Sonntag, 20. August 2000

Alanya 2000

Der Herbst zog naßkalt ins deutsche Land und ich packte meinen Koffer und ab ging's nach Süden. Mich erwartete eine Woche Urlaub an der türkischen Riviera in Alanya. Mir war bekannt, daß dort eine Straße entlang der Küste verlief und die Hotels vom Strand trennte, der darum meist nur durch ein Tunnel zugänglich war. Ich entdeckte aber ein Hotel, das ungefähr zwei Kilometer östlich von Alanya auf einer Landzunge direkt am Meer lag. Als ich dort ankam, versank die Sonne gerade blutrot in den Fluten. Dieses Schauspiel bot sich mir fortan jeden Abend und es war jedesmal wieder beeindruckend. Das Hotel Club Alantur war in jeder Hinsicht das beste Hotel, das ich bis dato in der Türkei kannte. Ein großer, sehr schön angelegter Garten mit Teich und vom Strand aus ein Blick über die Bucht hinweg auf Alanya mit seinem Roten Turm und der großen Burg oben auf dem Hügel gaben diesem Platz eine ganz besondere Note. In den Pools war das Wasser zwar ziemlich kalt, doch es gab ein Hallenbad und das Meer, das um diese Jahreszeit mit einer Temperatur von 26 Grad brühwarm war. An der Straße vor dem Hotel fuhr immer wieder im Abstand von wenigen Minuten ein Dolmus vorüber, so daß es einfach und billig war, ins Zentrum von Alanya zu gelangen. Dort feilschte ich auf dem Markt und in den vielen Geschäften des Bazars gegenüber. Eigentlich wollte ich meine türkischen Sprachkenntnisse etwas vertiefen, doch jeder spricht dort deutsch, so daß ich dazu kaum kam. Die Gegend um Alanya ist fast deutscher als Deutschland. Über sechstausend meiner Landsleute besitzen hier ein Haus oder eine Wohnung und viele von ihnen leben hier ständig. In der Regel wird es hier nie kalt, das Klima ist fast immer angenehm warm. Nur im Hochsommer wird es richtig heiß, so daß hier sogar Bananen angepflanzt werden können. Als ich im November dort war, hingen dicke Büschel Datteln an den Palmen. Ich wollte einen Ausflug machen, doch ich konnte mich zunächst nicht so recht entscheiden, wo es hingehen sollte. Während meiner vergangenen Reisen hatte ich in dieser Gegend schon fast alles gesehen. Zu guter Letzt entschloß ich mich dazu, in die Berge hochzufahren und den "Eselführerschein" zu machen. Die Fahrt mit einem Kleinbus dauert nicht allzu lange. Gleich hinter Alanya ging es steil hoch auf die vorderen Ausläufer des Taurusgebirges. An einem Rastplatz konnte man über die Stadt bis weit hinaus auf's Meer blicken. Hier wuchs dichter Wald, doch trotz des Schattens war es immer noch richtig warm. Bald kam ich zu einer Ranch, die schon von außen lustig anzusehen war. An einem Baum war ein junger Wolf mit einer langen Leine angebunden. Schon brachten die Bewohner dieses Gestüts die Esel. Ich erwischte einen, der an diesem Tag überhaupt keine Lust hatte, einen Touristen durch die Gegend zu tragen. Er bäumte sich auf und versuchte mich abzuschütteln, was ihm aber nicht gelang. Der Esel war störrisch, blieb ständig stehen und wenn er dann lief, gallopierte er mit mir mitten in einen Busch oder eine Dornenhecke. Der Eselführer hing ihm seine Jacke über den Kopf und nahm ihn am Zügel. Doch sobald er die Jacke wieder abnahm, ging das alte Theater von vorne los. Es war kein gemütlicher Ritt und ich war froh, als wir wieder am Hof ankamen. Nach der erfolgreichen Nachahmung eines Eselschreis bekam ich den Führerschein. Unter einem Zeltdach bereitete eine Frau ein Essen zu, das ich mir schmecken ließ. Allerlei altertümliches Gerät stand herum und Hühner