ommer, den Kondomhersteller London als Hauptsponsor gewonnen. Der DFB zeigte sich empört und drohte mit Punktabzug. Die Homburger sahen sich gezwungen, den Sponsorenschriftzug auf dem Trikot vorerst mit schwarzen Balken abzudecken. Der damalige Vorsitzende des DFB-Ligaausschusses Gerhard Mayer-Vorfelder wurde daraufhin scharf kritisiert. Das Landgericht Frankfurt am Main befand schließlich, dass die Kondomwerbung auf den Trikots weder gegen Sitte noch Moral verstoße. Fortan liefen die Spieler unzensiert auf. Im Mai 2006 schloss der TSV 1860 München einen langfristigen Vertrag mit dem Sportwettenanbieter betandwin ab. Aufgrund der umstrittenen Legalität der Werbung für private Wettanbieter gab es dadurch bald Probleme für den Verein. So beobachtete die Münchner Staatsanwaltschaft mehrere Tage lang die Präsentation und den Verkauf der Trikots am Trainingsgelände. Am 3. August 2006 verbot der Verwaltungsgerichtshof Bayern die Werbung und betandwin, das seit dem 1. August bwin hieß, durfte nicht mehr auf Trikots und Werbebanden werben. Der TSV 1860 lief von da an mit dem Schriftzug „we win“ auf. Auch wenn sich die Führung des TSV 1860 in den folgenden Monaten um eine Aufhebung des Werbeverbots bemühte, konnte kein Erfolg erzielt werden. Gegen Ende der Spielzeit wurde das Vertragsverhältnis zwischen bwin und den Löwen schließlich vorzeitig aufgelöst. Auch für den SV Werder Bremen gab es Probleme mit dem damals neu eingestiegenen Trikot- und Hauptsponsor bwin. Grund dafür war dessen privatwirtschaftliche Natur, da durch die Landesministerkonferenz beschlossen worden war, mit Hilfe der Ordnungsbehörden ein Werbeverbot privater Sportwettenanbieter durchzusetzen. Zudem stammt die Lizenz von bwin noch aus DDR-Zeiten, weshalb ihre Gültigkeit umstritten ist. Nachdem die Mannschaft beim Ligapokalfinale noch unbeanstandet mit dem bwin.de-Schriftzug aufgelaufen war, folgte eine Zeit der Unklarheit: Am 7. Juli 2006 untersagte das Stadtamt Bremen dem Verein mittels Untersagungsverfügung, mit dem Schriftzug bwin.de aufzulaufen. Das Verwaltungsgericht Bremen hob diese allerdings nach Widerspruch des Vereins im Juli 2006 wieder auf. Das daraufhin vom Stadtamt angerufene Oberverwaltungsgericht bestätigte am 13. September 2006 das Verbot des Schriftzuges. Der Verein beschloss, gegen das Werbeverbot vor dem Europäischen Gerichtshof zu klagen und übernahm zunächst die Idee der 1860er und ließ seine Mannschaft mit dem Schriftzug we win oder blanken Trikots spielen, da das OVG eine aufschiebende Wirkung des Widerspruchs verneint hatte und der Schriftzug bwin.de in den meisten anderen Bundesländern ebenfalls verboten worden war. Das Verwaltungsgericht lehnte einen Eilantrag des Vereins, der das Antreten mit dem Originalschriftzug während der drei letzten Saisonspiele zum Ziel hatte, ab. In dem im März 2007 erfolgten Urteil des Europäischen Gerichtshofes zu privaten Wettanbietern, sah das Gericht, anders als die Vereinsführung, keinen Grund das Urteil des Oberverwaltungsgerichtes zu korrigieren. Auf Grund dieser Umstände wurde das Sponsorenverhältnis im Mai 2007 vorzeitig gekündigt. Der wohl bekannteste Fußballverein, der auf Trikotwerbung und damit auf jährliche Einnahmen in Millionenhöhe gänzlich verzichtete, ist der FC Barcelona, der sich als katalanische Nationalmannschaft versteht und auf sich die Regeln für Nationalmannschaften anwendete. Obwohl der Verein traditionell auf einen Trikotsponsor verzichtete, wurde im September 2006 ein Kooperationsabkommen mit dem UN-Kinderhilfswerk UNICEF geschlossen. Demnach unterstützte der Verein über seine Stiftung die Arbeit von UNICEF bis 2011 mit jährlich 1,5 Millionen Euro, um an Aids erkrankte Kinder in den Ländern der Dritten Welt zu unterstützen. Doch seit 2011 läuft nun auch der FC Barcelona mit Trikotwerbung (Qatar Foundation) auf und erhält dafür mit 30 Millionen jährlich aus dem Emirat Katar die höchsten Einnahmen aller Vereine weltweit. Auch Athletic Bilbao, das für die Politik steht, nur Spieler baskischer Herkunft einzusetzen und sich so als Nationalmannschaft des Baskenlandes identifiziert, verzichtete bis 2008 auf Trikotwerbung.

Kommentare:

solarpanel hat gesagt…

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