Donnerstag, 26. Mai 2005

Mittelmeer-Kreuzfahrt 2005

Die Reise begann am frühen Morgen des 16. Mai am Augsburger Hauptbahnhof. Ich stieg in einen Zug und fuhr über München, Innsbruck, Brenner, Bozen und Verona nach Venedig. Vom Bahnhof Mestre ging es schnurstracks zum Hafen, wo ich auf der "Costa Victoria" einschiffen sollte. Noch bevor ich an der Anlegestelle ankam, sah ich schon dieses riesige Ungetüm von Schiff, das alle umliegenden Gebäude überragte. Es ist einfach unglaublich, daß so ein Monstrum überhaupt schwimmen kann. Als ich am Kai stand, blickte ich die vielen Stockwerke hinauf und war beeindruckt. Die Einschiffung war perfekt organisiert und schon bald befand ich mich in meiner Kabine auf Deck 7. Die Lage war günstig, denn es war das Hauptdeck, von dem aus ich alle Plätze auf dem Schiff schnell erreichen konnte. Sofort fing ich an, mich zu orientieren. Ich schlenderte unter anderem durch's Spielkasino, vorbei an Bars, Restaurants und Geschäften hinauf auf's Sonnendeck. Es war einfach unglaublich! Zählte man die Zahl der Passagiere und der Besatzung zusammen, kam man auf ungefähr 3000 Personen, die sich an Bord aufhielten. Von Gedränge war aber keine Spur, denn die Größe und die vielen Stockwerke des Schiffes boten ausreichend Platz.
Pünktlich um 18 Uhr begann der Kapitän der Costa Victoria von der Hafenmauer in Venedig abzulegen. Dieses Manöver verfolgte ich neugierig vom obersten Deck aus. Das Schiff entfernte sich erst seitwärts vom Kai und schwamm dann rückwärts und ganz langsam aus dem Hafenbecken, um dann mit einer 90°-Drehung den Bug in Fahrtrichtung zu wenden. Durch den Giudeccakanal ging es vorbei an den imposanten Palästen Venedigs, dem Markusplatz, der Basilika San Marco, der Insel San Elena und dem Lido hinaus auf's weite Meer. Nachts speiste ich im Gourmettempel "Fantasia", wo ich fortan bei meinen allabendlichen Besuchen mit Delikatessen und Köstlichkeiten vom Allerfeinsten bewirtet wurde. Gesättigt spazierte ich noch über die Decks, um mich danach in der Kabine vom leichten Schaukeln des Schiffes in einen tiefen und erholsamen Schlaf wiegen zu lassen. Als ich am nächsten Tag erwachte, begab ich mich auf Deck 6 und betrachtete durch die riesige Scheibe das beeindruckende Bild des weiten Meeres. Auf hoher See wehte eine leichte Brise und Dunst lag in der Luft, der sich aber nach und nach verzog. Das Schiff war die ganze Nacht mit einer Geschwindigkeit von etwa 20 Knoten (das sind 36 - 37 km/h) Richtung Süden gefahren, was man an der gestiegenen Temperatur bemerken konnte. Nach einem ausgiebigen Frühstück, einer Erholungspause auf dem Sonnendeck und einem Mittagessen vom Buffet, kam Land in Sicht und die Costa Victoria legte in Bari an. Ich ging von Bord und fuhr mit einem Bus ins Stadtzentrum, das nach wenigen Minuten erreicht war. Bei einem Rundgang durch die Altstadt sah ich typisch süditalienische Winkel und Gassen, aber auch den Verfall wertvoller und einzigartiger Gebäude. Die Hauptstraße war eine Palmenallee und lustige Straßenmusikanten boten ein Ständchen. Bari ist berühmt für sein Speiseeis, das hier erfunden worden sein soll und als das beste der Welt gilt. Also begab ich mich in eine Gelateria, um den Wahrheitsgehalt dieser Aussage zu überprüfen. Ich wurde nicht enttäuscht - es schmeckte wirklich einmalig! Abends stach das Schiff wieder in See. Nach Faulenzen, Schlemmen und einem Theaterbesuch mußte ich meine Uhr umstellen, denn Nachts wurde die mitteleuropäische Zeitzone verlassen.

