Sonntag, 25. Mai 2008

Kreuzfahrt

Es begann am 15. Mai abends um 23 Uhr, als der Bus nach Savona an der Autobahnraststätte Augsburg-Ost anhielt, um die wartende Touristentruppe aufzunehmen. Ich dachte noch, die Fahrt ginge dann vorbei am Bodensee, durch das wunderbare Graubündener Land und das herrliche Tessin. Doch weit gefehlt! Der Bus nahm Kurs nach München, fuhr über den Brenner und durchquerte von Westen nach Osten das gesamte Südtirol, bevor er an Genua vorbei nach fast zwölf Stunden Fahrt Savona erreichte. Ich war wie gerädert von dieser Strapaze, als ich am Kreuzfahrtterminal ausstieg. Zum Glück ging die Einschiffung perfekt über die Bühne, so dass man einigermaßen Zeit hatte, sich wieder halbwegs zu erholen. In Savona herrschte Regenwetter und die Costa Classica stand stolz und mächtig unter den grauen Wolken im Hafen. Man hatte noch ein paar Stunden Zeit, um die Stadt ein wenig zu sehen. Ich flanierte entlang der Uferpromenade, bummelte durch die Altstadt, landete in einer italienischen Cafeteria und sah den Yachthafen. Dann ging es an Bord. Pünktlich um 16 Uhr legte das Schiff mit lautem Getöse ab. Ich genehmigte mir noch eine kleine Stärkung am Buffet. Bereits um 16.30 Uhr fand eine Seenotrettungsübung statt, bei der sich jeder Reisende seine Schwimmweste überziehen und am jeweiligen Treffpunkt einfinden musste. Das war wichtig und lustig zugleich. Später stand noch eine Variete-Show im Theater auf dem Programm, bevor im exklusiven Feinschmeckerrestaurant das Abendessen zelebriert wurde. Zum Abschluss eines anstrengenden Tages fiel ich ziemlich müde in meine Koje. Als ich am nächsten Morgen aufwachte, befand ich mich auf hoher See. Der Himmel war immer noch grau. Nach einem ausgiebigen Frühstück wurde die spanische Küste sichtbar, wo das Schiff planmäßig um 13 Uhr in Barcelona anlegte. Jetzt hatte man Gelegenheit, auszusteigen und die Stadt zu besichtigen. Es regnete leicht, doch bald war es trocken und warm, wenngleich sich die Wolken nicht vollständig verzogen. Mit einem Taxi gelangte ich zum Wahrzeichen Barcelonas, der seit 1882 nach den Plänen von Antoni Gaudi im Bau befindlichen Kirche "La Sagrada Familia". Das ist ein unbeschreibliches, einzigartiges Kunstwerk und gehört nicht umsonst zum Weltkulturerbe. Stundenlang besichtigte ich das Bauwerk - oder sollte man es die Baustelle nennen? - von innen und außen. In einer Ausstellung konnte man unter Anderem sehen, wie die Kirche nach der Fertigstellung aussehen soll. Jeder Besucher hegte wohl leichte Zweifel, ob es jemals zur Vollendung kommen wird. Leider war die Zeit zu kurz, um auch noch andere Bauwerke von Gaudi zu bestaunen. So ging es mit der U-Bahn anschließend Richtung Zentrum. Nach einer kurzen Verschnaufpause im "El Cafeto" wurde "La Rambla" erreicht, eine äußerst belebte Flaniermeile mit unzähligen Ständen, Künstlern und Attraktionen. Hier war einiges los! Die Zeit verflog in Windeseile und fast hätte ich das Schiff nicht mehr rechtzeitig erreicht. Das ging gerade nochmal gut. Am Abend führte das "Trio Mulero" im Theater Flamencotänze auf, bevor ich mir ein äußerst delikates Fünfgängemenü - der dritte Gang war eine Paella vom Allerfeinsten! - schmecken lies. Am nächsten Tag hieß es früh aufstehen und schnell frühstücken, denn bereits um acht Uhr legte die Costa Classica in Alicante an. Vor dem Hafen wurden Stadtrundfahrten mit dem Bus angeboten. Es ging vorbei am "Museo Marq" hinauf zur geschichtsträchtigen Burg, dem "Castillo Santa Barbara". Von hier oben hatte man eine hervorragende Aussicht auf die Stadt, den Hafen, der lang gezogenen Bucht und der für spanische Ortschaften obligatorischen Stierkampfarena. Die ziemlich große Burgruine war in einem sehr guten Zustand. Man konnte alte Geschütze bestaunen und sich an der üppigen Vegetation erfreuen. So dauerte es eine Weile, bis man alles gesehen und den höchsten Punkt der Festung erreicht hatte. Wunderbar! Nach dem Abstieg verging einige Zeit, bis der Bus wieder auftauchte und zur Stadt hinunter fuhr. Dort ging es vorbei am geschlossenen "Mercado Central" (es war Sonntag), um den "Plaza de Luceros" herum und dem "Estacion de Ferrocarril" zurück zum "Puerto del Mar". In der Nähe des Yachthafens erstreckt sich die "Esplanada de Espana", eine Flaniermeile mit Ständen und Künstlern, die mit 6,5 Millionen Marmorsteinen gepflastert sein soll und nicht ganz so lebhaft ist wie "La Rambla" in Barcelona. Ich erstand zu einem günstigen Preis ein Windspiel, das ich hin und wieder zur Erzeugung einer angenehmen Geräuschkulisse in die Birke im Garten hängen werde. Schon um 13.30 Uhr legte das Schiff ab und nahm Kurs auf Gibraltar. Zunächst konnte man noch an Deck faul in der Sonne liegen, doch dann zog immer mehr Sturm auf. Am Abend herrschten Windgeschwindigkeiten um 110 km/h. Auf Deck konnte man kaum noch stehen und das Schiff schaukelte durch die aufgewühlte See. Das war wirklich ein beeindruckendes Naturschauspiel! Als ich Abends im Theater saß, hob es mich abwechselnd fast aus dem Sessel und drückte mich anschließend wieder hinein. Einige Fahrgäste bekamen blasse Gesichter. Mir gefiel das Geschaukel. An diesem Abend gönnte ich mir im Restaurant sogar sechs Gänge und ließ mich anschließend in der Kabine in einen tiefen Schlummer wiegen.Im frühen Morgengrauen begab ich mich auf das Oberdeck, um den Sonnenaufgang über Gibraltar zu erleben. Nach dem Frühstück legte das Schiff am Cruise Terminal an. Gibraltar gehört zu Großbritannien und so war auch das Wetter. Dunstige Schwaden hingen in der Luft und es regnete wie in London. Bei einem Spaziergang durch die Innenstadt hätte man nicht glauben mögen, dass sich dieser Ort auf der iberischen Halbinsel befindet. Typisch englische Pubs, Briefkästen der Royal Mail, rote Telefonzellen, Restaurants mit Fish and Chips und eben dieses Wetter prägten das Bild. Es gibt eine Seilbahn, die zum Affenfelsen hinauffährt. Oben war es noch dunstiger und meine Regenjacke war schon völlig durchnässt. Patschnasse Affen lümmelten an der oberen Station herum und einer versuchte ganz frech, einem Touristen den Rucksack zu öffnen. Die Aussicht war nicht besonders gut. Gerade noch, dass man das Meer sehen konnte. Auf der anderen Seite des Berges blickte man nur in ein undurchdringliches Nebelloch. Mit der Seilbahn wieder unten angelangt und auf dem Rückweg zum Hafen, riss die Wolkendecke auf und die Sonne wärmte die durchgefrorenen Glieder. Die Costa Classica legte um 13 Uhr ab, schwamm vorbei an Algeciras und durchquerte die Straße von Gibraltar. Ungefähr vier Stunden lang konnte man Afrika und Europa gleichzeitig sehen. Dann ging es wieder hinaus