hüpften über den Hof. Danach besichtigte ich eine Dorfmoschee und stattete einer normalen türkischen Familie auf dem Lande einen Besuch ab, die ihr Haus in der Nähe neben einem Feldweg hatte. Das Erdegeschoß wurde von einer Ziege bewohnt, die unter der Treppe stand und mich meckernd begrüßte. Ich stieg hinauf zur Wohnung und sah, wie spärlich sie eingerichtet war. Die Frau saß in der Küche vor dem Kamin auf dem Boden und bereitete Tee zu, der Mann war nicht zuhause und das Kind schlief auf einer Decke in einem Zimmer. Ich trank einen Tee und spendete einen kleineren Geldbetrag, bevor ich das Haus verließ. Der Nachbar nebenan hatte eine Ziege und eine Kuh und gehörte somit schon zu den reicheren Dorfbewohnern. Bald fuhr mein Bus wieder zurück nach Alanya und ich mußte dieses Dorf mit seinen armen aber glücklichen Menschen wieder verlassen. Nach einer kurzen Fahrt durch den Wald hielt der Bus an einer hölzernen Aussichtsplattform, von der aus ich das prächtige Gebirgspanorama genoß. Dann ging die Fahrt steil bergab hinunter nach Alanya, wo mich wieder ein faszinierender Sonnenuntergang erwartete. Gegenüber vom Hotel Alantur auf der anderen Straßenseite lag das Cafe König. In großer Schrift warb der Inhaber für sein Pils vom Faß für nur zwei Mark, das ich mir dann auch gönnte. In dem Lokal dudelten volkstümliche deutsche Schlager. Ich trank mein Bier aus und suchte dann schnell wieder das Weite. Bei einem Besuch in Alanya spazierte ich am Hafen entlang. Ein Mann sprach mich an und bat mich, mit auf sein Boot zu kommen. Es war ein großes Schiff, das er eigenhändig gebaut hatte. Stolz zeigte er mir wie zum Beweis seine abgesägten Fingerstümpfe. Ich buchte eine Tour, die am Tag darauf stattfand. Die Bootsfahrt begann am Morgen. Kaum an Bord begab ich mich auf's Sonnendeck und schon schipperten wir los. Es war herrlich, sich in der Sonne zu aalen. Aus den Lautsprechern schallte türkische Musik und mittags wurde gegrillt. Ich sah wieder mal die römische Werft, den Roten Turm, die Piraten-, Teufels- und Liebeshöhle und den Kleopatrastrand mit seinem Tempel. Oben auf dem Berg sah ich die Burg mit ihrem verschachtelten Gemäuer. Obwohl ich das alles erst vor drei Jahren gesehen hatte, war es wieder ein Erlebnis. Die Fahrt dauerte den ganzen Tag und ziemlich benommen von der vielen Sonne kam ich abends im Hafen von Alanya wieder an. Dort kaufte ich mir an einem Stand noch ein Simit und fuhr dann mit dem Dolmus wieder zurück ins Hotel.
Ich genoß noch einmal das Versinken der Sonne im Meer mit seinen vielfältigen Farbspielereien und flanierte in der Dunkelheit durch den tropischen Garten. Dann hieß es leider Koffer packen, denn kurz nach Mitternacht wurde ich für den Transfer zum Flughafen nach Antalya abgeholt. Mit einer Tüte Bananen und einem doppelt so schweren Koffer als auf dem Hinflug trat ich mit einem weinenden Auge die Rückreise an. Die warme Sonne war herrlich und mir war klar, daß ich so bald wie möglich wieder im Herbst hierher kommen werde.
>> Fotos:
Alanya

Kommentare:

jann hat gesagt…

Alanya als Hauptstadt der gleichnamigen Provinz, bietet traumhafte Ferien. Die Hauptstadt ist schon lange bei den Urlaubern bekannt, da sie viel Entspannung und Attraktionen zu bieten hat. Es geht um eine antike Stadt mit schmalen Gassen und orientalischen Märkten. Der Ferienort der türkischen Riviera liegt nur 135 Kilometer fern von Antalya und hat ca. 103.670 Bürger.

jann hat gesagt…

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