Donnerstag, 16. September 2010

Steinklang im Römischen Museum

Die von 1513 bis 1515 erbaute Kirche Sankt Magdalena befindet sich in der Dominikanergasse 15 in Augsburg. Sie wurde im 18. Jahrhundert unter Beteiligung führender Wessobrunner Stukkatoren barock umgestaltet. Aufgrund des Reichsdeputationshauptschlusses am Anfang des 19. Jahrhunderts wurde die ehemals reiche Ausstattung verteilt oder verkauft, darunter die von Gregor Erhart geschaffene Skulptur der Maria Magdalena, „die schöne Deutsche“, die heute im Louvre von Paris steht. Ab 1913 ermöglichte ein Textilfabrikant die im Jahr darauf abgeschlossene Renovierung des Gebäudes, das wie durch ein Wunder die Bombennacht 1944 unbeschädigt überstand. Seit 1966 befindet sich dort das Römische Museum, das die früheste Geschichte Augsburgs und seiner näheren Umgebung dokumentiert.
Zu sehen sind Werkzeuge aus der Steinzeit, bronzenes Geschirr, 3000 Jahre alte, goldene Becher sowie etliche Hinterlassenschaften der Römer. Münzen, Keramik- und Glasgefäße, Götterstatuen, ja sogar einen vergoldeten Pferdekopf haben unsere ehemaligen Besatzer hier liegen lassen. Außerdem verdanken wir ihnen die bedeutendste Sammlung antiker Steindenkmäler Süddeutschlands, die unter Anderem aus Zirbelnüssen, Säulen, Altären oder Grabsteinen besteht. Die Exponate sind verständlich beschrieben. Einiges wird durch Modelle oder Zeichnungen ergänzt. Zusätzlich zeigen Gegenstände aus dem Alltag der damaligen Epoche die Übergangszeit von der Spätantike zum frühen Mittelalter.
Montags ist das Museum geschlossen. Ansonsten präsentieren täglich um 16 Uhr Studenten des Leopold-Mozart-Zentrums ein Trio für Gramorimba, Steinharfe und Steingong von Wolfgang Lackerschmid. Ungehörte Klänge, neue Instrumente und deren Spielweise entstehen heutzutage fast ausschließlich im Bereich der elektronischen und medialen Entwicklung. Der in Kissing lebende Komponist jedoch betritt mit „Steinklang (einer 2000-jährigen Stadt)“ Neuland. Rhythmen, archaische Klänge, Klangbilder, aber auch die außergewöhnliche Akustik der ehemaligen Dominikanerkirche sorgen vollkommen ohne Strom für einen ganz besonderen Hörgenuss. Das knapp dreißigminütige Spektakel findet weiterhin bis zum 24. September statt. Danach wird es im Römischen Museum wieder ruhig.
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Kommentare:

Gabi.G. hat gesagt…

Na das hört sich doch spannend an. Von diesem Museum hatte ich auch noch gar nichts gehört.
Aber leider ist es eindeutig zu weit von uns weg um mal eben hinzufahren.
Schade!

gangsta hat gesagt…

Und ob du es glaubst oder nicht,da war ich auch schon mal in den 80ern.
Das ist ein Museum, das auch Nicht-Museumsgängern viel Freude bereitet.

merci hat gesagt…

Ich danke für die sehr gute Beschreibung und kann es mir auch vorstellen. Ich wollte immer schon mal nach Augsburg habe es aber leider nie geschafft. Etwas Wehmut hatte ich immer wenn ich an Augsburg vorbei gefahren bin.

Joey hat gesagt…

Das ist genau u.a. was mich interessiert! Wiedermal ein Volltreffer! Hochinteressant aus meiner Sicht! Ich möchte noch hinzufügen das ich schon mehrmals in Augsburg war und vor allem der prachtvolle, tausende Jahre alte Dom hat mich sehr inspirierte! Eine tolle Stadt! Rom lässt grüßen ;-) Vielen Dank!