Mittwoch, 26. September 2007

Auf Achse


Die Entscheidung, nach Berlin zu fahren, fiel schnell und spontan. Am Vormittag des 3. September ging es los. Mit meiner alten Rostlaube fuhr ich ungefähr sieben Stunden lang eine Tankfüllung leer. Dann war ich in der Bundeshauptstadt im Bezirk Kreuzberg, Jahnstrasse 7. Gleich am selben Abend fuhr ich mit der U-Bahn zum Alexanderplatz, um mich etwas umzusehen. Dann ließ ich einen anstrengenden Tag in der Pizzeria Masaniello gemütlich ausklingen. Der nächste Tag begann im Wirtshaus Hasenheide, wo man sich für 3,40 Euro am Frühstücksbuffet laben konnte, so lange und so viel man wollte. Gut gesättigt fuhr ich danach ins Regierungsviertel. Dort sah ich den Reichstag, dessen Kuppel ich aber nicht bestieg, denn ich wollte mich nicht an einer ewig langen Schlange hinten anstellen. Um den Reichstag herum gibt es allerhand moderne Architektur zu bewundern. Fast mutete es mich an, als wäre hier der Adel der Neuzeit zuhause. Das Paul-Löbe-Haus ist mit dem Marie-Elisabeth-Lüders-Haus durch zwei Brücken verbunden. Unten eher ein Steg für das gemeine Fußvolk und oben, hoch darüber eine überdachte Brücke mit verglasten Seitenfenstern für die Damen und Herren Staatsdiener. Wirklich eine symbolische Stelle! Gegenüber dem Reichstag steht das Bundeskanzleramt. Die Kanzlerwohnung steht leer, denn unserer Bundeskanzlerin ist diese Luxusbehausung wohl nicht gut genug. Egal. Das niedere Volk übernimmt schließlich sämtliche anfallenden Kosten. Nachdem ich meinen Ärger heruntergeschluckt hatte und von einem kräftigen Regenschauer durchnässt war, warf ich einen Blick in die Straße des 17. Juni zur Siegessäule, bevor ich durch das Brandenburger Tor ging. Danach besichtigte ich noch das Jüdische Mahnmal und schlenderte ein Stück weit "Unter den Linden". Vom gleichnamigen U-Bahnhof fuhr ich zur Friedrichstraße, wo ich ein Boot bestieg, um eine vierstündige Fahrt auf der Spree und dem Landwehrkanal zu erleben. Es ging durch etliche Schleusen und unter sehr niedrigen Brücken hindurch an älteren und neueren Bauwerken vorbei. Besonders beachtlich fand ich dabei die Oberbaumbrücke, das Quartier DaimlerChrysler oder die alten, verlassenen Speicher. Erwähnenswert ist auch ein Kraftwerk, das nach dem Mauerfall erbaut wurde, bevor man feststellte, dass dafür überhaupt kein Bedarf besteht. So steht es jetzt verlassen in der Landschaft als Industriedenkmal. An einer anderen Stelle wurde eine große Wohnanlage errichtet, in die die Beschäftigten der Botschaften und Diplomaten einziehen sollten. Doch denen waren die Gebäude nicht gut genug, so dass auch hier Unsummen förmlich in den Sand gesetzt wurden. Auch der neue Berliner Hauptbahnhof ist ein Beispiel schlampiger Planung. Als er fertig war, stellte man fest, dass die Halle zu kurz geriet und der ICE nicht in seiner vollen Länge hineinpasst. Einfach genial! Nach dem Ende der Bootsfahrt fuhr ich wieder zum Alexanderplatz, um vom Fernsehturm aus über die Stadt zu blicken. Für 8,50 Euro wurde eine wunderschöne Aussicht geboten. Abends war ich im "Horus", einem Lokal, das zu äußerst günstigen Preisen ägyptische Spezialitäten anbot. Tags darauf ging es schnurstracks zum Bahnhof Zoo. Auf der Straße hörte ich die Klänge der Straßenmusikanten und auch ein Leierkastenmann orgelte sein Gedudel in die Menge. Ich betrat den Zoo und blieb an einem Gehege, vor dem besonders viele Leute mit gezückter Kamera standen, stehen. Da war er nun also, der weltberühmte Eisbär Knut. Das drollige Kerlchen war ziemlich aktiv und eher grau als weiß. Ein