Mittwoch, 26. Oktober 2011

Zwei Wochen auf Zypern

Es begann in einer langen Schlange, die vom Check-In-Schalter bis zur Eingangstüre des Terminals 1 am Münchener Flughafen reichte. Die Betreiber des Airports versagten ihrem Bodenpersonal die Zahlung gerechter Löhne, weswegen eine Betriebsversammlung ausgerechnet zu diesem Zeitpunkt angesetzt worden war. Mit vierzigminütiger Verspätung hob die Boeing 737 in Richtung Larnaka ab. Obgleich unterwegs in zehntausend Metern Höhe riesige Gewitterwolken umflogen werden mussten, machte der Pilot Zeit gut, so dass sich die Landung auf Zypern lediglich um zwanzig Minuten verzögerte. Mantel und Pullover wurden nun überflüssig. Selbst am späten Abend betrug die Temperatur 24°C. Nach einer Transferzeit von etwa zwei Stunden erreichte Nervenruh ermüdet Pernera und stillte seinen Hunger im Hotel. Danach wiegte ihn das Meer mit seinem Rauschen in den Schlaf.
Pernera ist ein kleines Touristendorf unweit von Protaras. Dort gibt es ein paar Geschäfte, Restaurants, Imbissbuden, Pubs, einen kleinen Hafen, ein Kirchlein und etliche Baustellen.
Es geht ruhig und gediegen zu. Im Ortskern gibt es eine Bushaltestelle. Das Tagesticket kostet zwei Euro.
Es lohnt sich, die Linie 102 Richtung Waterpark zu nehmen und am Kap Greko auszusteigen. Aber Achtung: Nicht auf der falschen Straßenseite warten. Auf Zypern herrscht Linksverkehr. Rings um das Kap wurden beschilderte Wanderwege angelegt. Die Südostspitze der Halbinsel kann wegen militärischer Anlagen nicht betreten werden. Nervenruh wählte erstmal eine Route auf der östlichen Seite, wo sich überwältigende Ausblicke bieten. Kleine Buchten liegen zwischen bizarren Felsformationen, Eidechsen huschen durch das dornige Gestrüpp, viele Pflanzen sind um diese Jahreszeit vertrocknet und erwachen erst im regnerischen Winter wieder zu neuem Leben, ab und zu führt der Weg durch kleine Wälder. Ein besonders schöner Abschnitt ist das Teilstück zwischen Agii Anargiri, einer markanten modernen Kapelle, unter der eine geheiligte Höhle liegt, und der sandigen Bucht von Konnos. Oberhalb der Klippe befindet sich eine Haltestelle der Linie 101, mit der man problemlos binnen einer halben Stunde wieder seinen Ausgangspunkt erreicht.
Das Pernera Beach Hotel ist eines der älteren Hotels im Ort. Es liegt direkt am Strand. Von vorne sieht es aus wie ein schmuckloser Plattenbau aus den Siebzigern, doch im Inneren bietet es alles, was das Herz begehrt. Das Personal ist hilfsbereit und freundlich, alle Bereiche sind sauber und gepflegt, das Essen lässt keine Wünsche offen, die Zimmer sind geräumig und der Ausblick auf das türkisblaue, klare Meer ist eine Augenweide. Hier kann man alle Fünfe einfach mal gerade sein lassen und richtig entspannen.
Die Hotelviertel von Protaras und Pernera sowie einige weiter nördlich gelegene Hotels gehören zum Binnendorf Paralimni, Endstation der Buslinie 101. Diese Gegend wird auch als das „Tal der Windmühlen“ bezeichnet. Die Menschen in diesem Gebiet leben außer vom Tourismus vor allem von der Landwirtschaft. In der gesamten Region werden ausgezeichnet schmeckende Kartoffeln angebaut, die auch exportiert werden. Geerntet wird dreimal pro Jahr. Daneben gibt es noch Oliven, Getreide, Melonen, Gemüse und etwas Wein. Für die Bewässerung sorgen zahlreiche Windräder, die Grundwasser auf die Felder pumpen. Für den Anbau von Schnittblumen, Tomaten und Frühgemüse, für das man gute Preise erzielt, wurden Treibhäuser gebaut. Beeindruckend zeigt sich der Dorfplatz mitten im Ort. Dort stehen nebeneinander drei Kirchen verschiedener Epochen. Die größte ist die neue Agios-Georgios-Kirche, die Anfang der 1990er-Jahre erbaut wurde und sich durch umfangreiche Bemalungen im Innenraum auszeichnet. Die zweite Kirche ist ebenfalls dem heiligen Georg geweiht und stammt aus dem 19. Jahrhundert. Die gotische Panagia-Kreuzkuppelkirche dahinter wurde bereits im 13. Jahrhundert errichtet, später jedoch durch Anbauten verändert.
