Montag, 16. Februar 2009

Rückblick

Ein ereignisreiches Gartenjahr
Bevor die neue Gartensaison beginnt, lasse ich das vergangene Jahr noch einmal Revue passieren.
Januar: Anfangs des Jahres war es sehr kalt und trocken. Die Beete befanden sich in einem guten Zustand. Den kranken Apfelbaum hatte ich im Herbst abgesägt. Der etwa einen Meter hohe Stumpf ragte aus der gefrorenen Erde. Die Musa Basjoo, die in ihrem Topf im leicht beheizten Gewächshaus überwinterte, machte keinen guten Eindruck. Nachts gab es Temperaturen um -10°.
Danach folgte eine wärmere Phase. Sofort spitzelten Narzissentriebe einen Finger breit über die Grasnarbe und Leben schoß in den Waldmeister. Felix wurde übermütig. Wunderbar spiegelten die schwarzen Ligusterbeeren im Sonnenlicht. Die ersten Primeln sahen zerzaust und verrupft aus, der Thymian richtig gesund. Ich erntete grüne Salbeiblätter und Topinambur. Lustige Truppen frecher Feldsperlinge freuten sich des Lebens, Meisen mischten sich darunter. Mit Vergnügen ärgerten sie einen bemühten Fotografen, der sie in ihrer ganzen Pracht ablichten wollte. Bald waren auch die ersten Schneeglöckchen zu sehen.
Februar: Es war zwar nicht viel, doch es gab doch noch Schnee. Schön sah es aus, als die Triebe der Frühblüher über die weiße Decke ragten. Das Pflanzenwachstum kam in dieser Zeit zwar zum Stillstand, doch nach wenigen Tagen schmolz die weiße Pracht sowieso dahin. Jetzt dominierte mehr und mehr saftiges Grün. Ein schönes Beispiel war die Gänsekresse mit ihren dicken, fleischigen Blättern. Die Klematis trieb wuchtig aus, Regenwürmer und Tausendfüßler waren unterwegs. Im Gewächshaus blühte blaues „Unkraut“ und Vogelmiere bedeckte den Boden. Dort ließ es sich bei Sonnenschein gut aushalten. Ein spannender Fußballnachmittag mit „Heute im Stadion“ und Bayern 1 durfte da nicht fehlen. Der faule Felix kam nur noch selten in den Garten. So kam es, dass andere Kater anfingen, sein Revier zu übernehmen. Immer öfter traf ich einen schwarzen Mäusefänger an, der vorher hier nie zu sehen war. Dann tauchte auch noch eine gefleckte-und-weiß-grau-getigerte Katze auf. Die Vögel ärgerten nach wie vor den bemühten Fotografen. Plötzlich lag eine tote Maus auf dem Beet, die „Finanzkrise“ wurde in den Medien angekurbelt und ich stieg auf die Birke, um ein letztes Foto zu schießen, das den weiten Blick bis hinüber zum Wald freigibt. Wenn sich das Laub im nächsten Herbst lichten wird, wird die Gartenanlage umzingelt von Häusern sein. So wie eine kleine Oase mitten in der Stadt. Das Schnauben der Pferde war nur noch eine Erinnerung, doch weithin sichtbar, hoch oben in der Luft zog ein großer Greifvogel seine Kreise, blieb immer wieder fixierend stehen, um dann plötzlich fast senkrecht in die Tiefe zu stürzen. Wie lange wird ihn sein eingeschränkter Lebensbereich noch ernähren können?
Dann geht alles ganz schnell: Schneeglöckchen, Leberblümchen und Krokusse in den grellsten Farben entfalten ihre Pracht. Ich habe mir zwölf Kopfsalatpflänzchen besorgt, die in den Frühbeetkasten kommen. März: Das Pfirsichbäumchen blüht! Eine wahre Freude! Die Stare tragen schon ihr Hochzeitskleid! Man kann den Frühling riechen!
Im März zog die Vegetation mit Riesenschritten voran. An den Beerensträuchern öffneten sich die ersten Blätter. Der Giersch fing ganz unschuldig an, ein Beet zu übernehmen. Die ersten Gänseblümchen blühten. Die Welt wurde immer bunter: Krokusse, Leberblümchen, Primeln und Schlüsselblumen, Schneeglöckchen, Lungenkraut, Hyazinthen, Narzissen... und ständig das Geräusch eines Baggers, der neben dem Zaun der Gartenanlage einen Graben in die Erde riss. Vor Ostern gab es nochmals Schnee. Danach war der Winter endgültig vorbei.
