Sonntag, 21. April 2002

Agadir 2002

Mein Urlaub fiel in diesem Jahr auf die Zeit um Ostern. Da in den Mittelmeerländern auch noch relativ kühle Temperaturen herrschten, ich aber wärmere Gefielde vorzog, konnte ich mich erst nicht recht entscheiden, wohin die Reise diesesmal gehen sollte. Vor einem ewig langen Flug in einem Nichtraucherflugzeug über den Atlantik oder nach Fernost schreckte ich zurück, nach Ägypten oder an den Persischen Golf wollte ich auch nicht und die Kanarischen Inseln waren mir zu kostspielig. So fiel die Entscheidung auf Marokko, denn an der Atlantikküste in der Gegend um Agadir ist das Klima immer angenehm und orientalische Länder besuche ich sowieso sehr gerne. Ich wohnte dort im Hotel Anezi an der Rue Mohammed V und wenn ich aus dem Fenster schaute, blickte ich auf den Ozean und den Hügel, auf dem die Kasbah thront. In riesigen, weithin sichtbaren arabischen Lettern stand dort "Gott - König - Vaterland" geschrieben und fast immer lag ein nebliger Dunst in der Luft.
Um die Stadt besser kennen zu lernen, unternahm ich eine Stadtrundfahrt. Es gibt nur sehr wenige kulturelle Sehenswürdigkeiten, denn Agadir wurde 1960 durch ein starkes Erdbeben fast vollständig zerstört. So war die erste Station der Hafen. In der Werft wurden aus dem Holz von Eukalyptusbäumen, die zuhauf in dieser Gegend wachsen, große Schiffe gebaut. Nebenan lag der Fischereihafen. In der "Halle au poisson" fand gerade der Fischmarkt statt. Es war ziemlich laut und stank erbärmlich, so daß ich froh war, als die Fahrt weiterging. Zuerst durch den Stadtverkehr und dann über eine enge, kurvige Straße ging es den Berg hinauf, auf dem die Überreste der Kasbah zu sehen waren. Von hier oben hatte ich einen herrlichen Ausblick auf die Bucht. Innerhalb der Gemäuer war eine alte Grabstätte, sonst war hier nicht viel zu besichtigen. Der Bus fuhr wieder in die Stadt hinunter und ich sah auf einem weiten Platz Autos herumfahren, die zwei Lenkräder hatten. Das waren die Fahrzeuge der einheimischen Fahrschulen. Nach kurzer Zeit erreichte ich den Stadtmarkt. Die von Mauern umgebenen und zum größten Teil mit Planen überdeckten Souks boten einiges. Backwaren, Textilien, Gewürze oder Obst und Gemüse luden zum handeln ein. Ich schlenderte eine ganze Weile dort herum und erstand eine Tüte voller frischer und reifer Orangen. Danach war die Stadtrundfahrt beendet und es ging zurück ins Hotel, von wo aus ich die Stadt auch gut zu Fuß erkunden konnte. Ich besuchte mehrere Geschäfte, ein Teehaus und ein Internetcafe. Eines morgens wachte ich auf und es regnete. So etwas hatte ich bislang in Nordafrika noch nicht erlebt. Ich fuhr mit einer kleinen Bahn durch die Stadt und nachdem ich eine Runde gedreht hatte, schien auch schon wieder die Sonne und ich ging an den Strand. Der Atlantik war aufgewühlt und das Wasser war braun. Aus der Zeitung erfuhr ich später, daß an diesem Tag auf Teneriffa eine riesige Geröll- und Schlammlawine ins Meer kippte. Am Strand bot mir ein fliegender Händler Gebäck und eine andere marokkanische Spezialität an und in "Rudi's Backstube" trank ich ein Bier. Mein Spaziergang war dann bald beendet, denn ein kurzes Stück weiter, wo sonst außer feinkörnigem Sand nichts war, ergoß sich nun plötzlich ein reißender Fluß ins Meer. Ich ging zurück ins Hotel, legte mich auf die Sonnenterrasse und holte mir den Sonnenbrand meines Lebens.
Bald danach drängte es mich dazu, wieder einmal auf einem Kamel zu reiten. Der Ritt begann außerhalb der Stadt und führte durch eine ländliche, grüne Gegend, vorbei an armseligen, einfachen Gehöften und durch kühle, schattige Eukalyptuswälder bis zur Flußmündung des Oued Sous, wo man Flamingos beobachten konnte. Mein Kamel war ein großes und schönes Tier, Bihi genannt, und mein Sattel war sehr bequem. Es war ein herrlicher Ausritt an diesem Tag.
Nicht viel später stand ein größerer Ausflug ins Bergland des Anti-Atlas auf dem Programm. Der Bus startete in Agadir und durchquerte die fruchtbare Sousebene bevor es auf endlosen Serpentinen steil bis auf fast 2000 m nach oben ging. Ich sah Arganenbäume, die von Kletterziegen belagert waren. Die Tiere stiegen auf die Bäume, um die Früchte zu verspeisen und die Kerne auszuspucken. Die Bauern lesen diese Kerne auf und knacken sie. Aus dem Inneren wird dann das einmalige, wertvolle, seltene und sehr gesunde Arganenöl gepresst. Weiter oben im Gebirge waren Dörfer zu sehen, die wie Burgen auf den Bergspitzen angelegt waren und Ortschaften im typischen Baustil der Berber. Am Fuße eines Gipfels, Napoleonshut genannt, besichtigte ich solch ein Dorf, das zwar bewohnt war aber menschenleer erschien. Die Villen der reichen Berber standen neben ärmlicheren Gebäuden und Ruinen. Bald kam ich nach Tafraoute. Dort wurden Gewürze, Keramik und Arganenöl angeboten und das Museum der Tuareg entpuppte sich als simple Teppichhandlung. Das Essen in einem Restaurant war vom Feinsten. Es gab Couscous und Tajin mit Pflaumen und Mandeln. Danach trank ich selbstverständlich noch einen Grünen Tee mit Pfefferminze. Nahe bei Tafraoute besichtigte ich ein kleines malerisches Dorf, bevor die Fahrt durch eindrucksvolle Landschaften in Richtung Tiznit, der Stadt der Silberschmiedekunst, weiterging. Dort angekommen ging ein Platzregen nieder. Ich besuchte eine Silberschmiede und bereue es heute noch, daß ich dort nicht so ein schön verziertes Teekännchen gekauft habe. Danach begann der Rückweg und ziemlich zügig ging es wieder hinunter nach Agadir.
Ich besuchte noch den Vogelpark, einen kleinen Zoo und deckte mich dann mit Tee, Gewürzen, Keramik, Lederwaren, CD's mit orientalischer Musik und natürlich Arganenöl ein. Außerdem rupfte mir ein freundlicher Marokkaner einen Büschel Nanaminze aus seinem Hinterhof. Einige dieser Pflanzen gedeihen heute noch in meinem Garten und haben sich vermehrt. Auf dem Flughafen mußte ich zum Flugzeug über das Rollfeld springen. Schon auf dem Rückflug war mir klar, daß ich Marokko irgendwann wieder besuchen werde.

>> Fotos: Marokko

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