Um die Insel und seine Bewohner etwas besser kennenzulernen, bietet sich eine Inselrundfahrt an. Sie führt erst nach Larnaka. Der mittelalterliche Name der fast 75000 Einwohner zählenden Stadt leitet sich vom griechischen Wort für Sarkophag, Larnax, ab. Hier wurden zahlreiche Sarkophage gefunden. Einer davon, im 9. Jahrhundert entdeckt, trug die Aufschrift „Lazarus, der Freund Christi" und man nahm an, dass es sich um jenen Mann handeln musste, den Christus von den Toten erweckt hatte. Die Krypta, in der Lazarus beigesetzt war, ist unter dem Altarraum der Lazaruskirche, die mit bemerkenswerten Schnitzarbeiten ausgestattet ist, zu sehen. Nach einer Besichtigung geht es Richtung Norden nach Nikosia mit seinem historischen Kern, der von einem Mauerring umgebenen Altstadt mit der Lidras Street, einer Flaniermeile und Haupteinkaufsstraße mit vielen Cafes und Restaurants, verwinkelten Seitengassen, alten Gebäuden, Kirchen und dem Kaufhaus Debenhams, durch das man den elten Stock des Ermes-Hochhauses erreicht. Von dort aus kann man die ganze Stadt überblicken. Die Lidras Street führt zu einem Checkpoint, an dem EU-Bürger und alle Zyprioten die Green Line überqueren können. Erschreckend ist die Abneigung, man könnte es manchmal schon als abgrundtiefen Hass bezeichnen, den viele griechischstämmige Zyprioten gegenüber ihren türkischstämmigen Landsleuten, die hier vor hunderten von Jahren ansässig wurden, an den Tag legen. Die Geschichte Zyperns ist oft nicht ganz leicht zu verstehen. Nach diesen Eindrücken führte die Fahrt gut dreißig Kilometer weiter an den Rand des Troodos-Gebirges in die Gemarkung Asinou. Im Mittelalter stand dort zwischen Wäldern und Weiden das Kloster Panagia Forviotissa, von dem nur noch die Kirche erhalten ist. Von außen gleicht der kleine, einschiffige Bau mit seinem weit herunter gezogenen Ziegeldach eher einer Scheune als einem Gotteshaus. Die sogenannte Scheunendachkirche ist einer der größten Kunstschätze Zyperns und gehört zum Weltkulturerbe. Bei genauerem Hinsehen erkennt man unter der Ziegelkonstruktion ein zweites, älteres Tonnengewölbe unter dem Kirchenschiff und Kuppeln über dem Vorbau. Das Dach stammt wohl aus der Kreuzritterzeit und wurde zum Schutz gegen die Witterung über den Bau gestülpt. Dadurch sind die interessanten Wandmalereien im Inneren hervorragend erhalten geblieben. Die ältesten von ihnen stammen aus dem Jahr 1105. Nach einer in den 1980ern erfolgten Reinigung leuchten die Darstellungen fast so kräftig wie vor 900 Jahren. Noch tief beeindruckt begab man sich in eine ländliche Taverne, in der typisch zypriotisches Meze mit Rotwein serviert wurde. Zur besseren Verdauung gab es Zibania, einen aus Treber von Weintrauben hergestellten Schnaps, der auch als Arzneimittel gegen alles sowie zum Fensterputzen verwendet werden kann. Leicht angeheitert und etwas müde ging es weiter durch die wunderbare Landschaft des Troodos. Das nächste Ziel ist das auf 810 Metern Höhe inmitten von Weinbergen und Obstplantagen gelegene Winzerdorf Omodos. Dort wird nicht nur Wein angeboten, sondern auch Olivenöl, Anisbrotkringel, Nüsse und diverses Naschwerk, Lederwaren, Keramik, Hohlsaumstickereien sowie andere Erzeugnisse der Volkskunst. Ein Genuss ist der Metrio in einer Kafenia. Der zypriotische Mokka ist eine Kaffeeart, die ursprünglich aus den arabischen Ländern stammt. Das Zubereiten und das Genießen dieses Kaffees hat