Dienstag, 3. Oktober 2006

Das Parfum

Tom Tykwer inszenierte die Geschichte in erdigen Braun- und Sepiatönen gehaltenen, leicht melancholischen, ruhigen Bildern mit oppulenter, detailreicher Ausstattung und ebensolchem Score. Um den Zuschauern Gefühle und Gedankengänge des weitgehend sprachlosen Grenouille näher zu bringen, führt Otto Sander als Erzähler durch die Geschiche - und im Gegensatz zu vielen anderen Filmen macht hier der Erzähler, der sich zu Anfang recht häufig aber im weiteren Verlauf immer seltener zu Wort meldet, wirklich Sinn. Dennoch mussten die Filmemacher auf einen zentralen Teil des Romans verzichten: In Süskinds Vorlage zieht Grenouille sich für mehrere Jahre in die Berge zurück, wo er sich fernab jeder Zivilisation seinen Selbstzweifeln, dem gleichzeitigen Größenwahn dem Ekel vor den Menschen und dem Zynismus hingibt und schließlich die Idee entwickelt ein eigenes Parfum herzustellen.Im Film ist es nur ein kurzer Aufenthalt in den Bergen, der Grenouille zwar (wie im Roman) den fehlenden Eigengeruch erkennen, aber nicht in Zynismus, Ekel und Größenwahn fallen lässt. Aber nicht nur Grenouille, sondern das gesamte Figurenensemble, kommt einen Tick sympathischer daher als im Roman. Die Darsteller liefern, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, eine großartige Leistungen ab. Die Performance von Dustin Hoffman als Parfumeur Baldini, Grenouilles Lehrmeister, ist allein schon das Eintrittsgeld wert und auch der 25jährige britische Hauptdarsteller Ben Whishaw ist ein Glücksgriff. Sein Grenouille ist ein großäugiger, schmaler aber doch kraftvoller, verschüchterter junger Mann, der die Welt mit verwunderten Blick betrachtet und erst beim Mischen von Düften Selbstsicherheit findet. Ein verwirrter Außenseiter, den man trotz seiner grausamen Taten ins Herz schließt und kaum als Massenmörder wahrnimmt. Kurzum: Ein komplett gelungener Film, der mit ruhigen, melancholischen Bildern, oppulenter Ausstattung und großartiger Besetzung lockt. (http://www.spielfilm.de/)
Dem habe ich nichts hinzuzufügen. Aber warum der Hauptdarsteller keinen Buckel hatte, verstehe ich nicht.

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