April: Im Garten wurde es immer bunter, während an der Nordostseite der Anlage der Zaun und die Hecken dem Straßenbau für das Baugebiet Deuringen-Nord zum Opfer fielen. Ich war froh, dass mein Garten in der Mitte liegt und ich mir solche Eingriffe von außen nicht bieten lassen musste. Überhaupt wäre diese Aktion unnötig gewesen, wenn man neben der Straße einen schmalen Grünstreifen belassen hätte. Das verhinderte aber die unersättliche Geldgier, die gebot, das Land bis zum letzten Quadratzentimeter auszunutzen. So bestand für mich außer der Lärmbelästigung die einzige Unannehmlichkeit darin, dass die Gärten eine zeitlang nicht über das obere Tor, das demontiert wurde, zugänglich waren.
Freude kam auf, als ich feststellte, dass die Musa Basjoo den Winter überlebt hatte. Zwar war der Hauptstamm abgestorben und eine faulige Stelle befand sich oben an der Knolle, doch seitlich hatte sich ein neuer Trieb gebildet. Im Gewächshaus blühte der Rosmarin, was ich vorher noch nie gesehen hatte. Unter einem Haselnußstrauch siedelte sich im Laufe der Jahre eine Kolonie Buschwindröschen an, die nun abermals vielzähliger als im Vorjahr, in Blüte stand. Auch Gänsekresse, Steinrich und Vergißmeinnicht entwickelten jetzt ihre volle Pracht. Rhabarber und Liebstöckel schossen wuchtig aus dem Boden. Und dann kamen die wunderbaren Tulpen an die Reihe. Ich musste einige Beetumrandungen ausbessern und eröffnete die Grillsaison. Am Ende des Monats konnte die Gartenanlage immer noch nicht von der Nordwestseite her betreten werden. Mai: Sehr schön anzusehen war das saftige Grün des Waldmeisters, die filigranen Kirschen- und Zwetschgenblüten und die jungen Farne. Auch die Musa Basjoo entwickelte sich gut und bildete nun die ersten Blättchen aus. Im Frühbeet strebte der Kopfsalat seinem erntebereiten Zustand entgegen. Der Rasen bekam seinen ersten Schnitt, was den Nachteil hatte, dass damit auch die vielen Gänseblümchen verschwanden. Im Beet setzte ich fünf Kilo Saatkartoffeln, säte Radieschen, Treibrettiche, Rauke und Karotten, an den Beerensträuchern bildeten sich Fruchtansätze und auf dem Nistkasten führte ein Starenmännchen jeden Abend eine zirkusreife Vorstellung auf. Der Pflanztisch war komplett mit Gefäßen belegt, in denen ich Blumen wie zum Beispiel Sonnenhut, Fuchsschwanz, Sonnenblumen oder Astern vorzog. Bei herrlichem Wetter nahm ich die Musa Basjoo, die inzwischen fünf kleine Blätter gebildet hatte, aus ihrem Topf und pflanzte sie ins Freie.
Juni: Die Gartenanlage soll mit Trinkwasser und Strom versorgt werden. Dazu wurde nun der erste Schritt getan. Von der Schnurbeinstraße aus wurde ein Graben innerhalb des wegen der Baustelle abgebrochenen Zaunes gebaggert und Wasserleitung sowie Stromkabel bis in die Nähe des Nordwesteingangs verlegt. Dort wurde ein Verteilerkasten für den Strom aufgestellt. Ans Trinkwassernetz wurden die Gärten entlang der Straße bis zum Tor sowie drei weitere Gärten angeschlossen.