eine lange Tradition auf der Insel. Die feingemahlenen Bohnen werden mit Zucker vermischt und in kleinen, für diese Zwecke gemachten Portionsgefäße aufgekocht. „Metrio“ bedeutet, dass der Kaffee mittelsüß (1:1 Kaffee und Zucker) serviert werden soll. Um den Geschmack abzurunden gehört immer ein Glas kaltes Wasser dazu. Am zentral gelegenen Dorfplatz befindet sich das eindrucksvolle Heiligkreuz-Kloster Timios Stavros. Das im Jahr 327 gegründete und im 19. Jahrhundert in einem schönen Natursteingebäude neu errichtete Kloster birgt kunsthistorisch interessante Reliquien. Sehenswert sind die Holzschnitzereien an der Decke des Kreuzgangs sowie des Synodensaals. Jedes Jahr am 14. September feiert Omodos den Heiligkreuz-Tag mit Prozessionen durch das Dorf. Die letzte Station der Inselrundfahrt ist Limassol, die zweitgrößte Stadt Zyperns. Sie liegt ziemlich genau im Zentrum der Südküste. In der Burg aus dem 14. Jahrhundert können gegen Entgelt Grabplatten, Rüstungen oder Fotos mittelalterlicher Bauten besichtigt werden. Nicht weit davon bietet ein Geschäft Naturschwämme, Muscheln, Seesterne und anderen Krimkrams an. Die Inselrundfahrt ist zwar äußerst aufschlussreich, doch fast zu viel für einen Tag. Ab und zu kommt dadurch Hektik auf. Am Abend war Nervenruh platt. Die anschließende Erholungsphase am Strand dauerte eineinhalb Tage. Pernera und Protaras sind durch eine gepflegte Strandpromenade für Fußgänger verbunden. Nach etwa zwanzig Minuten gemütlichen Schlenderns - auf der einen Seite das Meer, auf der anderen etliche Lokalitäten - erreicht man einen Anlegesteg für Boote. Ein paar Meter rechts die Straße hinauf, befindet sich das Zentrum des Ortes mit einem Stahlgerüstbrunnen, der Touristeninformationsstelle, die auch zu den ausgewiesenen Öffnungszeiten immer geschlossen war, einer Bushaltestelle und einer belebten Geschäftsstraße. Plagiate namhafter Marken vermischen sich mit Originalen, billige Souvenirs mit teueren Uhren und Schmuck. Gemütliche Tavernen liegen neben englischen Pubs, Imbissbuden neben anspruchsvollen Speiselokalen, zwielichtige Clubs neben kitschigen Gourmettempeln. Einheimische wohnen hier kaum. Der Badeort entwickelte sich von einer aus wenigen Häusern bestehenden Siedlung erst nach 1974 als Ersatz für den nach der Grenzziehung und Errichtung der Türkischen Republik Nordzypern nicht mehr zugänglichen Badeort Famagusta zu seiner heutigen Größe. Hoch auf einer Felsspitze liegt die Kirche des Propheten Elias. Zu dieser kleinen Kirche führt ein Weg mit sehr vielen Stufen. Oben angekommen bietet sich ein schöner Ausblick über die gesamte Region. Hinter dem Gebäude befinden sich wunderbar dekorierte Wunschbäume.
Der Oktober beschert Zypern durchschnittlich drei Regentage. Am neunten Urlaubstag fiel es schon morgens auf: Das Balkongeländer war nass, auf den Wiesen lagen viele Blätter und Äste, der Himmel war bewölkt. Mittags frischte eine kräftige Dusche alles ab. Ein Tag zum verbummeln. Zypern hat am 1. Januar 2008 den Euro eingeführt. Nicht nur bei uns, sondern auch dort, wurde er der Bevölkerung aufgezwungen. Wie bei uns besitzt er auch dort einen schlechten Ruf. Die Menschen klagen über die Verteuerung aller Güter und Dienstleistungen seit Einführung der Währung. Abends versinkt die Sonne hinter dem Pernera Beach Hotel, ab 17 Uhr wird es schattig. Wunderbar ist der Morgen, wenn das wärmende Gestirn aus den Fluten steigt.
