Dienstag, 9. November 2010

Colosseum live im Spectrum

Dave Greenslade hat mittlerweile weiße Haare und sitzt ein bisschen krumm an seiner Hammond-Orgel. Er spielt sehr schön im Spektrum zwischen Ray Charles und Johann Sebastian Bach. Jon Hiseman ist hinter Unmengen von Becken und Trommeln versteckt. Er trommelt leichtgelenkig mit schwarzen Handschuhen. Gelegentlich kommt er aus seinem Versteck hervor, stellt sich mit Mikrofon daneben und gibt den ernsten Conferencier: Colosseum werden jetzt zwei Songs von ihren Lieblingskomponisten spielen - Jack Bruce und Pete Brown. Für den Saxofonisten Dick-Heckstall Smith, der im Dezember 2004 an Krebs starb, spielt nun die seit 2001 an Parkinson erkrankte Barbara Thompson, Hisemans Ehefrau. Sie hat einen völlig anderen Ton als Heckstall-Smith, fügt sich aber nahtlos in das dichte Klangbild dieses Gemischs aus Jazz, Blues, Rock, Soul und klassischer Musik. Einen großen Moment hat sie in der „Valentyne Suite“, einer Instrumentalkomposition in drei Sätzen, mit einem fast barocken Tenorsaxofon-Solo. Dave Clempson ist immer noch ein exquisiter Gitarrist. Er versteht es, seine Soli so melodisch, rhythmisch und dynamisch aufzubauen, dass sie trotz ihrer Länge nie langweilig werden. Ab und zu gönnt er sich das kleine Vergnügen, seine ausgiebigen Ausflüge über Saiten und Griffbrett mit ein paar hübschen Zitaten aus der Rock- und Blues-Historie zu garnieren. Wer aufmerksam zuhört, hat den Spaß an Entdeckungen wie einem Stückchen „Eleonore Rigby“ von den Beatles oder einem Fetzen „Spoonful“. Mark Clarke ist immer noch ein vorzüglicher Bassist. Tänzelnd, hüpfend mit synkopisch rhythmisierten Melodien wirkt sein Elektrobass wie ein vollwertiges Solo-Instrument. Chris Farlowe hat inzwischen auch weiße Haare und eine dickrandige schwarze Brille. Der massige weiße Sänger in einem zeltartigen Hemd singt mit schwarzer Blues-Stimme, die eigentlich besser klingt als früher, weil er die alten Manierismen abgelegt hat und nicht mehr so operettenhaft tremolierend knödelt. Er ist ein erstklassiger Soul-Sänger mit weitem Spektrum: von warmen Tieftönen zu hohem entenhaften Geschnatter bis hin zu gurgelndem Scatgesang. An einigen stellen jedoch muss er seinem Alter Tribut zollen, erreicht nicht die ganz hohen Töne oder schnappt nach Luft, was er aber mit Humor nimmt.
Nach einem ausgedehnten Schlagzeug-Solo und dem unvermeidlichen „Lost Angeles“ beendet die Band mit einem furiosen Finale das Konzert nach knapp zwei Stunden.

1 Kommentar:

djendral berbagi hat gesagt…

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