Am nächsten Morgen befand ich mich bereits im Ionischen Meer. Die Reiseroute führte an mehreren Inseln vorbei durch die Straße von Kefalonia. Ein Schauspiel war die Fahrt durch den berühmten Ithaka-Kanal, der bestimmt die ganze Aufmerksamkeit des Kapitäns erforderte, der sein riesiges Schiff durch diese lange und schmale Meerenge manövrieren mußte. Am frühen Nachmittag legte die Costa Victoria am Peloponnes in Katakolon an. Ich verzichtete auf einen Ausflug ins nahe gelegene Olympia und unterbrach mein faules Dasein nur durch einen kleinen Spaziergang entlang der Hauptgeschäftsstraße von Katakolon. Gegenüber der griechisch-orthodoxen Kirche trank ich eine eisgekühlte Cola und erwarb auf dem Rückweg zum Hafen ein sehr schönes Ölgemälde auf Leinwand, das in einer fast schon surrealistischen Art die Schönheit einer griechischen Landschaft darstellt.
Der vierte Tag dieser Reise gefiel mir am Besten. Schon morgens ankerte das Schiff im Kratersee vor Santorini. Mit einem Shuttleboot fuhr ich an Land, um dann mit einem Bus in nördliche Richtung entlang des Kraters in die idyllische Ortschaft Oia zu fahren. Dieser Ort ist ein Paradies. Hier schien die Zeit stillzustehen. Die weiß-blau getünchten Höhlenhäuser wurden in die steile Klippe gebaut, was ein fast schon unechtes, unwirkliches und malerisches Bild ergab. Echsen huschten durch die steinigen Gärten und sprichwörtlich "faule Hunde" lagen unbekümmert schlafend in den schmalen Gassen. Wohin ich meinen Blick auch wendete - es war überall überwältigend schön. Ich rastete auf einer Terrasse, von der aus sich eine herrliche Aussicht bot und fuhr dann nach Fhira, dem größten Ort auf der Insel. Dort besichtigte ich kurz eine Kirche und begab mich dann durch den Trubel in Richtung Hafen, der um einiges tiefer auf Meereshöhe lag. Zum Überwinden der steilen Klippe gab es drei Möglichkeiten: Treppe, Gondelbahn oder Maultier. Ich entschied mich für das meistbenutzte Fortbewegungsmittel auf Santorini und erwischte einen störrischen Esel, der erst nach ein paar Stockhieben des Treibers zu laufen begann. Unten angekommen bestieg ich das Shuttleboot, das mich wieder zur Costa Victoria zurück brachte. Weiter ging es durch das Ägäische Meer, vorbei an den Inseln Ios, Sikinos, Paros, Naxos und Dhilos nach Mykonos. Am frühen Abend legte das Schiff im Hafen an, wo es bis 23 Uhr liegen bleiben sollte. Mit einem Bus fuhr ich in die Nähe des Stadtzentrums. Unterwegs sah ich in der Ferne die Windmühlen, die ich früher schon auf Bildern sah und die sich mir als typisch für diese Gegend einprägten. Das wollte ich aus der Nähe sehen. Beim Yachthafen stieg ich aus dem Bus, durchquerte die lebhafte Innenstadt und stieg den Windmühlenberg immer weiter hinauf, konnte die Mühlen aber nicht mehr sehen. Ziemlich erschöpft und schweißgebadet trat ich zunächst enttäuscht den Rückweg an. Als ich etwa zur Hälfte wieder heruntergestiegen war, traute ich kaum meinen Augen. Da waren sie ja! Die Sonne versank gerade im Meer und die Windmühlen standen fotogen im Zwielicht. Das war die Mühe wert. Auf dem Rückweg mußte ich mich beeilen, um das delikate Essen in meinem Gourmettempel nicht zu verpassen.
Am folgenden Tag erreichte ich Rhodos. Schon vom Hafen aus sah ich, daß hier Moscheen und Kirchen friedlich nebeneinander standen. Außerdem erhob sich auf der Insel eine gigantische, weithin sichtbare Kreuzritterburg. Natürlich ging ich an Land. Überall spürte ich nun die Nähe zur Türkei. Nicht nur, weil es hier auch Moscheen gab, sondern das ganze Treiben in der Stadt, die Lederwarengeschäfte und Teppichknüpfereien, das ganze Flair hatte einen Hauch vom Orient. Trotz des Trubels ging es hier ruhig und gemütlich zu. Nach einem Bummel durch die Geschäfte und einem Spaziergang durch die mit Kopfsteinen gepflasterten Gassen in der Burg gönnte ich mir in einem Straßencafe ein griechisches Bier der Marke "Mythos". Hier hätte ich noch ewig verweilen können! Am Abend verließ das Schiff den Hafen und der Rückweg begann.
Als die Costa Victoria am Sonntag in Dubrovnik anlegte, hatte ich über 38 Stunden am Stück auf hoher See zugebracht und einen Sonnenbrand, was mich aber wenig beeindruckte. Nachts zuvor gab es noch ein Mitternachtsbuffet, das nicht nur schmackhaft war, sondern geradezu künstlerisch präsentiert wurde. Bei dieser Gelegenheit konnte ich auch einen Blick in die Kombüse werfen. Hätte ich in dieser Küche etwas kochen müssen, ich hätte nicht gewußt, was ich tun soll.
Dubrovnik ist wahrlich eine Perle mit einer kleinen, aber sehr feinen Altstadt. Der Mauerring ist vollständig erhalten, die Burg thront wuchtig auf dem Berg, die Zugbrücke scheint noch intakt zu sein, steile Treppen führen durch die Gassen auf und ab. Die felsigen Hänge sind hauptsächlich mit Nadelbäumen und großen Buchsbäumen bewachsen, doch auch Palmen sind zu sehen. Die Bewohner Dubrovniks sind angenehm zurückhaltend und viele bieten schöne Handstickereien an. Mit Wehmut im Herzen verließ ich dieses schöne Städtchen, das ich mir immer viel größer vorgestellt hatte.
Am Tag darauf war die Kreuzfahrt zu Ende. Das Schiff fuhr wieder vorbei an den bombastischen venezianischen Palästen, bevor es im Hafen anlegte und die Ausschiffung begann. Danach ging es flugs zum Bahnhof Mestre und nach einigen Stunden Bahnfahrt erreichte ich pünktlich Augsburg. Ich brauchte länger als einen Tag, bis ich mich wieder daran gewöhnt hatte, festen Boden unter den Füßen zu haben.
>> Fotos:
Adria und Ägäis

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