Sonntag, 22. Juni 2003

Djerba 2003

Tunesien zur Zeit der Pfingstferien hat einiges zu bieten: Einen vorgezogenen Sommer, eine kurze Flugzeit, günstige Preise, herrliche Landschaften und kulturelle Stätten, gastfreundliche Menschen, delikate Speisen und Getränke sowie den bei mir so beliebten orientalischen Lebensstil. Nachdem ich in den letzten Jahren schon in Zentral- und Nordtunesien war, kam diesesmal Südtunesien an die Reihe. Dort wohnte ich im altehrwürdigen Hotel Al Jazira am Sidi Mahrez-Strand auf Djerba.
Nachdem ich mich vom Stress des alltäglichen Lebens erholt hatte, ging's schon los mit dem für mich in Tunesien obligatorischen Kamelreiten. Die Karawane bestand aus vier Kamelen. Bevor der Ausflug begann, wurden alle Teilnehmer in orientalische Gewänder gehüllt. Dann begann ein ausgedehnter Ritt am Strand entlang bis zur Flamingoinsel. Dort wurde gegrillt und es bestand die Möglichkeit, mit einem Pferd über die Insel zu preschen bevor ein Fakir seine Künste darbot. Danach ritten wir wieder zurück und es dämmerte schon, als ich mit O-Beinen von meinem Kamel stieg.
Um Djerba besser kennen zu lernen, nahm ich kurz danach an einer Inselrundfahrt teil. Mit einem Bus ging's erst zum Römerdamm, der die Insel mit dem Festland verbindet und dann weiter nach Guellala, wo das Museum und eine Töpferei besichtigt wurden. Die älteste afrikanische Synagoge La Ghriba, die im Jahr zuvor bei einem Anschlag gesprengt worden war, wurde weiträumig umfahren und mit keinem Wort erwähnt. So kam ich zur Inselhauptstadt Houmt Souk. Nach der Besichtigung der Festung und einer Teppichknüpferei schlenderte ich über den Wochenmarkt, der an diesem Tag stattfand. Danach ging es zurück ins Hotel. Bei einem Folkloreabend genoß ich tunesische Musik und Bauchtanz. Der nächste Ausflug führte mich auf's Festland. In einem Geländewagen verließ ich die Insel über den Römerdamm. Bald wurde die Straße verlassen und ich hoppelte querfeldein über die Piste in Richtung Medenine. Unbeschreibliche Landschaften und ab und zu kleine Ansiedlungen, bei denen ich mich fragte, wovon die Menschen dort überhaupt leben, zogen vorüber. Eine Ruhe herrscht dort am Rande der Sahara, wie es sie in Deutschland wohl nirgendwo gibt, doch kaum in Medenine angekommen, ging der Trubel richtig los. Erst besichtigte ich die riesigen restaurierten Speicheranlagen, die aber leider von einigen lästigen Souvenirverkäufern belagert wurden. Danach besuchte ich den sehr lebhaften Markt. Hier war wirklich was los! So stelle ich mir einen orientalischen Markt vor. Hinterher gönnte ich mir einen grünen Tee mit Pfefferminze in einem kleinen Teehaus. Die nächste Station war Ksar El Halouf, eine kleine Siedlung neben einem alten, halb zerfallenen Getreidespeicher. Langsam wurde die Piste immer buckliger, denn es begann das Bergland von Dahar. Dort genoß ich einen herrlichen Ausblick auf die alte Berbersiedlung Toujane. Das eigentliche Ziel dieses Ausflugs war aber Matmata. Ich erwartete einen Trubel wie in Medenine, doch es war erstaunlich ruhig. Ich genehmigte mir einen kleinen Kamelritt und verzehrte eine frisch gepflückte Feige bevor ich mich in ein Restaurant begab und mir ein Couscous schmecken ließ. Frisch gestärkt besichtigte ich eine von einer alten Frau bewohnte Höhlenwohnung. Es war unerträglich heiß, doch in der Wohnung hatte es angenehme 26 Grad - und das ohne Klimaanlage. Die Bewohnerin benutzte noch eine alte Getreidemühle, doch im Wohnzimmer ihrer Höhle durfte ein Fernsehgerät nicht fehlen. Dann ging die Fahrt querfeldein weiter nach Mareth und ab da auf der Straße bis nach Djorf, von wo aus ich mit der Fähre nach Adjim auf Djerba übersetzte.
Nach diesem erlebnisreichen Tag war erst mal eine Portion Faulenzen am Strand und abends eine Wasserpfeife im Maurischen Cafe angesagt. Zwischendurch wurde auch mal mit einem Katamaran im Meer gesegelt. Da Taxifahrten auf Djerba ziemlich günstig sind, ließ ich mich eines Tages in die nahe gelegene Ortschaft Midoun chauffieren. Ich besuchte den Markt und verschiedene Geschäfte, um mir CD's mit arabischer Musik und andere Artikel zu besorgen. Im Hotel kamen Gaukler, die unter anderem Warane vorführten und freiwilligen Ahnungslosen Skorpione ans Hemd hängten und Schlangen um den Hals wickelten. Ich konnte mich dafür nicht sonderlich begeistern. Dafür plante ich noch einen Ausflug, der mich in die Nähe zur Grenze nach Libyen bringen sollte. Wieder ging es mit dem Geländewagen über den Römerdamm auf's Festland. Die Straße führte durch Zarzis schnurstracks nach Ben Gardane, wo der libysche Markt stattfand. Auf den Fahrzeugen der Libyer waren allerlei Güter regelrecht aufgetürmt und am Straßenrand blühte der Schwarzmarkt mit Benzin. Die Tunesier waren geteilter Meinung über das Auftreten und die Art der Libyer. Nach Ben Gardane wurde die Straße verlassen und es ging über Ksar Aoun, Beni Mehira und Beni Belil Richtung Tataouine und eine bizarre Landschaft bot sich dar. Felsen, die abgeschliffen durch den Wind fast wie abgesägte Baumstümpfe aussahen, eine Wasserquelle mitten im verdorrten und fast pflanzenlosen Land, Rommels zurückgelassene Panzer in der Wüste, verlassene und einsam gelegene Getreidespeicher, deren dunkle Gewölbe von farbigen Echsen bewohnt waren und ein angriffslustiger Skorpion, der zielstrebig unter einem Stein hervorkam. Hungrig erreichte ich Tataouine und erholte mich im Hotel Sangho bevor ich den Rückweg durch das Gebiet, in dem einst Saurier lebten, antrat. Besonders eindrucksvoll waren dabei eine Gegend mit Flugsanddünen und der Große Salzsee von Zarzis.
Nach diesem Ausflug war wieder das Dösen am Strand meine Lieblingsbeschäftigung. Leider neigte sich dann mein Urlaub dem Ende zu. Ich deckte mich noch schnell mit Olivenöl, Gewürzen, Tee, Datteln und anderen schönen Dingen ein und mußte dann den Rückflug antreten. Schön war's!
>> Fotos:
Südtunesien

1 Kommentar:

Monica hat gesagt…

Hört sich ja nach nem echt genialen Urlaub an :). Vor allem die Märkte sind in den Arabischen Ländern genial da kann ich dir nur zustimmen. Muss man aber auch echt gut handeln können sonst wirds schwierig ;).
Ich finde es auch immer interessant bei solchen fahrten zu erfahren wie andere Kulturen leben. Auch stelle ich mir denn Ritt über die Flamingoinsel stelle ich mir genial vor :D. Ich hoffe ich kann auch mal so einen Erlebnisreichen Urlaub machen.