Montag, 29. Juni 2009

Körperwelten

Seine Werke sind nicht unumstritten und werden heftig diskutiert. Gunther von Hagens ist bekannt. Unter dem Begriff „Herzenssache“ gastiert zur Zeit eine Ausstellung mit einigen Plastinaten in der Schwabenhalle Augsburg. Nervenruh warf einen Blick hinein.
Das Schockerlebnis blieb aus. Selbst die zerfleddertsten Leichen sehen weder furchterregend noch ekelhaft aus. So auch das Plastinat eines Läufers in Bewegung. Gehäutet und mit aufgeklappten Muskeln ist es nicht nur lehhrreich, sondern verkörpert auch einen ästhetischen Ausdruck von Dynamik. Beeindruckend sind die Darstellungen der Blutgefäße. Nervenruh sah Schlagadern so dick wie Gartenschläuche, aber auch feinste Gespinste und Verästelungen. Wie in einem eigenen Universum sind sie an einigen Stellen dicht geballt, an anderen in die Länge gezogen. Man möchte kaum glauben, was alles in uns steckt. Einige kaputte Lebern sowie die obligatorische Raucherlunge durften bei dieser Gelegenheit nicht fehlen. Etwas eigenartig empfand Nervenruh die Ganzkörperplastinate mit lustigen Hüten oder anderen in diesem Zusammenhang fremd wirkenden Gegenständen sowie ein zum Schaukelpferd umfunktioniertes Fohlen. Hier verschwimmen zwar die Grenzen zwischen Anatomie und Kunst, zwischen Authensität und Dekoration, doch der Respekt vor dem Leben und dem Wunder der Natur wird niemals in Frage gestellt.
Nervenruh staunt.

Kommentare:

wftrader hat gesagt…

Respekt>>>Eine gelungene Aussage, knapp und treffend formuliert, über die Ausstellung von Gunther von Hagens Körperwelten.

merci hat gesagt…

Ich verfolge das ja nun schon seit Jahren aber ich konnte mich bisher nicht aufraffen das anzuschauen. Und jetzt, hier am Ende der Welt, werde ich wohl kaum noch Gelegenheit dazu haben. Egal, überzeugt bin ich immer noch nicht. Aber vielen Dank für die einfühlsame Beschreibung.