Sonntag, 9. April 2000

Sharm el-Sheikh 2000

Mein Urlaub fiel in diesem Jahr auf die Zeit um Ostern und ich wollte in eine Gegend reisen, in der Hochsommerliche Temperaturen herrschen. Ich dachte mir, daß in Ägypten am Roten Meer wohl eine geeignete Stelle dafür zu finden sein müsste. Sharm el-Sheikh kannte ich aus der Zeitung, denn hier trafen sich schon oft hochrangige Politiker aus aller Welt und ich vermutete, daß es dann wohl kein schlechter Platz sein kann. Schon als ich aus dem Flugzeug ausstieg bemerkte ich, daß ich mich mit dem Wetter nicht getäuscht hatte. Es war nicht nur warm, sondern richtig heiß. Vom ersten Augenblick an war ich ständig instinktiv darauf bedacht, ein schattiges Plätzchen aufzusuchen. Schon während des Transfers vom Flughafen zum Hotel sah ich, daß hier an der Südspitze des Sinai die Stein- und Geröllwüste bis ans Meer heranreichte. Hier wuchs nahezu nichts, was nicht künstlich bewässert worden wäre. Im Zentrum von Sharm el-Sheikh ist nicht viel geboten. Auffällig ist nur das in Form einer Pyramide gebaute Krankenhaus. Der Markt, die Geschäfte und Hotels lagen der Küste entlang an den Außenbezirken. Ich wohnte im Hotel Seti Sharm, das direkt an der Sharm el-Mayah Bay in der Nähe des Old Market lag. Es war eine luxuriöse Unterkunft auf einem großen Gelände mit einem herrlich angelegten Garten und einem tropischen Palmenstrand. Selbstverständlich gab es das alles nur, weil die Gärtner die gesamte Anlage ständig bewässerten. Das Wasser wurde aus einer Gegend am Nil bis hierher geleitet, doch außerhalb der Ortschaft wurde bereits eine Entsalzungsanlage gebaut, um Süßwasser aus dem Meer zu gewinnen. Zunächst brauchte ich ein paar Tage, um mich an den extremen Temperaturunterschied im Vergleich zu Bayern zu gewöhnen, was mir nicht schwer fiel, denn im Hotel wurde ich mit Allem umsorgt. Ich ging öfter in den Old Market, einem Geschäftsviertel, und fuhr mit Bus oder Taxi auf die andere Seite von Sharm el-Sheikh zur Naama Bay. Dort war eine Uferpromenade mit vielen Geschäften, Hotels und Restaurants und natürlich durfte McDonald's in dieser Gegend nicht fehlen.
Bald unternahm ich einen Kamelritt. Ich wurde mit einem Kleinbus abgeholt, der mich außerhalb der Stadt quer durch die Wüste zu einem Treffpunkt brachte. Es dämmerte schon bald und die interessante Landschaft erschien in einem merkwürdigen Licht. Die Kamele waren sehr schöne Tiere, aber als ich aufstieg bin ich erschrocken, denn der Sattel war aus hartem Holz. Die Kameltreiber führten die Tiere durch ein Tal und wir unterhielten uns mit Armen und Beinen, denn keiner verstand die Sprache des anderen. Es war schon dunkel, als ich wieder im Hotel ankam und ich war beeindruckt, denn eine vergleichbare Landschaft hatte ich zuvor noch nie gesehen. Die nächste Aktion war ein Ausflug zum Katharinenkloster, das mitten im Sinai am Fuße des Mosesberges lag. Die Fahrt in einem Reisebus ging erstmal von Sharm el-Sheikh nach Dahab und dann geradewegs nach Westen. Unterwegs sah ich wilde Landschaften und kurz vor dem Ziel das Grab von Moses' Bruder Aaron. Dann mußte ich zum Kloster einen Berg hochlaufen. Es war unglaublich, welch ein Trubel plötzlich hier mitten in der Wüste herrschte. Ich zwängte mich mit all den Menschen ins Kloster und sah u.a. die Gebeinkammer und den berühmten Brennenden Dornbusch. Außerhalb der Gemäuer hatten die griechischen Mönche einen schönen Garten angelegt, in dem Pinien und Zedern wuchsen. Auf dem Rückweg rastete ich in einem Hotel bei Dahab und genoß das wundervolle Panorama.
Der nächste Ausflug führte mich zum Coloured Canyon. Die Fahrt in einem Hummer Car verlief zunächst auf der Straße wiederum nach Dahab. Bei einer kleinen Oase wurde eine kurze Pause eingelegt. Palmen wuchsen aus dem kargen und steinigen Boden, doch Wasser war keines zu sehen. Tief unten an den Wurzeln der Bäume muß aber wohl welches gewesen sein, sonst wäre hier nichts gewachsen. Seit über drei Jahren hatte es in dieser Gegend keinen Tropfen mehr geregnet. In Dahab bummelte ich durch den Ort und kaufte mir CD's mit ägyptischer Musik, auf die die Einheimischen hier sehr stolz waren. Außerdem erstand ich ein lustiges Fischgräten-T-Shirt. Dann ging es weiter Richtung Nuweiba. Kurz vor der Ortschaft bog der Fahrer schroff nach links ab und hoppelte durch das Gelände. Wir passierten das liegengebliebene Skelett eines verendeten Kamels und bald darauf kletterte ich hinunter in den Canyon. Dort war es angenehm kühl. Die Felsen waren oft geformt und strukturiert, als wären sie von einem Bildhauer bearbeitet worden und die verschiedensten Farben ließen mich an Höhlenmalereien denken, doch da das Gestein sehr metallhaltig war, entstanden diese Farben durch Oxidation. Erstaunt sah ich einen kleinen Busch, der aus einem Loch in der Felswand wuchs. Der Aufstieg aus dem Canyon war ein Gewaltakt und oben angekommen brauchte ich erstmal eine Verschnaufpause. Danach ging es weiter nach Nuweiba, um in einem Camp eine Mahlzeit einzunehmen. Es war dort sehr gemütlich. Anschließend besuchte ich den steinigen Strand, an dem ein Delphin auftaucht und mit den Menschen spielen will. Immer wieder mischte er sich unter die kreischenden Badegäste, um dann in einem weiten Bogen wieder hinaus ins Meer zu schwimmen. Die Einwohner sagen, daß das schon seit Jahren so geht. Nach diesem Erlebnis ging es zurück und abends fiel ich müde ins Bett.
Die meisten Urlauber in Sharm el-Sheikh sind dort, um zu schnorcheln und zu tauchen, denn es gibt ringsum eine faszinierende Unterwasserwelt. In einem Glasbodenboot sah ich diese bunte Welt der Korallen und Fische. Kurz darauf fuhr ich mit einer schnellen Motoryacht zur Insel Tiran. Unterwegs sah ich ein großes Schiffswrack, das an einem Riff aufgelaufen war. Rings um die Insel schimmerten die Farben der Korallen durch die Wasseroberfläche und ließ erahnen, was darunter lag. Der Sinai ist eine trockene und steinige Gegend, doch wenn man den Kopf unters Wasser steckt, blickt man eine farbige und lebendige Welt. Nach diesen wunderbaren und erlebnisreichen Wochen mußte ich den Rückflug antreten, doch ich denke sehr oft an diese Zeit zurück.

>> Fotos: Sinai

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