Dienstag, 11. Januar 2011

Musikalische Pflanzenwelt

Pflanzen schweigen. Sie wachsen in Stille. Kein Leben ist geräuschloser als das ihre. So jedenfalls empfinden wir es. Doch inzwischen weiß man, dass die Flora eine Welt voller Klänge ist, die wir mit unseren unvollkommenen Hörorganen lediglich nicht wahrnehmen können.
In Israel, England und den USA hat man den Klang einer Rose in dem Augenblick, in dem aus der Knospe die Blüte bricht, mit den Mitteln der modernen fotoakustischen Spektroskopie hörbar gemacht: ein orgelartiges Dröhnen, das an die Klänge einer Toccata von Bach oder an die der „Ascension“ von Messiaen erinnert - an genau das also, was man in der abendländischen Orgelmusik als eine aufbrechende Folge von Akkorden empfände.
Dr. David Cahen am Weizmann Institute of Science in Rehowot/Israel und Dr. Gordon Kirkbright am Imperial College, London, haben die Möglichkeiten fotoakustischer Spektroskopie besonders sorgfältig erforscht und angewandt. Sie nennen das „Listening to Cells“ - ein Hören auf die Zellen. Durch ihre Forschungen weiß man, dass auch ein Halm - zum Beispiel ein einfacher Getreidehalm auf dem Acker - einen Klang hat. Man muss sich das mal vorstellen: Viele solcher Halme nebeneinander wachsend - jeder mit seinem eigenen Sound. Es ist eine Sinfonie von Klängen, die da wogt. Gewiss, keines Menschen Ohr kann sie hören, und doch gäbe es diese Sinfonie nicht, wenn nicht irgendein Sensorium vorhanden wäre, das sie wahrnähme. Versuche doch, wenn du das nächste Mal vor einer Wiese stehst, dieses Sensorium in dir zu erwecken. Sehe die Tausende von Halmen, Blumen und Gräsern, die da wachsen, und stelle dir vor: Jede dieser Pflanzen hat ihren eigenen Klang. Während sie wächst - und sie wächst in jeder Minute und in jeder Sekunde -, verändert sich dieser Klang. Es ist der Gesang des Lebens schlechthin. Ein ungeheuerer Chor. Millionen, Milliarden von Klängen, die in einer alles menschliche Vorstellungsvermögen überschreitenden Harmonie, in einer gewaltigen Polyphonie miteinander verschmelzen.
Aber auch das haben neuere Forschungen ergeben: Pflanzen auf einer Wiese, auf einem Feld oder im Wald verkümmern, wenn sich ihre Schwingungen, also ihre Klänge, disharmonisch zu den in ihrer Nachbarschaft wachsenden Pflanzen verhalten. Gartenfreunde wissen seit je: Bestimmte Pflanzen gedeihen nicht unmittelbar nebeneinander - selbst dann nicht, wenn sie grundsätzlich die gleichen Boden- und Klimaverhältnisse bevorzugen. Inzwischen wissen wir den Grund. Sie vertragen sich nicht, weil sich ihre Schwingungen nicht vertragen, ihre Sounds nicht zusammenpassen, ihre Klänge disharmonisch zueinander stehen, harmonikal ausgedrückt: nicht niedrigen ganzen Zahlen entsprechen.Besonders aufsehenerregend waren diesbezügliche Forschungen in der ehemaligen Sowjetunion. Die Prawda, offizielles kommunistisches Parteiorgan, schrieb im Oktober 1970: „Pflanzen sprechen ... ja, sie schreien. Es sieht nur so aus, als ob sie sich geduldig in ihr Schicksal fügten und stillschweigend alle Pein erdulden. Der Prawda-Reporter Tschwertkow berichtete ausführlich, wie er Zeuge dieser außerordentlichen Vorgänge wurde, als er in Moskau das Laboratorium für künstliches Klima an der bekannten Timirjasew-Hochschule für Agrikultur besuchte. Er schrieb: Vor meinen Augen schrie ein Gerstensprössling buchstäblich auf, als man seine Wurzeln in kochendes Wasser tauchte.“
Sowjetische Wissenschaftler haben einen Film unter dem Titel „Sind Pflanzen empfindungsfähig?“ gedreht. Der amerikanische Arzt William McGarney, der diesen Film gesehen hat, berichtet: „Zeitrafferaufnahmen ließen das Wachsen der Pflanzen wie einen Tanz erscheinen. Blumen öffneten und schlossen sich, als seien sie Wesen, die in einer anderen Zeitdimension lebten.“
