Mittwoch, 31. März 2010

Deuringen im März 1933

Bei der Reichstagswahl 1932 wählten 52,6 Prozent der damals 430 Einwohner Deuringens die KPD. Damit erzielten die Kommunisten in dem typischen Arbeitnehmerdorf eines der höchsten Ergebnisse in Bayern. Doch nach dem Ausgang der Wahlen vom 5. März 1933 fühlten sich die Nazis gestärkt und gingen sofort daran, die gegnerischen politischen Kräfte auszuschalten. So auch in Deuringen.
Acht Männer, deren Verbrechen darin bestand, der NSDAP nicht freundlich genug gesinnt gewesen zu sein, wurden wenige Tage nach der Wahl festgenommen. Nach sechs Wochen Haft in der Strafanstalt Katzenstadel in Augsburg und weiteren vier Wochen in der Strafanstalt Eichstätt landeten sie im berüchtigten KZ Dachau.
Doch damit nicht genug. In der Nacht vom 19. auf den 20. März 1933 besetzte eine SA-Einheit den ganzen Ort. Die Bürger wurden aus den Betten geholt oder am frühen Morgen auf dem Weg zur Arbeit abgepasst. Razzien wurden durchgeführt. Bei dieser Nacht- und Nebelaktion wurden 35 Männer in ein Nebenzimmer des Deuringer Hofes verschleppt, von dem aus sie direkt in eine Strafanstalt abtransportiert wurden. Dabei waren nicht nur Mitglieder demokratisch gewählter Parteien, sondern auch solche, die überhaupt keiner politischen Gruppierung angehörten. Die meisten Festgenommenen landeten über kurz oder lang in der Strafanstalt Eichstätt, einige jedoch ebenfalls im Konzentrationslager Dachau. Die Hoffungen auf eine Amnestie erfüllten sich nicht.
Etwa zwei Jahre später wurden 120 der 182 Hektar Gemeindefläche vom Nazi-Regime für einen Truppenübungsplatz der Garnison Augsburg einverleibt. Lange Zeit gab es keinen öffentlich-rechtlichen Weg, der die Ortschaft mit der Außenwelt verbunden hätte. Für die Machthaber des Dritten Reiches war es beschlossene Sache, dass Deuringen nun als Insel mitten im militärischen Übungsgelände stört und deshalb verschwinden muss. Heimlich und auf Schleichwegen durch den Wald durchbrachen mutige Bürger die Isolation.
Zu guter Letzt hat das Ende des Dritten Reiches Deuringen vor seiner Auslöschung bewahrt.

Kommentare:

Krautl hat gesagt…

Wow, Nervenruh, harter Tobak, was Du da ansprichst. Es berührt mich immer zutiefst, wenn ich sowas lese. Was Menschen ihren "Artgenossen" antun können, ist unglaublich...*grusel*.
Ich bin froh, dass ich bisher noch keinen Krieg mitmachen musste und bin traurig für all die Menschen, die einen durchstehen mussten!
Danke für den Beitrag :-)
Liebe Grüße...

merci hat gesagt…

Zu dieser Zeit gab es sehr viele grausame Taten. Ich habe meiner Oma immer fasziniert zugehört wenn sie davon erzählte. Sie hatten kein leichtes Leben und darum wünsche ich mir, dass es nirgendwo mehr Krieg gibt. Das ist grausam und viele Menschen sterben dabei. Seit deutsche Soldaten wieder im Krieg sind, habe ich Angst! Sie führen diesen Krieg im Namen des deutschen Volkes! Nicht in meinem Namen, ich distanziere mich energisch davon!