Sonntag, 10. November 2002

Alanya 2002

Anfangs November, wenn es im Garten nichts mehr zu tun gibt und das Wetter ungemütlich und naßkalt wird, zieht es mich in sonnigere Gefielde. An der türkischen Riviera herrscht zu dieser Jahreszeit noch das herrlichste Badewetter. Mein bevorzugter Platz in dieser Gegend ist Alanya, denn ab hier wachsen Bananen und das will schließlich etwas heißen. Im Herbst 2002 hatte ich mal wieder Zeit und Gelegenheit, eine Woche dort zu verbringen. Ich war im Hotel Doganay untergebracht, das zwischen Konakli und Alanya liegt. Ich wußte schon, daß dort zwischen den Hotels und dem Strand eine Straße verläuft, doch das Angebot war relativ günstig und so nahm ich diesen kleinen Nachteil in Kauf.
Das Wetter war ganz und gar so, wie ich es mir vorgestellt hatte. Mein Aktionsradius umfaßte zunächst nur die Strecke zwischen Strand, Restaurant und Pool bis mir das zu langweilig wurde. Dann stellte ich mich an die Straße und fuhr mit dem Dolmus ins Zentrum von Alanya, um mich umzusehen und etwas einzukaufen. Wenn man es versteht, geschickt zu feilschen, kann man hier allerhand sehr billig erstehen. In der Gegend zwischen Marktplatz und Hafen reiht sich ein Textilgeschäft ans andere und so klapperte ich die Läden ab und stöberte zwischen Hosen, Pullis und T-Shirts von z. B. Levis, Diesel, Adidas, Carhart oder Lacoste. Natürlich mußte ich einige Zeit investieren, denn die günstigen Preise mußten immer erst ausgehandelt werden. Doch ich hatte ja Urlaub und mehr Zeit als Geld. Erschrocken bin ich nur vor einem Geschäft, das Fanschals von verschiedenen europäischen Fußballvereinen führte. Da hing doch glatt der Schal von Werder Bremen über dem vom TSV 1860! Als ich mich von diesem Schrecken erholt hatte, besorgte ich mir noch zwei Kilo Osmanisches Fleischgewürz, ein Kilo Cay, einen großen Beutel Pistazien, Leblebici mit Zuckerguß und andere Kleinigkeiten. Gegen den kleinen Hunger zwischendurch half ein Simit, das ist so etwas Ähnliches wie eine runde Breze mit Sesam. An einem der nächsten Tage wollte ich einen Ausflug machen und entschied mich für einen Abstecher zum Cap Anamur, dem südlichsten Punkt des türkischen Festlandes. Die Fahrt in einem Kleinbus ging zunächst nach Osten durch Alanya und dann weiter in Richtung Gazipasa. Mehrere Ausgrabungsstätten und Ruinen aus längst vergangenen Zeiten waren zu sehen. Im antiken Selinus machte ich eine kurze Pause. Im weiteren Verlauf der Wegstrecke rückte das Taurusgebirge immer näher an die Küste und Serpentinen führten nach Oben. Oft verlor ich jetzt das Meer aus den Augen, doch wenn es wieder über die hohen und steilen Felsklippen zu sehen war, bot sich mir ein prächtiger Ausblick. Am Stand eines einheimischen Bauern, ganz allein im waldigen Bergland, hielt der Bus wieder an. Es gab reife, kurze Bananen, die hier in dieser Gegend wachsen - eine Köstlichkeit! Unter anderem bot der Bauer aus eigener Produktion auch Erdnüsse, eingelegten Knoblauch oder Granatapfelsirup an.
Die Fahrt ging weiter und bald war ich in Anemurion, der Stadt der Mosaike. Ein Ortskundiger offenbarte mir einige dieser Kunstwerke, die unter Kieselsteinen versteckt waren. Anemurion ist eine riesige Geisterstadt, die Zeugnis über die hohe Kultur in der Antike abgibt. Ein Theater, eine Kapelle, die Stadtmauer und viele andere halb zerfallene, doch angesichts ihres Alters gut erhaltene Gebäude erstrecken sich über ein großes Gelände. Nach einer ausgiebigen Besichtigung ging's weiter nach Anamur, um den Hunger zu stillen und auszuruhen.
In der Nähe lag eine große Burg, die einst von den Kreuzrittern erbaut wurde, doch im Laufe der Geschichte viele Besitzer hatte - Mamure Kalesi. Um in die Burg zu gelangen überquerte ich eine kleine Steinbrücke, die über ein Flüßchen führte. Dort brüten zu einer anderen Jahreszeit Schildkröten einer ganz seltenen Gattung. Innerhalb der Burg steht die älteste Moschee der Türkei. Die Burg ist wirklich riesig. Ich konnte die Türme hochsteigen und auf den Wehrgängen wandeln. Noch lange hätte ich dort verweilen können, doch es wurde Zeit für die Rückfahrt.
Eine Woche ist schnell um und so blieb mir nur noch eine kurze Zeit übrig für einen Strandspaziergang und einen Besuch im nahe gelegenen Konakli. Und natürlich auch um Sonne zu tanken, denn diese Wärme begleitete mich innerlich durch den ganzen folgenden Winter. Das allein war die Sache schon wert.

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