In der westlichen Welt ist die Empfindungsfähigkeit der Pflanzen als „Backster-Effekt“ bekannt geworden - nach dem amerikanischen Wissenschaftler Cleve Backster, einem international anerkannten Experten für Lügendetektoren. Als Backster zur Abwechslung einmal nicht Menschen, sondern die in seinem Arbeitsraum wachsenden Zimmerpflanzen an seine Detektoren - sogenannte Polygraphen - anschloss und untersuchte, wie Pflanzen reagieren, wenn man ihre Blätter oder Blüten mit einer Kerze anbrennt, stellte er fest, dass die Messapparate bereits in dem Augenblick aufs stärkste ausschlugen, als er nur den Gedanken hatte, eine Pflanze anzusengen. Pflanzen verstehen also Gedanken. In weiteren Versuchen konnte Backster erhärten, dass Topfpflanzen die Gedanken von Menschen, die sie „kennen“ (weil die betreffende Personen sich oft im gleichen Zimmer aufhalten), noch auf Tausende von Kilometern empfangen und darauf reagieren können.
Es ist danach nicht verwunderlich, dass Pflanzen auch Musik „hören“ und verschiedene Arten von Musik durchaus voneinander unterscheiden können. Der indische Botaniker Dr. T.C. Singh ließ der asiatischen Mimosenart „Hydrilla virticillata“ täglich mehrere Stunden lang Ragas - also indische Musik - vorspielen. Die amerikanischen Autoren Peter Tompkins und Christopher Bird berichten in ihrem Buch „Das geheime Leben der Pflanzen“: „Nach vierzehn Tagen entdeckte Singh, dass die Anzahl der Spaltöffnungen pro Flächeneinheit bei den Versuchspflanzen um sechsundsechzig Prozent höher lag, die Epidermiswände dicker und die Palisadenzellen bis fünfzig Prozent länger und breiter waren als bei den Kontrollpflanzen, die keiner Musik ausgesetzt waren.
Durch diese Erfolge zu weiteren Experimenten ermutigt, ließ Singh einen Lehrer der Annamalai-Musik-Schule, Gouri Kumari, bestimmten Balsampflanzen einen Raga vorspielen, der als „Kara-hara-priya“ bekannt ist. Kumari, ein virtuoser Musiker, improvisierte jeden Tag fünfundzwanzig Minuten auf einem lautenähnlichen Instrument, der Veena. Im Laufe der fünften Woche überholten die Versuchspflanzen allmählich ihre Artgenossen, denen keine Musik vorgespielt wurde. Nach einigen Monaten hatten jene durchschnittlich zweiundsiebzig Prozent mehr Blätter entwickelt, die zwanzig Prozent höher gewachsen waren als die Kontrollpflanzen.“ Dass die Kraft von Klängen gegebenenfalls auch vernichtende Wirkung haben kann, stellte die amerikanische Biologin Dorothy Retallack fest. Sie spielte einer Anzahl von Philodendren, Mais, Radieschen und Geranien jeden Tag acht Stunden unablässig den Ton F vor - und einer genau gleichen Gruppe von Pflanzen diesen gleichen Ton F jeweils drei Stunden lang, aber von längeren Unterbrechungen gefolgt. In dem ersten Gewächshaus waren sämtliche Pflanzen nach zwei Wochen tot. Im zweiten - so berichten Tompkins und Bird - waren sie gesünder als die Kontrollpflanzen, die überhaupt keinen Tönen ausgesetzt worden waren.
An demselben biologischen Institut im amerikanischen Bundesstaat Colorado, an dem Mrs. Retallack arbeitet, ließen junge Biologen in zwei verschiedene Gewächshäuser, in denen Kürbisse gezogen wurden, die Musik zweier Radiosender aus Denver übertragen; der eine war eine sogenannte „Rockstation“, der andere war auf klassische Musik spezialisiert. Bird und Tompkins berichten: „Die Kürbisse zeigten sich keineswegs gleichgültig: Die Pflanzen, die Musik von Haydn, Beethoven, Brahms, Schubert und anderen Komponisten aus dem Europa des 18. und 19. Jahrhunderts ausgesetzt waren, wuchsen dem Transistorradio entgegen. Eine Pflanze schlang sich sogar liebevoll um den Apparat. Die „Rock-Kürbispflanzen“ dagegen mieden den Lautsprecher in auffälliger Weise. Sie bogen sich von ihm fort und wollten lieber an den glatten, keinerlei Halt bietenden Wänden ihres Glaskäfigs emporranken, wenn diese Wände nur weit genug von der Musik entfernt waren, als den Halt bietenden Lautsprecher und seine Kabel und Befestigungen zu benutzen.“
