Sonntag, 8. Februar 2009

Palästina-Blues

Die Sängerin Reem Kelani wurde 1964 in Manchester geboren und wuchs in Kuwait auf. Ihre Mutter stammte aus Nazareth. Ihr Vater, ein Palästinenser aus Jenin, kam aus einer angesehenen Sufi-Familie, hatte in England Medizin studiert und konnte es sich leisten, seine Kinder auf internationale Schulen zu schicken. Das Nebeneinander von europäischer und arabischer Kultur war Alltag. Reem Kelani lernte bei einer holländischen Lehrerin Klavier, rezitierte den Koran und sang Standards von Gershwin. Doch trotz aller Weltläufigkeit pflegten die Kelanis auch ihre bäuerlichen palästinensischen Traditionen einschließlich des konservativen Frauenbildes. „Meine Mutter legte Kugeln aus getrocknetem Joghurt in Olivenöl ein oder füllte Weinblätter mit Reis und sang dabei die alten Hochzeitslieder. Mein Vater erzählte währenddessen Geschichten über die Vertreibung der Palästinenser 1948“, erinnert sie sich. „Zu mir sagte er immer, ich sei kein richtiges Mädchen, sondern wie ein Mann ohne Schnurrbart. Mir wäre es lieber gewesen, er hätte mich eine starke Frau genannt.“ An dem Entschluss, Sängerin zu werden, knabbert Reem immer noch, denn als Palästinenserin ist für sie die Familie sehr wichtig. Ihre Eltern haben jahrelang nicht mit ihr gesprochen und einer ihrer Brüder hat sie sehr getadelt, als sie 1991 ihre Doktorarbeit in Meeresküstenbiologie endgültig hinschmiss. „Gute Sängerinnen werden in der arabischen Welt zwar glühend verehrt, aber es ist besser, wenn es die Tochter des Nachbarn ist, und nicht die eigene. Wenn eine erwachsene Frau auf Arabisch singt, dann ist das viel sinnlicher als in der europäischen Musik. Der arabische Gesang benutzt wenige Resonanzen, man singt direkt aus dem Körper. Es ist, als ob man sein Innerstes nach außen kehrt. Das wirkt auf das arabische Publikum sehr sexy, und eine Frau, die sich öffentlich derart präsentiert, wird kaum noch einen Mann zum Heiraten finden. Das kann eine palästinensische Familie schwer akzeptieren.“
Ihr Debutalbum „Sprinting Gazelle“ ist nicht leicht zu beschreiben. Es beinhaltet tief aus der Seele gesungene traditionelle palästinensische Lieder, die an Blues, den Cante Jondo der andalusischen Gitanos und Jazz erinnern. Mit ihrer facettenreichen, dynamischen Stimme erzeugt Reem Kelani Gänsehaut.

1 Kommentar:

wftrader hat gesagt…

Das mit der Gänsehaut stimmt. Ein schönes, melancholisches Lied, dass emotional sehr anspruchsvoll ist.