Hagel hatte meine Musa Basjoo, die mittlerweile sieben Blätter bildete, zerfetzt. Vieles stand nun in Blüte. Auffällig waren das strahlende Weiß des Meerrettichs, die rosaroten und violetten Kerzen der Lupinen, das immer wieder schöne Gelb der Schwertlilien, die Glocken des Fingerhutes, die feingliederige Nigella oder an der Hütte die weißen und blauen Waldreben sowie verschiedene Nelken und vieles mehr. Nach meiner Urlaubsreise wurde das Gewächshaus mit acht verschiedenen Sorten Tomaten und zwei Paprikapflänzchen bestückt. Auf dem Beet kamen noch zwei Zucchini- und zwei Freilandgurkenpflänzchen dazu. Das Kartoffelkraut war bereits durchschnittlich etwa dreißig Zentimeter hoch. Nach und nach öffneten sich die Knospen der Pfingstrosen. Der mit Kletterrosen bewachsene Bogen entwickelte sich nach einer Düngergabe auch in diesem Jahr abermals sehr gut und verströmte süßlichen Duft. An einem schattigen Platz setzte ich ein dunkelgrünes, blau schimmerndes Funkienpflänzchen ein und zwischen Salbei und Rhabarber eine Fackellilie. Nach und nach kamen die vorgezogenen Sommerblumen auf ihre Plätze, allen voran Leberbalsam, Feuersalbei, Tagetes, Schmuckkörbchen, Löwenmaul, gelber und roter Sonnenhut, Fuchsschwänze, Sonnenblumen, Margeriten, Bartfaden und Fleißige Lieschen. Auch für sechs Romanescopflänzchen war noch Platz. Am Ende des Monats waren Erdbeeren reif, Kirschen hingen an den Bäumen, die Kartoffeln blühten, Salbei, Lavendel und Oregano waren Bienenweiden. An einem Nachmittag entfernte ich den Stumpf und die Wurzeln des abgesägten Apfelbaums aus dem Boden. Leider knabberte eine Wühlmaus – und das hatte ich bislang noch nicht erlebt – ein Tomatenpflänzchen an, das daraufhin einging und ersetzt werden musste. Juli: Der Juli begann mit einem Schock: In einer Regentonne lag ein toter Star, der anscheinend dort ertrunken ist. Wie das passieren konnte, ist mir heute noch nicht ganz klar. Die Iris bildete für kurze Zeit eine wunderschöne Blüte.
Die Nordwestseite der Gartenanlage wurde endlich wieder mit einem Zaun geschlossen und das Tor wurde wieder eingebaut. Im Baugebiet Deuringen-Nord war man immer noch mit dem Straßenbau und der Erschließung der Grundstücke beschäftigt.
Die Pflanzen wuchsen nun mit einer fast unglaublichen Geschwindigkeit. Es gab Erd- und Johannisbeeren, Stachelbeeren, Gurken, Zucchini, Salat und allerlei Kräuter zu ernten. Bunte Schmetterlinge, darunter auffällig viele Pfauenaugen, flatterten durch die Luft. Nun öffneten sich auch die ersten Blüten des Phlox und der Goldregen strahlte. Die Nachtkerzen führten allabendlich während der Dämmerung wie im Zeitraffer die Entfaltung ihrer gelben Blüten vor. Und dann kamen die Lilien, meine Lieblingsblumen, an denen ich natürlich immer wieder einen Lilienkäfer entdeckte. Die Musa Basjoo war mittlerweile über einen Meter hoch, hatte einen Ableger gebildet und öffnete wöchentlich ein neues, riesiges Blatt. Der Rosmarin in seinem dritten Jahr entwickelte sich allmählich zu einem beachtlichen Strauch. Gegen Monatsende waren die ersten Tomaten reif, Frösche hüpften über die Wiese und im Baugebiet Deuringen-Nord standen die ersten Kräne.
August: Die mehrere Meter hohen Sonnenblumen öffneten ihre gigantischen Köpfe, die Topinambur und sogar das Indische Blütenrohr entfalteten ihre Pracht. Im Gewächshaus trugen die Tomaten reichlich Früchte und wuchsen bereits durch die Dachluke. Auch die Paprikapflanzen waren sehr gut bestückt, die Früchte waren aber noch grün. Es gab massenhaft Gurken und Zucchini. Die Kartoffelernte fiel in diesem Jahr nicht besonders übermäßig aus. Die Pflanzen hatten überwiegend nur mittlere und kleine Knollen gebildet. Dafür gab es reichlich gute Speisezwiebeln, die ich nach dem Ernten an ihren Röhrchen zusammenband und unter dem Vordach aufhängte. Zum bunten Blütenmeer gesellten sich nun die Sommerastern und der Ranunkelstrauch, der zum zweiten Mal in diesem Jahr blühte. Am Abend des elften August blickte ich hinauf zum Himmel und sah eine unheimlich dunkle Wolke mit rasender Geschwindigkeit näher kommen. Schneller als ich die Türe meiner Hütte schließen konnte, zog plötzlich Sturm auf und dicke Regentropfen prasselten auf mich hernieder. Im Dauerlauf verließ ich die Gartenanlage, hörte ein lautes Krachen und stand plötzlich vor einer wuchtigen, umgestürzten Buche. Bis zum Monatsende räumte ich meine Hütte erstmals seit längerer Zeit wieder gründlich auf, erlebte mehrere Abende mit Lagerfeuer, grillte einige schmackhafte Gerichte und verbrachte spannende Fußballnachmittage auf der Sonnenliege mit einem Kofferradio. Dann zog der Herbst mit Riesenschritten ins Land. September: Es gab zwar noch schöne, warme Tage, doch die Nächte wurden nun merklich kühler. Die Gladiolen blühten auf, die Musa Basjoo hatte mittlerweile drei Ableger gebildet und war auf über eineinhalb Metern hochgewachsen, die ersten Sonnenblumen verblühten allmählich und wurden ständig von verschiedenen Vögeln aufgesucht, die sich an den Kernen labten. Die Schwarzkümmelpflanzen, waren inzwischen verblüht und trugen nun dicke Samenkapseln. Täglich verspeiste ich große, süße Himbeeren. Kübelweise wurden immer noch Gurken, Tomaten, Zucchini und Petersilie geerntet. Es herrschte bereits ein typischer Altweibersommer mit den deutlich sichtbaren Spinnennetzen im tiefstehenden Licht. Die Herbstastern in allen Variationen blühten auf, an feuchten Stellen schossen Pilze aus dem Boden und Felix legte sich abends immer auf die warme Erde im großen Blumentopf, in dem das Zwergpfirsichbäumchen wuchs. Die Früchte an den Paprikapflanzen waren inzwischen orange gefärbt und wurden gegen Ende des Monats, als sie dann gelb waren, abgeerntet.
