Montag, 26. August 2002

Chiemsee Reggae Summer

Im August 2001 bekam ich eine Eintrittskarte für das schon seit einiger Zeit jährlich stattfindende dreitägige Reggaefestival in Übersee am Chiemsee geschenkt. Bei herrlichstem Wetter genoß ich damals den Trubel zur Musik von z.B. Linton Kwesi Johnson, Third World, Bunny Wailer oder Hans Söllner & Bayaman Sissdem. So war ich im darauffolgenden Jahr begeistert, als ich wieder ein Dreitagesticket zum Geburtstag geschenkt bekam. Das Open-Air-Festival begann am 23. August 2002. Ich packte beizeiten Zelt, Isomatte und Schlafsack in den Kofferraum meines Volvo, denn ich wollte so bald wie möglich dort sein, um ja nichts zu versäumen. Der Weg war leicht zu finden, denn ab der Gegend um den Chiemsee war er hervorragend ausgeschildert. Überhaupt war wieder alles vorzüglich organisiert. Leider erwischte ich diesmal einen Parkplatz, der ein ganz schönes Stück weit weg auf einer Wiese lag. Ich ließ erstmal meine Campingausrüstung im Kofferraum und begab mich bei brütender Hitze auf den wohl unumgänglichen Fußmarsch. Am Gelände angelangt entrichtete ich erst mal das Pfand für den Müllsack und marschierte dann weiter Richtung Zeltplatz. Dort bekam ich nach dem Vorzeigen meiner Eintrittskarte ein Armband um mein Handgelenk genietet. Es herrschte schon ein reges Treiben, Musik lag in der Luft und die meisten waren noch damit beschäftigt, ihre Behausung für die nächsten Tage aufzustellen. Es war erstaunlich, wie innerhalb weniger Stunden eine große Zeltstadt förmlich aus dem Boden wuchs. Mir bot sich die Gelegenheit, die erste Nacht in einem anderen Zelt zu verbringen. So verschob ich meinen Aufbau auf den nächsten Vormittag und begab mich sofort auf's Festivalgelände, wo alles schon in vollem Gange war. Hunger und Durst waren schnell gestillt und so schlenderte ich an den Ständen vorbei und freute mich auf die Nacht, wenn Israel Vibration ihren Auftritt haben sollten. Jamaica Papa Curvin sorgte erstmal für das passende Feeling. Sonst war das Programm des ersten Tages nicht besonders aufregend, denn Schwarz auf Weiss oder Joy Denalane interessierten mich nicht so brennend und Patrice oder Seeed hatte ich im letzten Jahr schon gesehen. Es war ein buntes Völkchen auf dem Platz versammelt und die Stimmung war gut, als dann Israel Vibration nach einer ausgezeichneten Vorstellung den ersten Tag beendeten. Ich schlief gut in der ersten Nacht, was wohl an der frischen und würzigen Luft gelegen haben mag. Am nächsten Morgen weckten mich die warmen Sonnenstrahlen und kurz darauf marschierte ich zu meinem Parkplatz, um mein Zelt zu holen. Unterwegs gab es zur Erleichterung gottlob eine annehmbare Toilette, denn die üblichen Latrinen der Marke "Dixie" waren nichts für sanfte Gemüter und oft nichtmal im alleräußersten Notfall zumutbar. Das Wetter an diesem Tag war hochsommerlich und nachdem ich mein Zelt aufgebaut hatte, ging ich zum Tiroler Achen, der nicht weit hinter dem Zeltplatz verlief. Hier ging es zu wie an einem gut besuchten Mittelmeerstrand, nur die Wassertemperatur dieses Gebirgsflusses hätte ruhig ein paar Grad höher sein können. Halb im Gebüsch versteckt standen Kriminalpolizisten, die heimlich die Menge beobachteten, um dem Gebrauch des Heiligen Krautes der Rastafari sofort mit drastischen Strafen zu begegnen. Während im vergangenen Jahr die unzähligen uniformierten Polizisten eher ein Auftreten wie eine aggressive Schlägertruppe an den Tag legten, mischten sie sich diesesmal inkognito unters Volk. Ich sah einige, denen unsere Staatsdiener mit grinsendem Gesicht die Freude am Festival gründlich verdorben hatten. Auf der Bühne war einiges geboten. De Phazz und Brothers Keepers legten vor und die Skatalites fetzten ab wie in jungen Tagen. Danach folgte Gentleman, der im Jahr zuvor hier auch schon spielte. Einen ganz starken Auftritt hatten Steel Pulse am Abend und Alpha Blondy & the Solar System spielten bis weit nach Mitternacht. Dieser Tag allein rechtfertigte schon den Besuch dieser Veranstaltung. Auf dem Gelände gab es auch ein riesiges Zelt, in dem ständig weitere Darbietungen stattfanden. Dort war ich aber eher selten zu sehen, denn die Hauptsache lief auf der großen Bühne im Freien ab und das Wetter war gut.
Auch am letzten Tag weckte mich die Sonne, deren Wärme mein Zelt in ein Treibhaus verwandelte. Foo Fanick, eine Band von der ich vorher und nachher nie mehr etwas gehört habe, begannen den Tag mit einem passablen Auftritt. Als ich mich an Beck's Bierstand ärgerte, daß es kein anständiges Helles zu trinken gab, spielten Moana & the Tribe. Neben mir stand ein Zeitungsreporter aus Salzburg, der mit seinem Getränk auch nicht zufrieden war. Eigentlich wollte er gleich wieder gehen, doch als es dunkel wurde, stand er immer noch da und schüttete sich einen Becher nach dem anderen dieses widerlichen Gesöffs die Kehle hinunter. Zum Abschluß trank er noch eine Cola und fuhr dann als wäre nichts gewesen zurück nach Salzburg. Inzwischen sollte Gregory Isaacs seinen Auftritt haben, der aber zu meiner Enttäuschung abgesagt wurde. Statt dessen spielten nun Sixth Revelation, die zwar als freudige Überraschung angekündigt wurden aber anscheinend auch schon Stammgäste bei diesem Festival sind. Richtig los ging es dann mit Eek-a-mouse und danach kam Luciano mit dem nach meinem Geschmack besten Act des Tages. Am Sonntag endete das dreitägige Festival pünktlich um 22 Uhr. Zum Abschluß spulten UB 40 ein laues, mittelmäßiges Programm herunter und waren wohl eher als Rausschmeißer gedacht. Im Musikzelt tobten sich noch ein paar Randalierer aus, was zu der ansonsten friedlichen Stimmung überhaupt nicht passte. Ich übernachtete noch einmal in meinem Zelt und fuhr dann am Montag vormittag wieder zurück in eine andere Welt.

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