Dienstag, 6. Januar 2009

Dämonen und Könige

Bevor im Jahr 1691 der 1. Januar als Neujahrstag festgelegt wurde, begann das Jahr am heutzutage sogenannten Dreikönigstag. Zu diesem Zeitpunkt erreicht das Dreigestirn des Orion seinen Höchststand. Schon in vorchristlichen Zeiten hatte dieser Tag eine besondere Bedeutung, da er das Ende der Rauhnächte markierte. Die Tage und Nächte von der Wintersonnenwende bis zum Öberscht waren geprägt von Geisteraustreibungen, Orakeln und Wahrsagerei. In dieser Zeit stand das Geisterreich offen, haarige Dämonen, Werwölfe und Seelen von Verstorbenen zogen durchs Land, Hexen flogen auf Besen durch die Luft, Frau Holle und Wotan waren mit Toten zur wilden Jagd aufgebrochen. Haus und Hof mußten ordentlich aufgeräumt sein, keine Wäsche durfte aufgehängt werden, alle Räder hatten stillzustehen. Die finsteren Mächte hatten große Gewalt, der man mit Vermummungen, Maskentänzen und Lärm begegnete. Alle Räume wurden mit Weihrauch, Kräutern und Zweigen ausgeräuchert. Letztendlich musste das Dämonenheer den Lichtkräften weichen.
„Als Jesus zur Zeit des Königs Herodes in Betlehem in Judäa geboren worden war, kamen Sterndeuter aus dem Osten nach Jerusalem,“ heißt es im Matthäusevangelium. Die Gelehrten sind sich bis heute noch nicht einig, ob die Weisen aus dem Morgenland Babylonier, Syrer, Chaldäer oder Perser waren, ob Magier, Zauberer oder wirklich Könige, ob zu dritt, zu viert oder mehr. Eingebürgert hat sich seit dem achten Jahrhundert das Bild der Heiligen Drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar mit Gold, Weihrauch und Myrrhe, die gleichzeitig die seit der Antike bekannten drei Erdteile Afrika, Europa und Asien verkörpern.
Karl der Große verbot die alten Riten der Rauhnächte. Im Volk wurde die einst wilde Jagd Wotans im Laufe der Zeit zum Heischebrauch, der es armen und unterprivilegierten Menschen gestattete, als Könige verkleidet mit einem Sternträger umherzuziehen, um Lieder und Gedichte vorzutragen und sich ein kleines Zubrot zu verdienen. Seit etwa 50 Jahren schicken die großen institutionalisierten Kirchen Gemeindemitglieder, meist Kinder und Jugendliche, umher, um Geld einzusammeln. So können sogar die Einnahmen aus Kirchensteuer, Klingelbeutel und Opferstock nochmals aufgebessert werden.
Von den Anfangsbuchstaben der Namen Caspar, Melchior und Balthasar leitete man Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts die Worte "Christus mansionem benedicat" (Christus segne diese Wohnung) als Segensspruch ab, den die Sternsinger auf die Türen schreiben. So wird in der heutigen Zeit gegen einen kleinen Obolus Haus und Hof ganz ohne Maskentanz und Geisteraustreibung vor bösen Dämonen geschützt.

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