Sonntag, 10. Oktober 2004

Kompost

Das Wort Kompost kommt vom lateinischen "componere" = zusammenlegen, zusammensetzen. Der Wortstamm besagt, worum es beim Kompostieren geht: um das Aufeinanderschichten von verschiedenen Stoffen und Materialien, hier: organischen (pflanzlichen und tierischen) Abfallstoffen. Ziel dieser "Kompostierung" ist die Zersetzung des organischem Materials durch die Tätigkeit von Mikro- und Makroorganismen, Algen und Pilzen unter Einwirkung von Luftsauerstoff, Wasser (Feuchtigkeit) und Temperatur. Der Vorgang läuft immer mit Zufuhr von Luftsauerstoff ab und wird auch als Verwesung oder Verrottung bezeichnet im Gegensatz zur Fäulnis, die unter Luftmangel oder Luftausschluss abläuft. Kompost ist Bodenverbesserungsmittel und Düngemittel zugleich. So werden Pflanzen und Böden mit Humus und Nährstoffen versorgt und die Bodenfruchtbarkeit nimmt zu.
Lange Zeit war die Kompostierung auch beim Freizeitgärtner verpönt, weil mit schnellwirksamen Kunstdüngern hohe Erträge auf viel bequemere Art und Weise zu erreichen waren. Erst als man erkannte, dass durch den Einsatz von Kunstdüngern der Boden langfristig ausgezehrt wird, setzte ein Umdenken ein. Zwischenzeitlich ist die Kompostierung wieder "Stand der Technik" und gehört auch in den Nutzgärten zum gewohnten Bild.
Kompost entfaltet eine vielfältige Wirkung, insbesondere sind hier zu nennen:
  • Verbesserung des Humusgehaltes
  • Durchlüftung des Bodens
  • Förderung der wasserhaltenden Kraft und Bindung der Nährstoffe
  • Pufferung von schädlichen Säuren
  • Verbesserung der Bodenflora und -fauna
  • Ersatz für Torf

Der Kompost ist kein Müllhaufen, auf den man bedenkenlos alles kippt, was man im Garten nicht mehr brauchen kann. Soll er seine Funktion erfüllen, müssen die Ausgangsstoffe gezielt ausgewählt und unter Umständen vorbehandelt werden.
Geeignet sind:

  • Gartenabfälle, soweit diese nicht mit Schadstoffen belastet oder krank sind, wie zerkleinerten Hecken- und Strauchschnitt, Grasschnitt (angewelkt), Laub, Staudenstengel, usw.
  • Pflanzliche Küchen- und Haushaltsabfälle (Obst und Gemüse)

Weniger oder nicht geeignet sind:

  • Schnittgut und Topfpflanzen aus Gärtnereien und Blumenhandel
  • Kaffee- und Teesatz (erhöhte Zink- und Kupferwerte)
  • gekochte Küchen- und Haushaltsabfälle wie Fleisch, Fisch und Teigwaren (sie locken Mäuse und Ratten an!), aber auch Schalen von rohen Eiern
  • Zitrusfrucht-Schalen, Nüsse und Brot (es bildet sich der Pilz Aspergillus flavus, der krebserregendes Aflotoxin produziert)
  • mit Schädlingen befallene oder kranke Pflanzenteile
  • Unkräuter / Wildkräuter in der Samenreife und Wurzelunkräuter
  • alle anorganischen Materialien (Metall, Kunststoff etc.)
  • Staubstaugerbeutelinhalt, Holz- und Kohlenasche
  • Windeln, benutzte Papiertaschentücher und Kleintierstreu

Zusatzstoffe:

  • Kompoststarter und -beschleuniger aus Nährstoffen und rottefördenden Kleinlebewesen können zugegeben werden, sind aber nicht erforderlich.
  • Kalk zur Erhöhung des pH-Wertes und zur Verhinderung von Geruchsbildung müssen auch nicht zwingend zugegeben werden.
  • Die im Gesteins- und Tonmehl enthaltenen mineralischen Stoffe können auch durch die Gabe einer Handvoll Gartenerde zugefügt werden.
  • Auch auf die Zugabe von Kompostwürmer kann verzichtet werden, sinnvoller ist es einer Vielzahl von im Kompost aktiven Lebewesen gute Bedingungen zu schaffen.

Allgemein gilt: Bei einer sorgfältigen, fachgerechten Kompostierung kann auf Zusätze verzichtet werden.
Der Standort für den Kompost sollte

  • von allen Anbauflächen aus gut erreichbar sein (sonst besteht die Gefahr, dass es ein Müllplatz wird),
  • windgeschützt, aber nicht windstill sein (leichte Luftbewegung ist wichtig für die Frischluftzufuhr),
  • halbschattig bis schattig stehen (am besten hinter der Laube, im Schutz einer Hecke oder unter einem Obst-Hochstamm), man kann aber bei sonnigen Standort diesen natürlichen Schutz durch eine Abdeckung aus Vlies oder mit einen Deckel ersetzen.

Die gesammelten Abfälle müssen zunächst - falls erforderlich - mit einem Häcksler, Hacker, Scheibenradhacker, Schläger oder Reißer zerkleinert werden. Um den Luftaustausch an der Kompostbasis zu fördern und Fäulnis zu verhindern, sollte man eine 10 cm hohe Schicht aus Rindenmulch, Gehölzhäcksel oder Stroh aufbauen. Dann mischt man die Gartenabfälle, wobei nährstoffreiche, feuchte und weiche Abfälle (Gemüse, Obst, Rasen, usw.) immer mit nährstoffarmen, trockenen und strukturstabilen Materialien gemischt werden und befüllt den Kompostbehälter. Setzt man nach einiger Zeit den Kompost um, wird der Rottevorgang beschleunigt und der Kompost verrottet gleichmäßiger. Die Arbeit des Umsetzens ist aber nicht dringend erforderlich. Nach wenigen Monaten kann der Kompost bereits als Frischkompost verwendet werden.
Frischkompost mit noch erkennbarer Materialstruktur kann als Mulchmaterial oder als Bodenverbesserungsmittel verwendet werden. Er sollte nur oberflächlich in den Boden eingearbeitet werden. Da wie bei der Verwendung von frischen Mist Gemüsefliegen angezogen werden, sollte er bei der Kultur von Wurzelgemüse, Kohlgemüse und Zwiebel vermieden werden.
Reifekompost, also fertige Komposterde wird (pur oder in Substratmischungen) für Pflanzstellen, Saat- und Frühbeete, für Topfplanzen oder im Gewächshaus verwendet, aber auch zur Verbesserung des Humusgehaltes in normalen Gartenböden. Auch Reifekompost sollte nicht gedankenlos in beliebiger Menge aufgebracht werden, dazu ist er zu wertvoll:
Gemüsekulturen können mit ca. 2l bis 3l Kompost pro qm gedüngt werden, dabei gibt man starkzehrenden Pflanzen wie Kohlgemüse ca. 3 l Kompost pro qm und schwachzehrenden wie Erbsen 1l bis 2l Kompost pro qm. Gehölzpflanzungen reicht man ca. 1l Kompost pro qm und Stauden ca. 2l pro qm. Im Zweifelsfall ist eine Bodenuntersuchung ratsam. Kompost sollte nicht länger als ein Jahr lagern, er verliert sonst wieder an Bodenleben und Nährstoffen.

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