Sonntag, 31. Dezember 2006

Wetterkapriolen 2006

Der Winter war sehr, sehr lang. Unendliche fünf Monate war die Erde mit Eis und Schnee bedeckt. Ende Februar dachte ich noch, der Frühling würde jetzt endlich bald kommen. Doch am Abend des 4.3. fing es an, unaufhörlich und stark zu schneien. Die Äste der Bäume bogen sich unter der schweren Last bis auf den Boden und die ganze Umgebung versank in einer hüfthohen Schneedecke. Wer sich die Fotos, die ich tags darauf während eines Rundgangs in Deuringen schoß, ansieht, möchte nicht glauben, daß diese Bilder im März entstanden sind. Natürlich dauerte es eine ganze Weile, bis diese gewaltigen Schneemassen vollkommen abgetaut waren. Danach war der Boden morastig, naß und schwer. Einige Sträucher, die geraume Zeit von der schweren Schneelast gebeugt waren, fanden ihre ursprüngliche Haltung nicht wieder. Aber sonst ist nochmal alles gutgegangen.
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Fotogalerie: Ein Spaziergang durch Deuringen am 5. März 2006
So begann dieses Gartenjahr gut einen Monat später als sonst. An Ostern blühten Krokusse, Primeln und Schneeglöckchen, doch die Narzissen waren noch alle geschlossen. Bald danach aber entwickelte sich alles ziemlich rasch und sämtliche Frühjahrsblüher entfalteten fast gleichzeitig ihre bunte Blütenpracht. Gänzlich unbeeindruckt vom vergangenen Winter sprossen die Kräuter wie gewohnt aus dem Boden. Beerensträucher, Wein und Klematis bildeten Knospen und auch die Kletterrosen hatten die Eiszeit offenbar ohne Schaden überstanden. Wuchtig trieb der Rittersporn aus und dem Rhabarber konnte man beim Wachsen fast zusehen. Nachdem die Beete umgegraben und vom Unkraut befreit waren, begann ich mit dem Gemüseanbau. Die Schnittlauchstöcke wurden geteilt und umgesetzt, im Frühbeet wurde Kopfsalat gepflanzt und im Freien Kohlrabi. Ich ließ 12,5 Kilo Saatkartoffeln in meinem Acker verschwinden und setzte die Steckzwiebeln. Außerdem wurden Petersilie, Karotten, Radieschen und Eiszapfen ausgesät. Salbei und Ysop bekamen einen kräftigen Schnitt und ein Teil des Zitronenthymians einen zweiten Platz. Das Gewächshaus bedurfte einer gründlichen Reinigung, denn die Scheiben waren mit grünen Algen und Moos bedeckt und in seinem Inneren wechselte ich die Erde aus. Am 20. Mai kamen die Tomatenpflänzchen ins Freie. Gurken, Melonen, Paprika und Peperoni erhielten warme Plätzchen unter Glas.
Ab Mitte Juni stiegen die Temperaturen deutlich an. Wunderbar war, wie Pfingstrosen und Rittersporn in ihren kräftigen Farben blühten. Zwischendurch entlud sich ein Hagelschauer, der Deuringen zum Glück nicht voll traf. Einige zerfetzte Blätter und Blüten blieben dennoch zurück, doch das Gewächshaus hielt Stand und der Schaden hielt sich in Grenzen. Das Hochsommerwetter setzte sich auch im Juli fort und es herrschte zeitweise eine fast schon unerträgliche Hitze. Es war der heißeste Juli seit Beginn der Wetteraufzeichnungen im Jahr 1901. Schon wieder ein neuer Rekord! Es gab viele Beeren zu ernten und Gurken in großen Mengen. Auch die Melonen entwickelten sich außerordentlich gut. Leider wuchsen Schmuckkörbchen, Sonnenblumen und Kapuzinerkresse nicht mehr von selbst nach. Scheinbar tat ihnen der ewig lange Winter nicht gut. Auch Ringelblumen und Nachtkerzen traten nicht in der Anzahl auf, wie ich es eigentlich schon gewöhnt war. So wurden relativ spät noch einige Blumen ausgesät und eingepflanzt. Auf den heißen Juli folgte der kälteste August seit fünfzig Jahren. Nicht selten sanken die Temperaturen unter 10°C. Vor allem meine Melonenpflanzen begannen darunter zu leiden und auch den Gurken gefiel diese Kälte nicht. Es regnete sehr viel, was auch den Tomaten nicht zuträglich war. Bald schon waren im Garten die ersten Zeichen des kommenden Herbstes zu sehen. Anfang September erntete ich die Kartoffeln. Obwohl sie dieses Jahr zwar nicht sonderlich groß geworden sind, so war die Menge doch beachtlich. Nach der Ernte gab es wieder ein wärmendes Lagerfeuer.
Der September zeigte sich von seiner besten Seite und brachte einen herrlichen Altweibersommer. Sogar meine ziemlich spät gezogenen Sonnenblumen wurden über zwei Meter hoch und kamen noch zur vollen Blüte. Auch die Astern waren eine Augenweide und sogar Pilze wuchsen in der Nähe des Komposthaufens. Ab Oktober wurde es dann nach dem Sonnenuntergang merklich kühler.
Tagsüber war es aber weiterhin warm (die Temperaturen erreichten meistens mindestens die 20°-Marke), so daß man auch in diesem Jahr wieder ohne zu übertreiben von einem Goldenen Oktober sprechen konnte. Die mannshohen Bechermalven und die unermüdlich blühenden Dahlien waren eine Pracht. Gegen Ende des Monats leerte ich die Regentonnen und erntete noch Karotten, Topinambur und verschiedene Kräuter wie Petersilie, Majoran, Estragon, Thymian, Rosmarin und Minze.
Kaum war der Oktober vorbei, wurde es langsam winterlich. In der Nacht zum 2. November gab es den ersten Frost und den ersten Schnee. Die Kälte hielt jedoch nicht besonders lange an und wurde schon bald durch eine Wärmeperiode, wie ich es in dieser Jahreszeit noch nie erlebt hatte, abgelöst. Viele Pflanzen blühten wieder auf, sogar die Erdbeeren. Seit Beginn der Wetteraufzeichnungen ist es nach einem 20. November noch nie wärmer gewesen als am 26.11.2006.
Im Dezember sanken die Temperaturen zwar ab und zu unter 0°C, doch Schnee wollte keiner fallen. Insgesamt war auch dieser Monat zu warm für die Jahreszeit. Am 4. wurden Barbarazweige geschnitten. Wühlmäuse und Maulwürfe tobten sich im Garten aus, doch nach dem Einsatz meines Schalljägers waren sie schnell verschwunden. Am 30. Dezember erntete ich bei mildem Wetter frischen Rosmarin und tags darauf neigte sich ein verrücktes Jahr dem Ende zu.

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