Donnerstag, 15. September 2005

Italien 2005

Ich muss gestehen, dass ich bis zum Jahr 2005 noch nie in Italien war. Obwohl ich die italienische Küche liebte, die kunstvollen Bauwerke einer langen Geschichte bewunderte, die Natur und Pflanzenwelt bestaunte und die Gegensätzlichkeit zwischen Nord und Süd kannte, kam es nie dazu. Nahezu jeder aus meinem Bekanntenkreis war dort schon oft und ich dachte mir, daß ich mich nicht auch noch unbedingt zwischen die unzähligen deutschen Touristen quetschen müsste. Deswegen wählte ich immer andere Reiseziele. Im Fasching 2005 war es aber dann doch soweit und ich überquerte die Grenze zwischen Österreich und Italien. Ich hatte eine Busreise zum Karneval in Venedig gebucht. Es begann um Mitternacht am Augsburger Plärrer. Der Bus fuhr mit wenigen kurzen Unterbrechungen die ganze Nacht durch und morgens gegen acht Uhr war ich in Venedig, wo ich auf einem Motorboot zum Markusplatz hinüber gebracht wurde. Dort war es noch ziemlich ruhig, doch mit jeder Minute verstärkte sich der Rummel. Während der Karneval in Deutschland meistens in engem Zusammenhang mit Alkoholkonsum steht, hat diese Zeit in Venedig eher ein künstlerisches und historisches Flair. Es gab kein Gegröle, keine tumben Gesänge und keine Betrunkenen. Dafür bewegten sich viele Menschen mit phantasievollen Kostümen und Masken durch die Gassen und auf den Plätzen. Fotogen posierten sie für die vielen Touristen. Obwohl unglaubliche Menschenmassen unterwegs waren, fand ich auch ruhige Gässchen und kaum belebte Stellen. Die Altstadt erschien mir wie ein riesiges Museum und zeugte von einer ruhmreichen Vergangenheit, doch viele der Gebäude waren dem Verfall preisgegeben. Die ununterbrochenen Renovierungen in der Stadt konnten nicht Schritt halten mit dem rasanten Tempo des Zerfalls. Ungefähr elf Stunden spazierte ich durch Venedig, bis ich am Abend mit Plattfüßen wieder ein Boot bestieg, das mich ans Festland zum Bus brachte, der in der folgenden Nacht nach Augsburg zurückfuhr, wo ich in den frühen Morgenstunden ankam. Klasse war's, aber auch ziemlich anstrengend.
Danach hätte ich nicht gedacht, dass ich schon kurze Zeit später wieder italienischen Boden unter meinen Füßen haben werde. Die Reise begann am frühen Morgen des 16. Mai am Augsburger Hauptbahnhof. Ich stieg in einen Zug und fuhr über München, Innsbruck, Brenner, Bozen und Verona nach Venedig, denn ich hatte eine Mittelmeerkreuzfahrt gebucht, die dort begann. Vom Bahnhof Mestre ging es schnurstracks zum Hafen, wo ich auf der "Costa Victoria" einschiffen sollte. Noch bevor ich an der Anlegestelle ankam, sah ich schon dieses riesige Ungetüm von Schiff, das alle umliegenden Gebäude überragte. Pünktlich um 18 Uhr begann der Kapitän von der Hafenmauer in Venedig abzulegen. Durch den Giudeccakanal ging es vorbei an den imposanten Palästen Venedigs, dem Markusplatz, der Basilika San Marco, der Insel San Elena und dem Lido hinaus auf das weite Meer. Wie von einem hohen Turm konnte ich alles vom Oberdeck des Schiffes aus betrachten.
Als ich am nächsten Tag erwachte, begab ich mich auf Deck 6 und sah durch die riesige Scheibe das beeindruckende Bild der Adria. Auf hoher See wehte eine leichte Brise und Dunst lag in der Luft, der sich aber nach und nach verzog. Das Schiff war die ganze Nacht mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Knoten (das sind etwa 36 - 37 km/h) Richtung Süden gefahren, was man an der gestiegenen Temperatur bemerken konnte. Nach einem ausgiebigen Frühstück, einer Erholungspause auf dem Sonnendeck und einem Mittagessen vom Buffet, kam Land in Sicht und die Costa Victoria legte in Bari an. Ich ging von Bord und fuhr mit einem Bus ins Stadtzentrum, das nach wenigen Minuten erreicht war. Bei einem Rundgang durch die Altstadt sah ich typisch süditalienische Winkel und Gassen, aber auch den Verfall wertvoller und einzigartiger Gebäude. Die Hauptstraße war eine Palmenallee und lustige Straßenmusikanten boten ein Ständchen. Bari ist berühmt für sein Speiseeis, das hier erfunden worden sein soll und als das beste der Welt gilt. Also begab ich mich in eine Gelateria, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen. Ich wurde nicht enttäuscht - es schmeckte wirklich einmalig! Abends stach das Schiff wieder in See.
Danach führte mich die Fahrt nach Griechenland und Kroatien, bis ich am Ende der Reise wieder nach Italien kam. Die Costa Victoria fuhr abermals vorbei an den bombastischen venezianischen Palästen, bevor sie im Hafen von Venedig anlegte und die Ausschiffung begann. Danach ging es flugs zum Bahnhof Mestre und zurück nach Augsburg.

Aller guten Dinge sind drei, und so kam ich in diesem Jahr ein drittes Mal nach Italien. Als Geburtstagsgeschenk bekam ich einen von mir schon lange gehegten Wunsch, den Besuch einer Oper in der Arena von Verona, erfüllt. Die Busfahrt begann am Morgen des 31. August in Augsburg. Es ging schnurstracks nach Süden über Landsberg, Innsbruck, Europabrücke, Bozen und Trient zum Hotel Holiday Inn Congress Centre, das in einem Außenbezirk von Verona lag. Dort bezog ich ein Zimmer, bevor ich in die Innenstadt zum Piazza Bra fuhr, wo sich die alte römische Arena von Verona befindet, in der am heutigen Abend die Aufführung der Oper "Aida" von Giuseppe Verdi anstand. Wartende Menschenmassen belagerten schon in Trauben die Eingänge und den Platz. Ich hatte eine Karte für einen unnummerierten Sitzplatz in der Mitte: Gradinata Sektor E. Kurz nach 19 Uhr betrat ich die Arena und bezog meinen Platz. Nach und nach füllte sich das Rund, bevor dann endlich um 21 Uhr die Scheinwerfer erloschen und die letzte Vorstellung der diesjährigen Opernfestspiele mit einem Meer aus tausenden Kerzen, die die Zuschauer in ihren Händen hielten, begann. Die Akustik in der Arena war so vorzüglich, dass jeder Musiker und jeder Sänger ohne Mikrofone oder sonstige technische Hilfsmittel auskam und deutlich bis in den letzten Winkel zu hören war. Das Bühnenbild, die Beleuchtungstechnik, die Auswahl der Musiker, die gesamte Inszenierung und die beeindruckende Kulisse waren schlichtweg weltklasse! Sehr beeindruckt und ergriffen verließ ich spät in der Nacht gegen 1 Uhr die Arena und begab mich in mein Hotel.
Am nächsten Morgen stand nach einem ausgiebigen Frühstück eine Stadtbesichtigung auf dem Plan. Der Bus fuhr durch die Altstadt und über die Etsch hinauf auf einen hohen Hügel, der etwas außerhalb der Stadt lag. Von hier aus bot sich ein wunderschönes Panorama. Danach wurde noch eine Führung zu Fuß durch die Altstadt angeboten, bei der ich einiges über die Geschichte der Stadt und ihre Gebäude erfuhr. Fast schon grotesk empfand ich den Rummel um Romeo und Julia, die lediglich Erfindungen von Shakespeare waren, doch geradezu kultisch verehrt wurden, als hätten sie tatsächlich in Verona gelebt. Am frühen Nachmittag fuhr der Bus wieder zurück nach Augsburg, wo ich abends ankam. Mir hat's gefallen!
Fotos:
>> Verona

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