Sonntag, 10. Juni 2001

Hammamet 2001

Endlich wieder einmal Urlaub zu Pfingsten! Nachdem ich bei meiner letzten Reise um diese Jahreszeit in Tunesien war, fackelte ich nicht lange und wählte dieses Land wieder als Ziel. Die Gastfreundschaft und die hohe Kunst der Gastronomie hatten mich beeindruckt und ließ den Einfluß der französischen Besatzungszeit erahnen. Während ich das letztemal meine Zeit in Zentraltunesien verbrachte, zog ich dieses Jahr den grünen Norden vor, die Kornkammer Nordafrikas. Ich wohnte dort etwas außerhalb des Zentrums von Hammamet im Hotel Club Venus. Es war eines der besten Plätze, an denen ich jemals nächtigte. Zunächst wurde ausgiebig gefaulenzt und geschlemmt, bevor ich mich in die Ortschaft begab.
Der im Hotel ansässige Teppichhändler bot den Service an, mit einem Shuttlebus ins Zentrum zu fahren. Natürlich spielte dabei der Hintergedanke eine Rolle, einen Teppich zu verkaufen, denn der Bus hielt genau vor seinem Lager, das erstmal ausgiebig besichtigt werden mußte. Danach schlenderte ich durch die Straßen, kaufte mir eine Tüte gebrannte Mandeln und umrundete die Burg, die ich bei meinem nächsten Stadtbummel bestieg und besichtigte. Von dort oben bot sich mir ein herrlicher Ausblick über die Bucht und die Stadt mit ihren Kuppeln und Dächern. Anschließend wagte ich einen Gang durch die Souks, die sich in den engen und verwinkelten Gassen der Altstadt befanden. Fast war mir dabei so, als wandelte ich in einem Labyrinth. Ich kam an einer Ruine aus der Römerzeit vorbei und an der Moschee mit ihrem viereckigen Minarett. Für die Römer war übrigens Hammamet auch schon ein bekannter Badeort, der seinerzeit den lustigen Namen "Pupput" trug. Die Händler in den Souks boten neben Souvenirs auch Silberschmuck, Lederwaren, Keramik und reizvolle Handstickereien an. Mit Plattfüßen erreichte ich wieder mein Hotel und erholte mich ersteinmal von diesem anstrengenden Tag.
Ich unternahm eine Bootsfahrt an der Küste entlang, vorbei an der Burg, einer Villa und einer Freilichtbühne. Zur Erfrischung gab es an Bord ein großes Stück Wassermelone und eine zuvor als tunesische Spezialität gepriesene Speise, die sich als Gebäck mit Sesam entpuppte. Bei einem Strandspaziergang wanderte ich nach Hammamet-Yasmin, das sich noch in Bau befand. Ich ging bis zum Yachthafen, der aber auch noch nicht fertig war und kehrte dann um. Am Abend wurden im Hotel tunesische Tänze und Musik aufgeführt. Tagsüber begab ich mich in die Stadt oder döste am Strand.
Dann war wieder Kamelreiten angesagt. Die Karawane bestand aus sechs Kamelen und einer Kutsche. Der Ritt führte durch eine ländliche Gegend, vorbei an Oliven- und Mandelbaumplantagen. Die Zäune rings um die Gärten und Weiden waren stachlige Kakteen. Auf manchen Grundstücken standen alte und versickerte Kamelbrunnen. Ich traf Kinder, die auf dem Schulweg waren und mir freundlich zuwinkten. An einem Reiterhof bekam ich frisch im Steinofen gebackenes Fladenbrot und Olivenöl. Es wurde ein wenig musiziert und in orientalischen Trachten auf einem Kamel getanzt. Dann führte der Ausritt an einer Eisenbahnlinie entlang zurück zum Hotel. Bald unternahm ich wieder einen Strandspaziergang. Diesesmal ging ich in die andere Richtung bis nach Hammamet. Dort schlenderte ich nochmals durch die Souks und trank Pfefferminztee in einem Teehaus bei der Burg. Kurz danach unternahm ich einen Ausflug rund ums Cap Bon. Die Busfahrt begann in Hammamet und führte zuerst nach Nabeul. Diese Stadt ist sehr berühmt wegen seiner Töpferkunst und so führte mein erster Weg in eine Töpferei. Allerlei Krüge, Kannen, Tassen und Teller in sämtlichen Formen, Größen und Farben waren zu bestaunen und ich konnte einen Mann bei der Herstellung dieser Gegenstände beobachten. Im Ortszentrum stand ein Baum, der aus einem riesigen Krug wuchs. Danach besichtigte ich eine Moschee, die ein achteckiges Minarett besaß. Die Fahrt ging weiter über Korba nach Kelibia. Ich besuchte die reichlich bestückte Markthalle und später den Fischereihafen. Gegenüber auf einem Berg war eine große, gut erhaltene Burg zu sehen. Dann ging es weiter nach Kerkouane. Neben einem Museum und einem sehr schön angelegten Garten liegt eine alte punische Ausgrabungsstätte. Die Grundmauern der Häuser und Tempel gaben mir ein anschauliches Bild über Größe und Wohlstand dieser altertümlichen Stadt der einstigen Karthager. Jedes Haus beinhaltete ein steinernes Sitzbad. Mosaike, Schmuckstücke und Gebrauchsgegenstände zeugten von der einstmals hochstehenden Kultur. Auch die Lage am Ufer des Meeres war einmalig. Ein wirklich schöner Platz. Danach ging die Fahrt weiter nach El Haouaria. Bald war ich an der Nordspitze des Cap Bon. Nach einer deftigen Mahlzeit inspizierte ich einen alten römischen Steinbruch, der außerhalb der Ortschaft lag. Bizarre Gesteinsformen und -farben waren zu sehen. Ein großer Felsen innerhalb der Höhle hatte die Form eines Kamels und das Deckengewölbe ein kreuzförmiges Loch. Am nördlichsten Punkt des Cap Bon startete seinerzeit Hannibal seinen Feldzug bis über die Alpen. Von hier aus war es nicht mehr weit bis nach Sizilien, doch bis zum Horizont konnte ich nichts sehen als das Meer. Anschließend kam ich auf die Westseite der Halbinsel und blickte bei Sidi Daoud auf den Golf von Tunis. Dann ging es weiter nach Korbous und von dort zur Hauptstraße in Richtung Hammamet.
Bald war mein Urlaub zu Ende. Ich räkelte mich noch ein paar Tage in der warmen Sonne und baute am Strand eine Sandburg, bevor mich die Pflicht rief und aus meinen Träumen weckte.

>> Fotos: Nordtunesien

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