Agia Napa, im südosten der Insel und westlich vom Kap Greko gelegen, ist genauso wie Protaras erst nach 1974 aus einer Bauern- und Fischersiedlung mit nur etwa hundert weit verstreuten, einfachen Häusern zu einem der großen Ferienorte mit heute etwa 2800 Einwohnern geworden. Das quirlige Touristenzentrum blickt hinab auf einen kleinen, hübschen Fischerhafen und strahlt eine gemütliche Urlaubsatmosphäre aus. Von diesem Bilderbuchidyll aus ist der lange goldfarbene, von niedrigen Dünen gesäumte Strand vor den Hotels zu sehen. Der Stadt aus der Retorte merkt man zwar auf Schritt und Tritt ihre Jugend an, doch den Planern ist es weitgehend gelungen, landschaftszerstörende, bombastische Bauten zu vermeiden. Im Ortskern findet man eine neue Kirche neben einem im Jahre 1530 gegründeten Kloster, vor dessen Südtor ein über 400 Jahre alter Maulbeerfeigenbaum steht. Einer Legende nach wurde hier in einer Waldhöhle eine Marien-Ikone gefunden. Dies wurde als göttliches Zeichen angesehen. Zum Dank errichtete man dieses Kloster. Der damaligen venezianischen Herrschaft entsprechend, nennt man seinen Baustil auch Kreuzfahrergotik. Die mittelalterlichen Gebäude werden heute als ökumenisches Tagungszentrum und für kulturelle Veranstaltungen genutzt. Vom lauschigen Innenhof  mit Brunnenhaus und antikem Wasserspeicher führen Stufen hinab in die Höhlenkirche des Konvents.
Die ehemalige britische Kronkolonie Zypern wurde vom Vereinigten Königreich am 16. August 1960 in die Unabhängigkeit entlassen und trat am 20. September 1960 den Vereinten Nationen bei. Seit 1974 ist Zypern geteilt. Die international anerkannte Republik Zypern übt die tatsächliche Kontrolle nur im Südteil der Insel aus, nicht hingegen im Nordteil, der durch eine 217 km lange Demarkationslinie, auch „Green Line“ genannt, vom Südteil abgegrenzt ist und ausschließlich von der Türkei als eigenständiger Staat anerkannt wird. Die Stadt Nikosia ist bereits seit 1964 geteilt. Am 24. April 2004 wurde der „Annan-Plan“ beiden Volksgruppen separat zur Abstimmung vorgelegt. Dieser hätte einen neuen Staat mit zwei getrennten Bundesstaaten vorgesehen. Während die Mehrheit der Zypern-Türken für den Plan stimmen, votierte die Mehrheit der Zypern-Griechen dagegen. Am 1. Mai 2004 wurde das Land Mitglied der Europäischen Union, wobei faktisch nur der Südteil der Insel Bestandteil der EU ist. Wer seinen Urlaub in Nordzypern verbringen will, muss eine umständliche Anreise mit Zwischenlandungen und einer Flugzeit von sieben bis zehn Stunden auf sich nehmen. Für griechische Zyprioten ist die Einreise nur legal, wenn sie über Südzypern erfolgt ist. Trotz der neuen Freizügigkeit ist über die Hälfte der Südzyprioten immer noch der Meinung, Touristen sollten Nordzypern meiden. Wer sich nicht unbeliebt machen möchte, erzählt darum im Süden besser nicht, dass er nach Famagusta oder Kyrenia fahren will. So hielt Nervenruh seinen Mund und stahl sich heimlich davon.