Zooangestellter erklärte, dass Knut's Fell lediglich schmutzig ist. Natürlich betrachtete ich auch die anderen Tiere. In dem Moment, als ich zu den Nilpferden kam, streckte gerade ein riesiger Koloss seinen Kopf aus dem Wasser, riss sein Maul auf, posaunte einen lauten Brüller heraus und verschwand wieder im trüben Nass. Das ging alles so schnell, dass ich es leider nicht fotografieren konnte. Ein junges Nilpferd war da schon ausdauernder. Doch sein Maul war bei weitem nicht so groß und die Töne, die es von sich gab, glichen eher einem dezenten Schnarren als dem wuchtigen Schall einer Posaune. Interessant waren auch die Raubkatzen, die just in dem Moment, als ich vorbeikam, gerade gefüttert wurden. Erwähnenswert sind auch noch das Elefantentor und das orientalische Giraffenhaus. Nachmittags verließ ich den Zoo und lief über den Breitscheidplatz zur Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche und von da aus den Kurfürstendamm entlang. Danach ging es zum Wittenbergplatz und in die Tauentzienstrasse zum Kaufhaus des Westens. Als mir die Füße brannten, beschloss ich, mit einem Doppeldeckerbus vom Wittenbergplatz quer durch die Stadt bis zum Hermannplatz zu fahren. Dann war ich wirklich geschafft. Nachts ratschte ich noch bei ein paar Gläsern Pilsener in einer Kneipe schräg gegenüber meinem Domizil in der Jahnstraße mit Ortsansässigen. Das war wirklich ein feuchtfröhlicher Abend!
Am Donnerstag nach dem Frühstück in der Hasenheide fuhr ich zur East-Side-Gallery, die sich zwischen den Haltestellen Ostbahnhof und Warschauer Strasse befindet. Dort steht noch ein längeres Stück der Berliner Mauer, die zum Teil von Künstlern bemalt wurde. Leider sind auch immer wieder Schmierereien zu sehen und manche Banausen schreckten nicht davor zurück, selbst die schönsten Kunstwerke zu verunstalten. Durch Lücken zwischen den Mauersegmenten sieht man den ehemaligen Grenzstreifen und die zweite Mauer. So lässt es sich heute noch halbwegs erahnen, wie es vor dem Oktober 1989 war. Anschließend fuhr ich nach Kreuzberg und schlenderte durch Klein-Istanbul, besuchte den Checkpoint Charlie und die Reste des alten Anhalter Bahnhofs. Nach einer Pause im Cafe Stresemann ging ich zu Fuß zum Potsdamer Platz. Unterwegs passiert man das Abgeordnetenhaus und in einer kleinen Seitenstrasse einen Wachturm aus DDR-Zeiten. Der Potsdamer Platz selbst ist gigantisch. Quer über der Straße zum Leipziger Platz sieht man an einem gepflasterten Streifen den Verlauf der ehemaligen Berliner Mauer. Sonst ist alles neu hier. Spaziert man durch die futuristischen Gebäude, kommt man sich fast vor wie irgendwann in ferner Zukunft. Unglaublich! Danach, am späten Nachmittag, fuhr ich mit der S-Bahn nach Charlottenburg. Beim Umsteigen am Kaiserdamm konnte ich noch den Funkturm sehen. Am Schloss Charlottenburg wanderte ich durch den Park und den Schlosshof. Als ich ging, wurde hinter mir zugesperrt.
Am Freitag war ich ein letztes mal im Wirtshaus Hasenheide. Danach trat ich mit vollem Magen, vielen Erinnerungen, Eindrücken und Aha-Erlebnissen die Rückfahrt an. Berlin ist wirklich immer eine Reise wert.

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Am 17. September ging es mit der Bahn nach Bad Kissingen. Eine Kneipenkur mit meinem Bruder durfte da nicht fehlen. Am 23. September war ich in Utting am Ammersee - ein wunderbarer Tag!
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Und am letzten Septemberwochenende musste ich noch ein paarmal nach München fahren...

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