Dienstag, 13. November 2007

Felix und Lilly

Kaum war Felix ein paar Monate alt, wollte er immer öfter nach Draußen und schon bald hatte er seine Freundin gefunden. Es war Liebe auf den ersten Blick. Sie heißt Lilly, ist wohl ein paar Monate älter und sieht fast genauso aus wie er. Erst kannte ich die beiden kaum auseinander, doch dann bemerkte ich die schwarzen Stellen an Lilly's Beinen. Felix ist eigentlich weiß und sieht oft aus, als hätte er sich einen schwarzen Helm aufgesetzt und eine Decke über den Rücken gelegt, die bei einem bestimmten Lichteinfall grau getigert schimmert.
Er lernte viel von Lilly, die einmal sogar zu ihm auf den Balkon hochkletterte. Heimlich habe ich die beiden beobachtet, wie sie herumtollten und spielerische Raufereien austrugen. Gut erinnere ich mich auch noch an den Moment, als sie ihn mit einer Eselsgeduld auf einen kleinen Baum lotste, den er erst eine ganze Weile nicht hochkam. Als die beiden dann im zu dieser Jahreszeit blattlosen Geäst standen, hielten sogar vorbeigehende Spaziergänger an und erfreuten sich an diesem belustigenden Anblick.
Bald war es an der Zeit, dass Felix sterilisiert wird, denn er wurde immer wilder und lästiger und wäre so nicht mehr lange zu halten gewesen. Ich brachte ihn morgens zum Tierarzt, der ihn erstmal in einer Box einsperrte, und sollte ihn am späten Nachmittag wieder abholen. Er schaute mich verstört und beleidigt an, als er aus seinem Tran erwachte. Seiner Lilly war es scheinbar egal, dass er jetzt kein richtiger Kater mehr war, denn sie waren weiterhin die besten Freunde.
Die Charaktere der beiden Tiere könnten kaum unterschiedlicher sein. Während Felix gegenüber fremden Menschen sehr misstrauisch ist und keinen an sich heran lässt, ist Lilly verschmust, streicht jedem sofort um die Beine, lässt sich von jedem streicheln und schnurrt schon bei der kleinsten Berührung.
Die Jahre vergingen. Felix wurde schnell größer und wuchs zu einem stattlichen Kater heran, während Lilly kleiner blieb und einen eher rundlichen Körperbau entwickelte. Auch an ihren Gesichtern konnte man die beiden Tiere immer besser voneinander unterscheiden. Oft besuchten sie mich im Garten und spielten Fangen. Nicht selten wurde Felix ziemlich grob und zeigte, wer der Herr in meinem Garten war. Das ging manchmal so weit, dass er Lilly verscheuchte und sie jaulend aus der Gartenanlage flüchtete. Trotzdem kam sie immer wieder zurück. Eines Abends saß ich mit Felix vor meiner Hütte, als Lilly wieder einmal um die Ecke bog. Sofort spazierte er in ihre Richtung und gab ihr einen Nasenstupser. Die beiden sind einfach ein Herz und eine Seele.
In den Zeiten, als die Mäuse schon fast zur Plage wurden, war ich froh, dass sich das Katzenpärchen oft in meinem Garten aufhielt. Zwei Katzen fangen schließlich mehr als eine. Ich zeigte jedem ein Mäuseloch, das sie dann geduldig bewachten, bis sie die Maus erwischt hatten. Lilly und auch Felix legen ihre Beute nicht vor der Haustüre ab oder bringen sie nach Hause, sondern fressen sie an Ort und Stelle auf. Dann kann man hören, wie sie die Knochen knacken und nicht einmal ein kleines Stückchen Fell bleibt übrig. Sie fressen die Mäuse mit Haut und Haar. Auch größere Insekten wie Heuschrecken werden gerne von ihnen vertilgt. Außerdem nehme ich an, dass sie auch ab und zu einen Vogel erwischen, was ich aber noch nie gesehen habe. Manche Mitglieder im Obst- und Gartenbauverein haben einen Teich und setzen dort Fische aus, die schon des Öfteren spurlos verschwunden sind. Ich weiß zwar von nichts, kann mir aber schon denken, wo sie geblieben sind.
So geht dieses Treiben nun schon seit Jahren und daran scheint sich auch in absehbarer Zeit nichts zu ändern. Die beiden sind unzertrennlich. Lilly und Felix bleiben ein Paar, bis der Tod sie scheidet.

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