aufs weite Meer. Abends trat im Theater Rob Torres auf, ein Komödiant, Spaßvogel, Artist und Mime der ganz besonderen Art - einfach Spitze! Zum Abendessen begnügte ich mich diesmal mit fünf Gängen, da mir gestern nach den sechs Gängen fast die Knöpfe aus der Weste geflogen wären. Dafür ging ich später noch zum Mitternachtsbuffet, das ausnahmsweise in der Küche aufgebaut war und somit einen interessanten Einblick hinter die Kulissen bot.In der folgenden Nacht wurden die Uhren um eine Stunde zurück gestellt und als ich am nächsten Morgen vom Oberdeck hinunter blickte, befand ich mich bereits im Hafen von Lissabon. Mit dem Shuttlebus ging es zur "Praca do Comercio", einem quadratisch angelegten Platz, der an drei Seiten von Prachtbauten mit Arkadengängen umgeben ist. In der Mitte des Platzes steht ein wuchtiges Reiterstandbild. Viele bunt bemalte Pilze aus Pappmache zierten die freie Fläche und erinnerten an die Rodung des Regenwaldes und die Verschwendung wertvoller Ressourcen. Durch einen Triumphbogen gelangt man in die Rua Augusta, einer lebhaften Fußgängerzone mit vielen exklusiven Geschäften, kunstvoll gemustertem Straßenpflaster und mit bunten Fliesen verkleideten Häusern. Folgt man den Schienen der Straßenbahn "Electrico 28", gelangt man zur Kathedrale "Se Patriarcal", hinter der sich ein Laubengang befindet, von dem aus sich eine wunderbare Aussicht über die Stadt und den Tejo bietet. Weiter bergauf befindet sich das "Castelo de Sao Jorge". Wieder in der Rua Augusta angelangt, sieht man den "Elevador de Santa Justa", einen Personenaufzug, der die Stadtteile Baixa mit dem höher gelegenen Chiado verbindet. Von oben sieht man die Festung und auf der gegenüberliegenden Seite die Ruinen der "Convento do Carmo", einer gotischen Kirche, die 1755 bei einem schweren Erdbeben zerstört wurde. Lissabon bietet viel mehr, als man an einem Tag sehen kann. Man könnte mehrere Wochen hier verbringen. Um 16 Uhr legte die Costa Classica ab, schwamm den Tejo hinunter, ließ das Gegenstück der berühmten Christusstatue von Rio de Janeiro links liegen und unterquerte die gigantische Brücke "Ponte 25 de Abril". Man konnte noch den Vasco-da-Gama-Turm sehen und an der Mündung des Tejo das Wahrzeichen von Lissabon, den zum Weltkulturerbe gehörigen "Torre de Belem". Dann ging es hinaus aufs weite Meer. Nachts wurden die Uhren wieder eine Stunde vorgestellt.Die Sonne strahlte und der Himmel war blau, als am nächsten Vormittag die andalusische Stadt Cadiz erreicht wurde. Die Anlegestelle befindet sich gleich neben einer Straße und liegt fast mitten im Ort. Nach ein paar Minuten zu Fuß steht man schon auf dem Platz vor der wuchtigen Kathedrale, in der sich das Grab des berühmtesten Sohnes der Stadt, dem Komponisten Manuel de Falla, befindet. Ein Gitarrist beschallte die "Piazza de la Catedral" mit spanischer Gitarrenmusik. Die Altstadt liegt auf einer Landzunge, die nur etwa einen Kilometer breit ist. So findet man sich beim Schlendern durch die verwinkelten Gassen, über unzählige Plätze und vorbei an etlichen Kirchen gut zurecht. Plötzlich stand ich mitten im Trubel eines lebhaften Marktes. Dort wurden unter anderem spanische Salami, Fische, Meeresfrüchte, Obst, Gemüse, Käse und lebende Schnecken angeboten. Am Ende der Landzunge liegt der "Parque Genoves", ein wunderbar angelegter, sehr gepflegter Garten mit vielen exotischen Pflanzen. Auf dem Rückweg zur Kathedrale sah ich noch das "Gran Teatro Falla". Dann gab es zur Stärkung Fingerfood und ein Leichtbier. Es war die Zeit der Siesta und nach und nach schlossen die meisten Geschäfte. Nun wurde es ruhig in den kühlen und schattigen Gassen und es war ein Genuß, die alten Gebäude zu betrachten. Das Schiff legte um 20 Uhr ab. Nach dem obligatorischen Theaterbesuch und einem abermals phänomenalen Abendessen lauschte ich noch dem kunstvollen Klavierspiel von Emanuele Quadrini in der Pianobar.Unbemerkt zu nachtschlafender Zeit durchquerte die Costa Classica wieder die Straße von Gibraltar und als ich morgens erwachte, befand ich mich bereits im Hafen von Malaga. Mit einem Shuttlebus konnte man das Hafengelände verlassen und an der "Paseo del Parque" aussteigen. Von hier aus war es nicht mehr weit zur auffälligen Kathedrale, die von außen und innen besichtigt wurde. Danach folgte ein ausgedehnter Fußmarsch hinauf zur alles überragenden Festung, dem "Castillo de Gibralfaro". Hier waren die Hänge mit Kakteen, Palmen und allerlei anderen südländischen Pflanzen bewachsen. Je höher man den Berg hochsteigt, desto besser wird die Aussicht und der Blick von der Burg hinab zur Stadt ist einfach unbeschreiblich. Auf dem Rückweg kann man noch die untere Festung, die so genannte "Alcazaba" sehen. Leider dauerte der Aufenthalt in Malaga nur knapp fünf Stunden, so dass man sich sputen musste, um das Ablegen des Schiffes nicht zu verpassen. Noch schnell ein Spaziergang über die Flaniermeile, die durch einen schön angelegten, lang gezogenen Park führt und schon ging es wieder an Bord. Es wäre sehr schön gewesen, hier eine längere Zeit verbringen zu können. Abends wurde im Restaurant Tivoli ein Gala-Diner vom Allerfeinsten aufgetischt. Dazu konnte man sich schon mal ein Fläschchen Rotwein schmecken lassen.Die Strecke von Malaga bis nach Savona wurde an einem Stück zurückgelegt, was bedeutete, dass das Schiff mehr als einen Tag ohne irgendwo anzulegen auf See war. Das Wetter war herrlich, so dass man sich an Bord faul in den Liegestühlen räkeln konnte. Auf dem Sonnendeck wurde ein Buffet aufgebaut und ich traute meinen Augen nicht, als ich sah, dass Weißwürste und Sauerkraut angeboten wurden. So etwas hatte ich im gesamten Mittelmeerraum noch nicht gesehen und die Passagiere aus den anderen Nationen schauten erstaunt, neugierig und zum Teil auch angewidert. Die Weißwürste entpuppten sich dann allerdings als gekochte Bratwürste. Auf der rechten Seite des Schiffes tauchte Mallorca auf und ich hätte nie gedacht, dass diese Insel so groß ist, denn es dauerte ziemlich lange, bis wir sie passiert hatten. An diesem Abend traten im Theater Colosseo keine Künstler auf, sondern Besatzung und Personal präsentierten unter dem Motto "We are the world" ein buntes Programm aus Tänzen und Liedern. Danach ein letztes Mal eines dieser unbeschreiblich leckeren Abendessen und der Abschied von unserem immer aufmerksamen und freundlichen Kellner. Tags darauf endete alles so, wie es begonnen hatte. Es regnete in Savona und ein Bus brachte uns auf die selbe umständliche und zeitraubende Art und Weise wie bei der Anreise zurück nach Augsburg. >> Fotos

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