Mittwoch, 28. Juli 2004

Erde und Boden

Seit Beginn des Ackerbaus haben Menschen sich mit den Möglichkeiten beschäftigt, die Fruchtbarkeit ihrer Böden entweder zu verbessern oder doch wenigstens zu erhalten. Heute ist daraus längst eine Wissenschaft geworden, auf deren Erkenntnisse auch der Hobbygärtner zurückgreifen kann.
Böden bestehen etwa zur Hälfte aus Poren, das heißt Hohlräumen, die je nach Witterung mit Wasser oder mit „Bodenluft“ (Luft und Kohlendioxid) gefüllt sind. Die mineralische Substanz selbst macht etwa 45 Prozent aus und besteht aus Körnern verschiedener Größe. Als Ton bezeichnet man Körner, die kleiner als 0,002 Millimeter sind, Schluff liegt zwischen 0,063 und 0,002 Millimetern, und Sand hat eine Größe zwischen 0,063 und 2 Millimetern. Da meist eine Mischung aller drei Kornfraktionen vorliegt, spricht man in der Regel von lehmigen Böden.
Der Humusgehalt unserer Böden schwankt zwischen 2 und 6 Prozent, in vielen Hausgärten liegt er aber auch bei 10 Prozent. Den Rest des Bodenvolumens machen Pflanzenwurzeln und Bodenlebewesen aus. Bemerkenswert ist, dass in einem Kilogramm Boden mehrere Milliarden lebende Organismen zu finden seien, so Dr. Stefan Pätzold vom Institut für Bodenkunde der Uni Bonn.
In der Mehrzahl sind das Bakterien, Pilze und Algen, gefolgt von Fadenwürmern, Bodenmilben und vielem anderen mehr. Wenig bekannt ist, dass Springschwänze (gelegentlich auch in Blumentöpfen zu finden) und Tausendfüßer überaus nützliche Zersetzer von abgestorbenem Pflanzenmaterial sind. Vor allem aber Regenwürmern gehört das Verdienst, fruchtbare Böden zu schaffen. Es gibt Schätzungen, nach denen sich auf einem Hektar Grünland die Biomasse von vier bis fünf Kühen an Regenwürmern im Boden tummelt – unermüdlich dabei, Pflanzenmaterial in den Boden einzuarbeiten, ihn zu lockern und mit ihren Ausscheidungen besten Krümelboden zu zaubern.
Bedroht ist gesundes Bodenleben von der Bodenversauerung, die teils natürliche Ursachen hat, weil Kalzium ausgewaschen wird, teils auf menschlichen Einfluss zurückgeht (saurer Regen). Für viele Wälder hat dies zum Teil dramatische Folgen, weil die Regenwürmer dort vielfach ausgestorben sind. Ihr Fehlen lässt sich daran ablesen, dass Herbstlaub und andere Pflanzenreste nicht mehr oder nur wenig eingearbeitet werden, erkennbar an einer Mullauflage (abgestorbenes Pflanzenmaterial), die nur langsam verrottet. Um an die dort freigesetzten Nährstoffe zu gelangen, wurzeln die Bäume flacher als gewöhnlich und verlieren dabei an Standfestigkeit.
Auf Kulturböden besteht die Möglichkeit, der Versauerung zu begegnen, indem gekalkt wird. Landwirte führen alle drei Jahre eine „Erhaltungskalkung“ durch, um den optimalen pH-Wert (Säurewert) zu erhalten. Ist der pH-Wert zu niedrig, ist allerdings unbedingt eine „Gesundungskalkung“ notwendig. Einmal fördert die pH-Wert-Erhöhung das Bodenleben, weil das eher neutrale „Milieu“ förderlicher ist, zum anderen benötigen die Bodenorganismen Kalzium für den Körperaufbau. Bodenkundler sprechen vom Kalk als dem „Dünger für den Boden“.
Als ersten Schritt zur Bodenvorbereitung für das Frühjahr empfiehlt es sich, eine Bodenprobe von einem Labor analysieren zu lassen. Neben der Bodenart werden der pH-Wert bestimmt sowie die Gehalte an den wichtigen Pflanzennährstoffen (Phosphor, Kalium, Magnesium; weil die Werte für Stickstoff stark schwanken können, wird auf seine Analyse verzichtet). Außerdem werden konkrete Düngeempfehlungen gegeben. Mit solch einer alle drei bis fünf Jahre durchgeführten Analyse weiß man, was im Boden steckt, und läuft nicht Gefahr, zu überdüngen oder die Pflanzen „hungern“ zu lassen.
Steht eine Kalkung an (Gesundungs- oder Erhaltungskalkung), sollte die zu verteilende Menge zumindest für die ersten Quadratmeter recht genau durch Abwiegen bestimmt werden. Denn nur aufs Fingerspitzengefühl sollte man sich nicht verlassen. Dieser Kalk sollte mit einem Grubber oder Ähnlichem möglichst tief eingearbeitet werden. Soll dann der Boden noch Kompost erhalten, muss damit etwa drei Wochen gewartet werden. Grund: Durch die Kalkdüngung wird das Bodenleben zunächst stark angeregt. Die Nährstoffe des Kompostes würden dabei vorzeitig freigesetzt und durch Regenauswaschung verloren gehen. Starkzehrer im Gemüsebeet, wie die verschiedenen Kohlsorten, erhalten zusätzlich etwas Hornspäne, weil sie einen höheren Bedarf an Stickstoff haben. Zu beachten ist: Auch mit organischem Dünger kann man überdüngen! Kompost ist weit mehr als ein Bodenverbesserer, nämlich auch ein Nährstofflieferant. Die Bodenorganismen machen es möglich, dass den Wurzeln immer rechtzeitig die nötigen Nährstoffe zugeführt werden.
Umgraben oder nicht umgraben? Diese alte Streitfrage ist von Wissenschaftlern längst beantwortet worden, denn das beim Umgraben gestörte Bodenleben normalisiert sich schon nach wenigen Wochen. Schwere Böden werden deutlich lockerer, wenn sie regelmäßig im Herbst grobschollig umgegraben werden. Fröste können dann tief eindringen und die Bodenklumpen mürbe und durchlässiger machen. Für mittlere und leichte Böden reicht es völlig aus, einen Sauzahn möglichst tief hindurchzuziehen.

Keine Kommentare: