Sonntag, 10. September 2006

Hanflabyrinth Bayern

Nur Landwirte, die im Besitz einer Sondergenehmigung sind, dürfen heutzutage unter strengen Auflagen in Deutschland Hanf anbauen. Dabei haben die Bauern keine große Auswahl, welche Sorten sie säen möchten, denn es werden nur solche zugelassen, die für die chemische Industrie profitversprechend sind. Zeitweise war der Hanfanbau gänzlich verboten. Ein ganzer Zweig der heimischen Landwirtschaft wurde für die Interessen der Holzbauern (Papierherstellung) und Baumwollfarmer (Textilien) geopfert. Seit das Anbauen von Hanf unter Auflagen wieder erlaubt ist, erholt sich diese Sparte langsam. Das Wissen um diese Jahrtausende alte Kulturpflanze wird wieder ausgegraben und das Unverständnis über die annähernde Ausrottung erwacht immer mehr. Hanf ist ein ständig nachwachsender, wertvoller Rohstoff, der in wenigen Monaten eine Ertragsmenge von bis zu 10 Tonnen pro Hektar Ackerland abwirft. Er kann vielseitig verwendet werden. Zur Papierherstellung eignet er sich hervorragend, da er schnell wächst (man bedenke, wie lange ein Baum braucht, bis er gefällt wird) und ein viel haltbareres Papier abgibt als das aus Holz. Die erste gedruckte Bibel der Welt von Johannes Gutenberg ist aus Hanf und heute noch erhalten. Auch zur Herstellung von Textilien eignet sich das Material dieser Faserpflanze sehr gut. Kleidung aus Hanfstoffen ist sehr angenehm zu tragen. Sie wärmt bei Kälte und ist leicht und luftig bei Wärme. Ich selbst besitze seit mehreren Jahren eine Hose aus Hanf und bin sehr zufrieden damit. Auch die ersten Levis-Jeans waren Hanfhosen. Durch seine langen und reißfesten Fasern werden die Stoffe sehr robust. Das ist unter anderem einer der Gründe, warum Hanfseile weltweit besten Ruf genießen. Auch als Lebensmittel eignen sich Teile des Hanfes. Aus den Körnern lassen sich sehr gesunde und wertvolle Öle herstellen sowie auch Mehl. Wer schon einmal ein Hanfsaatenbrot probiert hat, wird es nie vergessen. Große Mengen Hanf werden heute in der Automobilindustrie und beim Hausbau verwendet, da sich daraus vorzügliche Dämmstoffe herstellen lassen. Kurz bevor Hanf verboten und geächtet wurde, entwickelte Henry Ford in den USA ein Auto, dessen Karrosserie vollkommen aus Hanf hergestellt war. Auch der Motor wurde mit Treibstoff aus Hanf angetrieben. Durch die Aufnahme der Faserpflanze ins Betäubungsmittelgesetz kam es nie zur Massenherstellung dieses Fahrzeugs. Auch in der Medizin finden Hanfprodukte Verwendung. In vielen Ländern der Welt verordnen Ärzte bei Bedarf THC-haltige Arzneimittel aus Cannabis. Das ist bei uns verboten, denn nur von der pharmazeutischen Industrie hergestellte Medikamente werden zugelassen. Hanf kann auch als Droge verwendet werden, was aber im Vergleich zum Alkoholmissbrauch relativ harmlos ist. Es gibt weder Hanfsüchtige noch Hanftote und das Märchen von der Einstiegsdroge zu Opiaten wird mittlerweile sogar von den Gerichten nicht mehr geglaubt. Wer sich mit der Geschichte des Hanfs befasst, wird schnell feststellen, daß das Verbot eher wirtschaftliche, kapitalistische und rassistische Hintergründe hat.
Gestern besuchte ich das Hanf-Labyrinth Bayern in Pulling bei Freising. Dort kann man einiges über Geschichte und Verwendung des Hanfs erfahren. Das Labyrinth erstreckt sich über ein großes Feld. Wenn man darin wandelt, ähnelt es einem Dschungel und ein würziger Geruch liegt in der Luft. Die über zwei Meter großen, stattlichen Pflanzen sehen mit ihren fingerigen und filigranen Blättern und den knorrigen Blüten einzigartig aus. Man könnte sie ohne weiteres auch als Zierpflanzen halten. Solch ein gigantischer Strauch wäre in meinem Garten sicherlich eine Attraktion und ein Blickfang für Jeden. Leider bekommen Hobbygärtner keine Sondergenehmigung zum Anbau von Hanf. Da ist wohl der Profit den Großkapitalisten nicht hoch genug. Bis ein Gärtner wieder selbst frei entscheiden darf, was er anpflanzen möchte und was nicht, freue ich mich, daß in unserem Staat wenigstens Kopfsalat und Radieschen noch nicht verboten sind.
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