Donnerstag, 8. Dezember 2005

Das Schneckenjahr 2005

Der Winter war hartnäckig und dauerte ziemlich lange. Bis Mitte März lag immer noch Schnee. Doch als dann die ersten Frühlingsblüher aus dem Boden spitzelten, kamen auch schon die ersten Schnecken anmarschiert. Bereits an Ostern waren die Salatpflänzchen angefressen. Der Kampf gegen die Schneckenplage begann und wollte nicht mehr enden.
Die Hoffnung auf eine Besserung zum Sommeranfang zerschlug sich schnell, denn es war meistens warm und regnerisch - wirklich ein optimales Schneckenwetter. Die ekligen Schleimer wurden immer zahlreicher, fetter, länger und gefräßiger. Als Schneckenjäger, bewaffnet mit einer Schere, ertappte ich bei jeder Runde durch den Garten ganze Horden auf frischer Tat. Wiederholte ich dieselbe Prozedur nach einer Viertelstunde abermals, erwischte ich nochmals mindestens genauso viele. Stieg ich dabei über Steinplatten oder durchkämmte den Rasen, lief ich oft Gefahr, auszurutschen.
Im Juli verzehrten die Schleimer in kürzester Zeit drei ausgewachsene Zucchini. Am ersten Tag wurden sie geschält, danach machten sich die Schädlinge über das weiße Fruchtfleisch her. Ein ähnliches Bild war bei den Kürbissen zu beobachten. Außerdem hatte ich fünf Büsche Schwertlilien und Iris in blau und gelb, die allesamt vernichtet wurden. Sogar das Unkraut hinter den Johannisbeersträuchern war bis auf die Stengel abgenagt. Die Petersilie wollte dieses Jahr auch nicht hochkommen, denn bevor ich die jungen Pflänzchen erkannte, waren sie schon den Schnecken zum Opfer gefallen. Ich pflanzte eine haarige und stachlige Bauerngurke, die eine zeitlang nicht angegangen wurde. Doch eines Tages war es dann auch hier soweit. Eine ungefähr zwanzig Zentimeter lange, am Boden liegende, dickbauchige Frucht wurde ausgehöhlt. Die stachlige Schale blieb liegen. Auch um meine fast drei Meter hohe Sonnenblume mußte ich bangen, denn eine moderne Schnecke des 21. Jahrhunderts steigt nicht mehr den Stamm hoch, um sich an der Blüte zu laben oder an den Blättern zu knabbern. Immer wieder fraßen sie unten am Stumpf der Pflanze, als wollten sie die große Sonnenblume wie einen Baum fällen. Die Blätter des Brokkoli sahen aus wie ein bizarres Gerippe und die grünen Röschen waren ausgehöhlt, labyrinthartige Gänge waren angelegt. Bei den Chrysanthemen verschwanden nach und nach die Blüten, die Lilien waren arg zugerichtet und die Margeriten hatten keine Chance. Sogar der giftige Fingerhut war stellenweise schwer gezeichnet. Ungefähr die Hälfte der Paprikaschoten hatte Schneckenbesuch. Die Früchte waren nicht ganz aufgefressen, sondern in jeder war lediglich ein Loch. Die scharfen Peperoni hingegen blieben fast gänzlich unberührt. Erstaunlich war, daß überhaupt noch hier und da eine Pflanze ordentlich wuchs.
Es war nicht immer leicht, den Spaß zu bewahren. Schnecken sind Spielverderber!

Keine Kommentare: