Samstag, 21. April 2007

Blumenriviera

Die Rundreise mit dem Bus begann am Dienstag nach Ostern früh morgens um 5.50 Uhr am Augsburger Plärrer. Zügig ging es über Landsberg, Memmingen und Lindau vorbei am Bodensee nach Österreich, wo in Hohenems an der Raststätte Rosenberger die erste kurze Pause eingelegt wurde. Danach führte die Fahrt weiter entlang der Grenze zu Liechtenstein in die Schweiz. In Graubünden liegt die Gegend, in der "Heidi" von Johanna Spyri spielt. Deswegen wird diese Region heutzutage "Heidiland" genannt. Es war fast unglaublich, wie sich von nun an die Landschaft rasant veränderte. Die Berge wurden immer höher und die Täler immer tiefer, atemberaubende Aussichten boten sich dar und man hätte anhalten und das Panorama genießen wollen, doch die Zeit drängte. Idyllische Dörfer und halb verfallene Burgruinen säumten die Paßstraße, die sich bis auf eine Höhe von über 1600 Metern hochschraubte. Dann führte der 6,6 Kilometer lange San Bernardino-Tunnel unter dem Alpenhauptkamm auf die Südseite des Hochgebirges. Von nun an ging es bergab. Der Bus passierte Bellinzona und war mittags am Luganer See angekommen. Lugano erschien mir als eine saubere und ordentliche Stadt, die Bewohner sind zwar zahlreich, aber sehr ruhig und geradezu unauffällig. Eine prächtige Promenade führt am See entlang und die Grünanlagen sind farbenfroh bepflanzt. An der Vegetation ist leicht zu erkennen, dass diese Gegend vom Mittelmeerklima geprägt wird. Der blaue Himmel spannte sich über den von Bergen umgebenen Luganer See, in dem sich die Sonne spiegelte. Etwas störend wirkten die vielen Baustellen mit ihren Kränen und eingerüsteten Häusern. Beim Gang durch die die Einkaufspassagen oder in der Fußgängerzone konnte man sich von dem hohen Preisniveau dieser Gegend überzeugen. Nachmittags setzte sich der Bus wieder in Bewegung und überquerte die schweizerisch-italienische Grenze. Auf der Autobahn fuhr er Richtung Süden vorbei an Mailand bis nach Genua. Dann ging es nach Westen an der Küste der italienischen Riviera entlang bis nach Diano Marina. Nach einem ausgezeichneten Abendessen fiel ich todmüde in mein gut gepolstertes Bett im Hotel Torino. Der folgende Tag begann mit einem kräftigen Frühstück. Um 7.30 Uhr startete der Bus in Diano Marina und fuhr in westlicher Richtung über die Grenze nach Frankreich. Die Fahrt dauerte nicht besonders lange und schon war das Fürstentum Monaco erreicht. Der erste Halt war oberhalb des Bezirks Fontvieille, wo sich ein exotischer Garten befindet. Dieser wurde vor einiger Zeit in mühsamer, über zehn Jahre dauernden Arbeit angelegt. Dort wachsen unter anderem zahllose Kakteen, die mittlerweile eine beachtliche Größe erreicht haben. Um die mit allerlei tropischen Pflanzen in den verschiedensten Formen und Farben bewachsenen steilen Felsklippen zu beschreiben, fehlen mir die Worte. Der ganze Garten ist ein einzigartiges Meisterwerk. Hier und da eröffnet sich ein Blick auf das darunter liegende Monte Carlo, auf den Grimaldi-Palast, den Hafen oder dem Stadion des AS Monaco. Einfach sagenhaft! Nach diesem beeindruckenden Erlebnis verlies der Bus wieder das Fürstentum und nahm Kurs auf das nahe gelegene Nizza. Dort stand erstmal eine Stadtrundfahrt auf dem Programm. Es ging vorbei