Samstag, 5. Dezember 2009

Große Kunst

Der junge ungarische Chemiestudent Alexander Kasser aus Budapest sah 1929 in Paris die Skulptur „Das ewige Idol“ von Auguste Rodin. Er war fasziniert von diesem Kunstwerk und wollte es unbedingt besitzen. Zwar erwarb er erst mehr als vierzig Jahre später einen Abguss der Bronzestatue, doch seine Sammlerleidenschaft war mit diesem Erlebnis erwacht. Im zweiten Weltkrieg halfen Alexander Kasser und seine Ehefrau, die Kunsthistorikerin Elisabeth Kasser, dem schwedischen Diplomaten Raoul Wallenberg, ungarische Juden vor dem Holocaust zu retten, 1945 emigrierten sie mit ihren Kindern in die USA. Da Kassers Frau das Interesse und die Leidenschaft ihres Mannes teilte, kam es, dass im Laufe der Zeit eine sehr persönliche Kunstkollektion, die hauptsächlich Gemälde und Plastiken des 19. und 20. Jahrhunderts umfasst, entstand. Das Ehepaar legte dabei immer viel Wert darauf, die Künstler nach Möglichkeit persönlich kennen zu lernen. 1965 bat der leidenschaftliche Sammler seine Tochter Mary V. Mochary, die Kasser-Stiftung aufzubauen, aus der später die Kasser Art Foundation entstand. Alexander Kasser starb 1997, seine Frau Elisabeth im Jahr 2002. Sohn Michael Kasser und Tochter Mary V. Mochary, die die Foundation leitet, erweitern ständig den Bestand. Während Michael sich auf präkolumbianische Werke spezialisiert hat, kauft Mary klassische Moderne und junge südamerikanische Kunst. Die Sammlung umfasst mittlerweile über 500 Exponate.
Seit dem 25. Juli werden im Schaezlerpalais in Augsburg Kunstwerke aus der Kasser Art Foundation ausgestellt. Es handelt sich um Werke von Künstlern auf der Suche nach irdischen Paradiesen, die meist in der Zeit zwischen 1850 und 1950 entstanden sind. Gut 100 Ausstellungsstücke namhafter Maler und Bildhauer, darunter Berühmtheiten wie zum Beispiel Marc Chagall, Claude Monet, Henri Matisse, Paul Cèzanne, Edgar Degas, Pablo Picasso, Jaques Lipchitz, Pierre-Auguste Renoir, Hans Arp oder Marino Marini sind vertreten. Dabei ist auch die Bronze „Das ewige Idol“ von Auguste Rodin, mit der alles begann. Der Laie staunt und der Fachmann wundert sich: Solch große Kunst hätte man in Augsburg nicht erwartet. Die Ausstellung, die eigentlich am 22. November hätte enden sollen, wurde wegen des hohen Zuspruchs bis zum 31. Dezember verlängert. Danach wird die Schau vom Ungarischen Nationalmuseum in Budapest, der Heimatstadt Alexander Kassers, übernommen.
Auch wenn im neuen Jahr die „irdischen Paradiese“ aus dem Schaezlerpalais verschwunden sein werden, lohnt sich ein Besuch dieses denkmalgeschützten Gebäudes am Herkulesbrunnen in der Maximilianstraße. Der zwischen 1765 und 1770 erbaute Rokokobau, seit 1958 im Besitz der Stadt Augsburg, wurde von 2004 bis 2006 aufwendig renoviert. Augenweiden sind der Arkaden-Innenhof, der Garten und vor allem der prunkvolle Festsaal. Außerdem ist in dem Haus die Haberstock-Stiftung mit Gemälden von bedeutenden Künstlern des Barock untergebracht. Ab Januar wird sich im Erdgeschoss die erste Deutsche Barockgalerie, die süddeutsche Malerei des 17. und 18. Jahrhunderts präsentiert und vorübergehend den „irdischen Paradiesen“ weichen musste, wieder finden. Außerdem ist über das Schaezlerpalais die Staatsgalerie Altdeutsche Meister zugänglich. Dort können fast 100 Werke aus der Blütezeit Augsburgs um 1500 besichtigt werden, darunter Bilder von Hans Holbein d.Ä., Hans Burgkmair, Lucas Cranach d.Ä. sowie das bekannte Fugger-Portrait von Albrecht Dürer.

1 Kommentar:

merci hat gesagt…

Boah, was hat Augsburg nicht alles zu bieten! Zu meiner Schande muß ich gestehen, es nie geschafft zu haben nach Augsburg zu kommen. Obwohl ich schon in jungen Jahren eigentlich immer einmal nach Augsburg, der Fuggerstadt wollte. Mich hat das schon im Geschichtsunterricht fasziniert aber leider bin ich immer daran vorbei gefahren, Richtung Münschen. Einmal habe ich alles versucht ein Wochenende in Augsburg zu buchen, allerdings scheiterte es daran, dass alles ausgebucht war. Da war wohl irgendein Fest und ich mußte und konnte nur zu diesem Termin unseren Kegelausflug buchen. Aus Augsburg wurde dann Hamburg, was ja auch nicht so schlecht ist. Trotzdem, Augsburg reizt mich immer noch.