Der Bus, komischerweise linksgesteuert von einem gebildeten, äußerst fachkundigen Reiseleiter, überquerte die Grenze bei Deryneia. Zwischen den Kontrollposten steht ein würzig duftender Pfefferbaum, dessen rosa Beeren während der Wartezeit geerntet werden können. In unseren Bus steigt ein Aufpasser der nordzyprischen Behörde. Danach geht es schnurstraks nach Famagusta. Den Hafen, der bis 1974 der bedeutendste der Insel war, sicherte im Mittelalter eine Zitadelle, die in die Stadtmauern integriert war. Man nennt sie seit der britischen Kolonialzeit den Othello-Turm, weil Shakespeares Tragödie auf Zypern spielt und diese kleine Burg am besten als Schauplatz für die Ermordung der Desdemona vorstellbar ist. Im Mittelalter war Famagusta mit über 70000 Einwohnern die wichtigste Stadt der Insel. Über ihren Hafen wurde der Handel mit Vorderasien und Nordafrika abgewickelt. Die adeligen Bewohner brachten es zu enormem Wohlstand, waren sehr reich und stifteten zahlreiche große Kirchen, deren Ruinen noch heute stehen. Sie bilden einen reizvollen Kontrast zur teilweise schön restaurierten Altstadt und zu den Minaretten, die einige christliche Gotteshäuser bei der Umwandlung in Moscheen bekamen. So auch die Lala-Mustafa-Moschee. Gut neunzig Jahre nach dem Baubeginn an der gotischen Kathedrale von Nikosia und kurz nach der Vertreibung der letzten Kreuzritter aus dem Heiligen Land prosperierte das fränkische Königreich so sehr, dass man mit dem Bau einer zweiten Kathedrale in Famagusta begann, die in 28 Jahren fertiggestellt war und gleichzeitig mit der Sophienkathedrale in Nikosia 1326 geweiht wurde. Sie ist im Stil der Gotik erbaut. Nur ein angebautes Minarett verrät, dass die Kirche 1571 in eine Moschee umgewandelt wurde. Acht Kilometer von Famagusta entfernt liegt Salamis. Den besten Überblick über die Ausdehnung der antiken Stadt gewinnt man von den oberen Rängen des römischen Amphitheaters, das 15000 Zuschauern Platz bot. Eindrucksvoll sind auch die Säulen und Fußböden, eine antike Gemeinschaftslatrine mit Platz für 44 Besucher, der Thermenkomplex, das griechische Gymnasium mit seinen Trainingsplätzen, die Gemäuer frühchristlicher Basiliken und des antiken Zeus-Tempels. Außerhalb des umzäunten Stadtgeländes fallen links der Straße zum Kloster Barnabas merkwürdige Erdhügel auf. Sie markieren die antike Nekropole, deren Gräber nicht aus römischer Zeit stammen, sondern bereits aus dem 7. und 6. Jahrhundert vor Christi Geburt. Die Fahrt ging weiter und führte über das Pentadaktylos-Gebirge in das schöne Bergdorf Bellapais. Dieser Ort kann sich der romantischsten Ruine des Landes rühmen. Augustinermönche gründeten hier 1205 eine Abtei, die schnell Reichtum erlangte. Die prächtigen Spitzbögen des ehemaligen Kreuzgangs zeugen ebenso davon wie der große, intakt gebliebene Speisesaal und die Kellerräume im Baustil der Gotik. Das Kloster, die Berglandschaft, der Pflanzenwuchs und die gute Luft machen Bellapais zu einem besonderen Flecken Erde. Nicht weit davon entfernt an der Nordküste Zyperns liegt Kyrenia. Der keine zehntausend Einwohner zählende Ort gilt als schönste Stadt Zyperns. Ihr Zentrum ist das kleine, fast kreisrunde Hafenbecken aus venezianischer Zeit. Das Ufer säumen Cafes und Restaurants, dahinter erheben sich jahrhunderte alte Häuser. Eine mächtige Festung nimmt eine Seite des Hafens ein. Einmalig auf der Welt: Das Schiffswrack-Museum zeigt ein eisenzeitliches Schiffswrack, das etwa 300 v. Chr. sank und  1965 vom zypriotischen Taucher Andreas Kariolou entdeckt wurde. Innerhalb der Altstadt ragen ein Kirchturm und ein Minarett auf. Gleich hinter dem Ort steigt die Landschaft steil zum Gebirge an. Die alpin anmutenden Gipfel des Pentadaktylos sind ein berauschender Anblick. Die schmale Ebene entlang der Nordküste steht voller Zitronen- und Orangenbäume. Leider wurde es Zeit, die Rückreise nach Pernera anzutreten. Wieder ging es bei Deryneia über die Grenze, wo wir unseren nordzyprischen Wächter ablieferten. Der ansonsten wortkarge, emotionslose Mensch winkte zur Überraschung aller zum Abschied. Dabei huschte ihm sogar ein leises Lächeln über das Gesicht
Tags darauf zeigte sich die See stürmisch und aufgewühlt. Das war kein Meeresrauschen mehr, sondern tosender Lärm. Nervenruh lag am Strand, empfand es als Musik, beobachtete die schäumende Brandung auf der einen und die zahlreichen spielenden Katzenkinder auf der anderen Seite. Die Welt ist schön.