an modernen, futuristischen Gebäuden wie der Bibliothek und an alten, geschichtsträchtigen Bauwerken, am Hotel Negresco und anderen Nobelabsteigen und an einer Basilika, wie man sie eigentlich nur in Moskau erwartet hätte. An der pompösen Strandpromenade begann ich, die Innenstadt zu Fuß zu erkunden. Enge, verwinkelte Gassen mit Häusern im italienischen Stil und belebte Märkte mit Blumen, Obst, Gemüse, Meeresfrüchten, Gewürzen und Gemälden prägten das Bild. Zwischen all diesem Treiben lagen immer wieder gemütliche Straßencafes wie Oasen der Ruhe. Nach einem schmackhaften, belegten Baguette bestieg ich wieder den Bus, der nochmals hoch oben über der Stadt anhielt und einen letzten genussvollen Blick über die Dächer von Nizza bot. Dann ging es über die Höhenstraße zurück ins Fürstentum Monaco. Im Bezirk Monaco-Ville ist in einem monumentalen Gebäude das Ozeanische Museum untergebracht. Das Kernstück ist ein riesiges Aquarium, das über zwei Stockwerke reicht und das Leben im Wasser an den Korallenriffen vor Australien darstellt. Darin tummeln sich Meerestiere aller Art. Die dem Land zugewandte Seite wird hauptsächlich von bunten Fischschwärmen bewohnt. Auch eine große Meeresschildkröte war zu sehen. Auf der dem Ozean zugewandten Seite befanden sich größere Fische. Besonders auffällig waren dabei verschiedene Haie. Das Museum beherbergt außerdem noch etwa 250 kleinere Aquarien und Ausstellungsräume mit Gegenständen wie Skelette von Walen, einer Nachbildung der Santa Maria oder Utensilien der Antarktisexpedition von Fürst Albert III. Nach diesem interessanten Besuch ging ich zum Fürstenpalast, beobachtete die Garde und bewunderte die prunkvollen Gebäude. Auf dem Rückweg drehte ich noch eine Runde durch die Kathedrale, in der die Fürsten beigesetzt sind. Die Gräber von Gracia Patricia und Rainier III. waren mit Blumen geschmückt. Wer in Monaco ist, muss auch nach Monte Carlo. Der Bus fuhr ein Stück auf der Rennstrecke des Grand Prix. Der Aufbau der Tribünen für das nächste Rennen war bereits voll im Gange. Am Renntunnel stieg ich aus und fuhr mit einem Aufzug hoch. Oben war der Platz mit dem Casino, dem Hotel de Paris und dem Cafe de Paris. Rolls Royce, Ferrari, Lamborghini und andere Nobelkarossen waren auffällig geparkt. Danach ging es noch vorbei am Hafen, dessen Liegeplätze mit teuersten Luxusyachten belegt waren. In Monaco wohnen die Reichsten der Reichen. Es ist eine andere Welt. Am dritten Tag fuhr der Bus nach Osten. Am Hafen von Genua hielt er an, um Gelegenheit zu einer Hafenrundfahrt zu bieten. Dort befanden sich verschiedene alte und moderne Gebäude und ein Piratenschiff, das für einen Film von Roman Polanski gebaut wurde. Das Boot schipperte durch alle Bereiche im Hafen und man hatte einen weiten Blick auf die Stadt und ihr Wahrzeichen, dem Leuchtturm. Auch der Komplex, den die Genueser als "großen Bleistift" bezeichnen, war gut zu sehen. Wieder an Land wurde eine Stadtrundfahrt angeboten. Es herrschte ein ziemliches Verkehrschaos. Man sah allerhand Mauern, Paläste, Kirchen und den Platz mit der Kolumbusstatue. Ich war ein wenig enttäuscht, dass ich keine Gelegenheit bekam, den Bus zu verlassen, um die Altstadt zu Fuß zu erkunden. Es ging sofort weiter nach Rapallo. Der Ortskern von