Sonntag, 19. November 2006

Orient-Express

An diesem Wochenende gab es im Bahnpark Augsburg an der Firnhaberstraße die außerordentlich seltene Gelegenheit, einen echten Orient-Express von außen und innen zu besichtigen. Der legendäre Zug war komplett im Stil der 1920er-Jahre restauriert. Hinter einer Dampflokomotive waren mehrere Wagen der ersten und zweiten Klasse angehängt. Alles war blank geputzt und liebevoll gepflegt. Dort konnte man in schweren Polstermöbeln thronen, die handwerkliche Kunst bewundern und die vielen netten Einzelheiten aus der guten alten Zeit betrachten. Im stilvoll eingerichteten Salon, dezent beschallt von den zeitverschwenderisch beruhigenden Klängen eines Pianisten, saß einst Gromyko wohl solange, bis die letzte Flasche geleert war. In den abgeschlossenen Separees waren die Tafeln aufgetischt, als warteten sie noch immer auf Charles de Gaulle und sein Gefolge. Oder sollte dort vor Jahrzehnten ein heimliches Treffen zwischen George Pompidou und König Baudoin vorbereitet worden sein? Hier ist die Zeit irgendwann stehen geblieben. Ein Blick ins Klo, auf dem sich womöglich schon Königin Elisabeth II. erleichterte, durfte auch nicht fehlen. Der Gipfel wäre nur noch gewesen, wenn Margaret Rutherford - natürlich als Miss Marple verkleidet - mir aufgelauert hätte, um mich plötzlich aus heiterem Himmel des Mordes zu bezichtigen.
Schade eigentlich, daß ich mir es nicht leisten will, für eine exklusive Fahrt nach Salzburg und zurück einen Preis zwischen 330 € und 385 € pro Person zu zahlen...

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