Noch überzeugender geriet ein Experiment, das Mrs. Retallack selbst ausführte. Sie pflanzte drei Gruppen von Gewächsen an - die gleiche Art, auf den gleichen Böden, unter den gleichen Temperaturen, mit der gleichen Bewässerung. Der ersten spielte sie Musik von Bach vor, der zweiten Sitar-Musik, gespielt von Ravi Shankar, dem großen Meister der klassischen indischen Musik, der dritten überhaupt keine Musik. Bird und Tompkins: „Die Pflanzen zeigten deutlich, dass sie Bach mochten, indem sie sich um bisher noch nie dagewesene fünfunddreißg Grad den Präludien entgegen neigten. Aber selbst diese starke Zu-Neigung wurde noch bei weitem von der Reaktion auf Ravi Shankar übertroffen: Die Pflanzen legten sich in ihrem Bestreben, die Quelle der indischen Musik zu erreichen, fast in die Horizontale - mit extremen Winkeln von bis zu sechzig Grad -, und wieder umarmte die dem Lautsprecher am nächsten wachsende Pflanze beinahe den Apparat.
Mrs. Retallack experimentierte auch mit verschiedenen anderen Musikarten. Bei Folk- und Country-Musik verhielten sich die Pflanzen wie in der Kontrollkammer ohne Musik. Bei Jazz von Duke Ellington und Louis Armstrong neigten sich mehr als die Hälfte der Pflanzen fünfzehn bis zwanzig Grad dem Lautsprecher zu, und ihr Wachstum war üppiger als das der Kontrollpflanzen.“Die harmonikale Forschung weiß: Jede organische Form - eines Fisches, einer Blume, eines Blattes, einer Frucht, eines Käfers, überhaupt jedes Lebewesens -, ja auch die schönsten Formen der anorganischen Welt, etwa die der Kristalle, sind Klang, das heißt in ihrem Aufbau kommen vorzugsweise solche Zahlen vor, aus denen Konsonanzen gebildet werden können. „Oder anders formuliert: die harmonikale Forschung weist nach, dass in der Natur solche Quantitäten eine große Rolle spielen, die im Menschen in Qualitäten umgewandelt werden können...“ (R. Haase). Hans Kayser hat die „Entsprechungen von Blattspektren und Tonspektren“ bis in Einzelheiten hinein aufgezeigt: „Zeichnet man sämtliche Töne innerhalb einer Oktave - das ist übrigens dieselbe Oktavoperation, die Johannes Kepler in seiner berühmten „De Harmonice Mundi“ anwandte - mit ihren Winkeln graphisch auf, so erhält man die Form eines Urblattes. Was ja nichts anderes heißt, als dass das Rahmenintervall der Oktave, also die Möglichkeit des Musizierens und Musikempfindens schlechthin, die Form des Blattes in sich birgt. Man bedenke, was es heißt, wenn eine Pflanze innerhalb einer Blüte eine exakte Drei- und gleichzeitig eine Fünfteilung durchführt. Wenn man nicht einen logisch rechnenden Verstand annehmen will, so wird man sich wohl damit abfinden müssen, dass in der Pflanzenseele bestimmte gestaltträchtige Prototypen - und zwar hier eine Terz- und dort eine Quintform - am Werke sind, die - wie in der Musik - als Intervalle die Blütenform gestalten.“
In seiner „Harmonia Plantarum“ gibt Kayser eine Tabelle wieder, aus der hervorgeht, dass praktisch alle Pflanzen, die er und andere Wissenschaftler untersuchen konnten, harmonikale Gestalten und Proportionen besitzen - in Kelch, Blattkrone, Staubgefäßen, Fruchtknoten, Frucht, Stängel und Blattstellung. Die Tabelle enthält so verschiedene Pflanzen wie Rosskastanie, Milchstern, Esche, Kürbis, Rose, Pfaffenhütchen, Taubnessel, Baldrian, Wegerich, Waldmeister, Berberitze, Wiesensalbei, Brombeere, Linde und Mauerpfeffer.
(Quellen: Peter Tompkins, Christopher Bird: „Das geheime Leben der Pflanzen“; Hans Cousto: „Die kosmische Oktave“; Prof. Dr. Rudolf Haase: „Der messbare Einklang“, „Kosmos, Mensch, Musik“, „Grenzgebiete der Wissenschaft“; Joachim-Ernst Berendt: „Nada Brahma“; David Cahen, Dr. Gordon Kirkbright: „Listening to Life“; Hans Kayser: „Harmonia Plantarum“)