Rapallo ist wirklich sehenswert. Während der Siesta ist es eine Wohltat, durch die ruhigen, verwinkelten Gassen zu wandeln. An der Uferpromenade fand gerade der Wochenmarkt statt und nebenan lag der Schiffslandesteg. Dort bestieg ich ein Boot und fuhr über Santa Margherita nach Portofino. Dieses kleine Fischerdorf mit seinem kleinen Hafen und den bunten Häusern sieht wie ein Gemälde aus. Ich stieg den Berg hoch, auf dem eine Kapelle steht und hatte von dort eine einzigartige Aussicht auf den Ort, das Meer und den nächsten Gipfel, auf dem eine alte Burg steht. Ich spazierte durch die Gässchen und gönnte mir ein leckeres Eis, bevor es wieder mit dem Boot zurück nach Rapallo ging. Von dort aus fuhr der Bus nonstop nach Diano Marina. Am nächsten Tag ging es erst durch mehrere Dörfer nach Alassio. Viel Prominenz war dort schon zu Besuch. An einem Mäuerchen kann man viele Keramikplatten sehen, die diesen Prominenten gewidmet sind. Unter ihnen waren Leute wie Louis Armstrong, Zarah Leander oder Ernest Hemmingway, der längere Zeit mit seinem Papagei im Hotel gegenüber wohnte. Nach einem kurzen Rundgang ging es weiter nach Albenga, das eine sehr gut erhaltene, mittelalterliche Altstadt besitzt. Vieles ist dort im romanischen Stil erbaut. Herausragend sind auch die sogenannten Geschlechtertürme. Ganz große Klasse! Eigentlich sollte es dann landeinwärts nach Pieve di Teco gehen und ich freute mich schon auf die gotischen Laubengänge, doch wegen Straßenbauarbeiten war es unmöglich, den Ort zu erreichen. So landete ich im verschlafenen Bardineto, das hoch oben im ligurischen Apennin liegt und nur über unendliche Serpentinen zu erreichen ist. Im Dorfgasthaus staunte man nicht schlecht über den überraschenden Besuch. Auch eine schöne Barockkirche hat der Ort vorzuweisen. Im etwas tiefer liegenden, kleinen aber feinen Zuccarello gibt es eine zierliche Altstadt mit Mauern, Türmen, Laubengängen, welche mich für das ausgefallene Pieve di Teco entschädigten, und einer alten Brücke. Auch dort war der Fluss wie im gesamten Ligurien ausgetrocknet, denn der vergangene Winter war schneefrei, doch in diesem Gebiet ist man auf das Schmelzwasser angewiesen. Die Einwohner befürchten eine Katastrophe. Auf dem Rückweg wurde noch ein Blick auf Castelvecchio di Rocca Barbena mit seiner großen Ritterburg geworfen. Nachmittags war ich wieder in Diano Marina. Dort schlenderte ich noch durch das Städtchen mit seinen Pommeranzenbäumen, die noch Früchte trugen und doch schon wieder blühten. Ich kaufte handgemachte italienische Nudeln und in einem Feinkostladen wertvollstes ligurisches Olivenöl der allerbesten Sorte aus der Region Imperia sowie Pesto mit Basilikum und Knoblauch. Tags darauf begann die Rückreise. Es ging vorbei an Savona, Mailand und Como, wo man von der Autobahn aus eine schöne Aussicht auf den Comer See hat. In Bellinzona wurde eine längere Pause eingelegt. Vor der Durchfahrt durch den San Bernardino-Tunnel auf die Nordseite der Alpen kurvte der Bus einige Kilometer auf der alten Paßstraße durch das eindrucksvolle Mesolcina-Tal. Danach kam wieder Graubünden mit seinem Heidiland, Liechtenstein, Hohenems, Bregenz und dann die altbekannten heimatlichen Gefielde.
Fotos:
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