Auf das nordöstlich meines Gartens gelegene Grundstück zogen neue Nachbarn ein. Außer einem Baum, einem Strauch und dem Gartenhaus blieb dort nichts stehen. Mit einem Bagger und einem anderen motorisierten Gerät wurde das Areal gründlich umgepflügt.
Das Hauptereignis fand am 20. September statt. Um die Versorgung der Gartenanlage mit Trinkwasser und Strom voranzutreiben, war Gemeinschaftsarbeit angesagt. Morgens um halb acht hatte man sich mit Spaten, Schaufeln und Schubkarren einzufinden. Auch ein kleiner Bagger stand zur Verfügung, der auf den Wegen den Graben für die Wasserleitung aushob. Der Rest war Handarbeit. Es war ein anstrengender Tag, der aber Spaß machte und die Geselligkeit der Gärtner förderte. Die Brotzeit und das Bier haben geschmeckt und der Muskelkater am Tag danach war schon äußerst bemerkenswert. Ein großer Teil der Anlage war nun ans Wasser- und Stromnetz angeschlossen.
Oktober: Der Romanesco, der monatelang nur ins Kraut schoss, hatte doch noch sehr schöne Köpfe gebildet, die nun abgeerntet wurden. Ich hätte mir einen Goldenen Oktober gewünscht, doch von einigen seltenen Ausnahmen abgesehen, war bereits Novemberwetter geboten. Die Blätter an den Bäumen verfärbten sich, das Blütenmeer der Blumen wurde allmählich einseitiger. Ich war hauptsächlich damit beschäftigt, das Stromkabel vom Gartentürchen bis in die Hütte zu verlegen. Gegen Ende des Monats traten die ersten Fröste auf. Ich hatte bereits alles vorbereitet, um ein Winterquartier für die Musa Basjoo zu schaffen. Erst schnitt ich die abgefrorenen Blätter ab. Dann sägte ich einer alten Regentonne den Boden aus und stellte das Fass über den Stamm. Die Erde bedeckte ich mit Verpackungsmaterial aus Styropor, das keine Feuchtigkeit aufsaugt. Der Rest des Fasses wurde mit Stroh gefüllt. Dann kam der Deckel darauf, der mit einem Stein beschwert wurde, damit ihn kein Sturm aufdecken kann. Der Topf mit dem Zwergpfirsichbäumchen, das Indische Blütenrohr, die Engelstrompete und der Rosmarin kamen ins Gewächshaus. Am Ende des Monats gaben noch ein paar Lupinen ein kurzes Gastspiel. November: Nur die hartnäckigsten Pflanzen wie Klematis, Nachtkerzen, Löwenmaul, einige Schmuckkörbchen, Lavendel und natürlich Ringelblumen standen nun noch in der Blüte. Doch bald war auch damit Schluß. Es wurde winterlich kalt und schon bald lag der erste Schnee. Ich hängte einen Meisenring an einen Baum und ein Vogelhäuschen mit Winterfutter an die Birke. In der Hütte hatte die Mausefalle zugeschnappt. Sank die Temperatur unter -5° wurde das Gewächshaus beheizt.
Im Baugebiet Deuringen-Nord waren die ersten zwei Häuser fast fertig.
Dezember: Der Dezember ist ein undankbarer und langweiliger Monat für einen Gartenliebhaber. Das Gewächshaus kontrollieren, Vogelfutter nachfüllen, Mausefalle leeren, frieren und dumm dreinschauen – im Garten ist nichts los. In der Ruhe liegt die Kraft.

1 Kommentar:

wftrader hat gesagt…

Was Dir langweilig?? Gruß Wolfgang