Am dreizehnten Urlaubstag zog es Nervenruh abermals zum Kap Greko. Die Westseite wollte noch erkundet werden. Zunächst führte die Wanderung hinauf auf den Berg. Auf halber Höhe hat man Ost- und Westküste der Halbinsel gleichzeitig im Blick. Von oben aus reicht die Sicht bis weit hinter Agia Napa, endlos hinaus auf das wunderbare türkisblaue Meer und bis tief ins Land hinein. Ein Bild für Götter! Zwanzig bis dreißig Zentimeter lange Echsen huschen flink über das Gestein. Nach einer Fotosession und einer kleinen Verschnaufpause beginnt der Abstieg. Die Wanderung zu den Seehöhlen führt unten um das Kap herum über eine immer bizarrer werdende Mondlandschaft Richtung Westen. Unbeschreiblich und auf keiner Fotografie einzufangen ist dieser Anblick. Im 90°-Winkel stürzen die von der Erosion zerklüfteten Klippen ins Meer. Auf halber Strecke zwischen Kap Greko und Agia Napa dann der Höhepunkt: eine große Lagune mit surrealistischen Felsformationen, Höhlen und allen Farbschattierungen von blau bis grün. Von hier aus führt ein Weg zurück zur Straße, auf der die Buslinie verkehrt. Am Abend gab es in einem Lokal in Pernera zypriotische und griechische Livemusik.
Langsam, aber trotzdem viel zu schnell, neigten sich die zwei Wochen ihrem Ende zu. Noch ein paar Stunden auf der Sonnenliege, noch ein kleiner Einkaufsbummel, noch ein Meze-Essen und zwei frisch gezapfte Keo in einer Taverne, ein paar Streicheleinheiten für die Kätzchen und schon stand der Transferbus vor dem Hotel. Ohne Gnade, hart und unerbittlich ging es ab nach Larnaka zum Flughafen und rein in die Boeing. Zwischendurch noch ein bisschen Frust im Duty-Free-Shop: Für viele Artikel müssen EU-Bürger mehr bezahlen als die Menschen vom Rest der Welt. In München erwartete Nervenruh ein Kälteschock. Da halfen weder Pullover noch Mantel. So müssen sich gefriergetrocknete Schalentiere fühlen... 
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Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Herrlich - ich möchte auch auf Urlaub fahren :)

lg kathrin

Mary hat gesagt…

Herrlich..ich habe deinen Reisebericht mit viel Spannung gelesen. Danke dir für diesen Einblick.

L.G. Mary

BlogS of Hariyanto hat gesagt…

great blog and nice share post with beauty picture :)
happy visiting here..greetings from Makassar - Indonesia :)

Paola hat gesagt…

Ganz schön ausführlich und gut zu lesen, da bekommt man viel Lust auf den nächsten Urlaub! Ich freue mich immer, Reiseberichte nicht in der typischen Katalogsprache lesen zu müssen! Und ich denke, dein Beitrag liefert genug Argumente, den nächsten Urlaub auf Zypern zu verbringen! Ich habe noch eine unglaublich schöne Route für eine Mietwagenreise gefunden, die ich mir auch gut vorstellen kann: blog.billiger-mietwagen.de/reiseziele/mietwagenrundreise-zypern.html . Auf jeden Fall sieht es so aus, als sollte man mal dort gewesen sein!