Sonntag, 8. November 2009

Zupfinstrumentenbaumeister Wolfgang Teller

1985, also vor fast einem Vierteljahrhundert, erstand Nervenruh eine originale, handgearbeitete Gitarre aus der Werkstatt von Wolfgang Teller. Der Boden und die Zargen sind aus Ahorn, die Decke aus Fichte und der Hals aus Mahagoni. Das Instrument ist zwar leicht höhenlastig, was aber durch die Auswahl der richtigen Saiten halbwegs korrigiert werden kann. Die Gitarre kostete seinerzeit in einer Münchener Musikalienhandlung etwa 650 Deutsche Mark. In dieser Preisklasse war damals genauso wie heute kein vollkommen ausgewogenes Instrument erhältlich.
Wolfgang Teller ist einer der Söhne des Zupfinstrumentenbaumeisters Horst Teller. Er erlernte sein Handwerk im väterlichen Betrieb. Seine Meisterprüfung bestand er 1982 mit Erfolg. 1989 wurde sein Können mit dem Bayerischen Staatspreis ausgezeichnet. Auf der Handwerksmesse in München erhielt er die Goldmedaille. Wolfgang Teller baut Gitarren und setzt somit die Tradition seines Großvaters Oskar fort.
Oskar Teller, geboren am 23. Oktober 1902, war der Spross einer egerländischen Geigenbauerfamilie. Doch anders als seine sieben Brüder verschrieb er sich nicht dem Geigen-, sondern dem Gitarrenbau. Dieses Handwerk erlernte er beim Gitarrenbaumeister Ignaz Mettal. 1929 wurde die Firma Teller in Schönbach im Sudetenland gegründet, 1939 das Schaffen durch Krieg und Vertreibung abrupt unterbrochen. Erst 1949 war ein neues Geschäft in Ohlstadt bei Garmisch-Partenkirchen aufgebaut, das 1955 nach Bubenreuth verlegt wurde. Oskar Teller starb 1961 und sein Sohn Horst, der Vater Wolfgang Tellers, übernahm den Betrieb. Ab 1980 wurden auch Zithern und Hackbretter gebaut und die Firma expandierte zu einem weltweit exportierenden Unternehmen. Wolfgang Tellers Bruder Harald blieb in Bubenreuth, wo er heute noch Zithern und Hackbretter herstellt. Mit dem Musikpädagogen Martin Kern entwickelte er ein Klangbrett, das 2003 beim Patentamt eingetragen wurde.
Wolfgang Teller selbst machte sich in Großenbuch, einem Ortsteil von Neunkirchen am Brand, selbständig. Dort stellt er Konzert- und Meistergitarren, Kinder- und Bassgitarren sowie Oktav- und Terzgitarren, aber auch Zithern her. Ebenso interessant wie lehrreich sind die Kurse, die Wolfgang Teller anbietet und durchführt. Erst gestern endete in der Casa Campanella der vierte Instrumentenbaukurs auf der Insel Elba.

1 Kommentar:

merci hat gesagt…

Sehr interessant! Ich mag Gitarre, Geige und auch Zither. Leider bin ich nicht in der Lage diese Instrumente zu beherrschen aber ich höre sie wahnsinnig gerne. Danke für diese Information.