Kommentare:

Kathrin hat gesagt…

Wieder ein sehr interessanter Artikel von Dir. Meine Zimmerpflanzen dürften mich dann nicht unbedingt mögen, so wie sie zur Zeit aussehen :)

lg kathrin

Şükrü Yılmaz hat gesagt…

Günaydın Hayırlı Günler Sağlıklı Neşeli ve Güzel Bir Gün Geçirmenizi Dilerim,Sevgi ve Saygımla Kalınız. http://sukruyilmaz.net/img/gunaydin7.gif

Şükrü Yılmaz
Antakya-HATAY

http://www.sukruyilmaz.net
http://www.sukruyilmaz.com
http://www.facebook.com/sukruyilmaz.net

GÜNAYDIN

Gün geceye dönse de,
Aydınlık var ardında.
Her gün yeniden doğar,
Yep yeni "Günaydın!."la...

Selim Engin Tunç
http://www.siirderyasi.com/siir-Gunaydin-34-31083.html

Jörg Köln hat gesagt…

Finde sowas schon lustig. Das man sich mit sowas beschäftigt.
Habe gestern mal bei meinem Kaktus gehorcht, aber nach musik klang das nicht =)

Sanspareil hat gesagt…

Dass Pflanzen Musik mögen, wussten wir ja schon, dass sie Gedanken lesen können, habe ich auch selbst beobachtet. Gedanken sind Schwingungen und jeder Gedanke bewirkt etwas, aber dass meine Pflanzen mich 1000 Kilometer weit entfernt noch wahrnehmen ist enorm.

Toller Artikel!

LG Sanspareil

Jörg Köln hat gesagt…

Wollte heute meine Mittagspause zum Lesen eines neuen Beitrags nutzen, aber leider nix neues...warte sehnsüchtig=)

Fipse hat gesagt…

tja, da sieht man es wieder, das gibt dem ausspruch "das gras wachsen hören" dann schon doch einen sinn!!

danke für den tollen beitrag lieber nervenruh....